Alternativ-Ansatz
Ein Elektro-Kombi aus China, der nicht mit seinem Preis, sondern mit seinen Qualitäten überzeugen will.
Die meisten der inzwischen zahlreichen China-Marken greifen in Europa mit preisgünstigen SUV an. Dahinter steckt die logische Überlegung, dass diese Klasse am erfolgversprechendsten scheint. Nios Ansatz ist dennoch ein anderer: Man will nicht mit günstigen Preisen überzeugen (die rein elektrischen Modelle aus Shanghai kosten aktuell zwischen 50.000 und über 100.000 Euro), sondern mit Top-Qualität und herausragender Technologie.
Deshalb wählte man auch München als Sitz der Europa-Zentrale, weil alle drei deutschen Oberklasse-Hersteller aus Süddeutschland stammen. Der Import nach Österreich wird aber nicht von dort abgewickelt, sondern vom Budapester Großhändler „AutoWallis“. Aktuell gibt es hierzulande erst zwei Händler (Auto Auer im niederösterreichischen Krems und Lampelmaier in Mattsee, Salzburg), man plant jedoch, das Händlernetz bis Mitte 2026 auf sechs Händler und acht Servicepartner zu erweitern.
Obwohl Nio mit dem EL6 und dem EL8 auch zwei SUV im Programm hat, surrt als erstes ein flaches Modell ins Rampenlicht, der 490 PS starke Allradler ET5. Ihn gibt es als Fastback und zum Aufpreis von 1000 Euro als Kombi „Touring“, den wir uns zum Test geholt haben.
Dass Nio von Audi A5, BMW 3er und Mercedes C-Klasse gelernt hat, merkt man am gelungenen Design, am sportlich-agilen Fahrverhalten sowie an der feinen Verarbeitungs- und Materialqualität. Aber auch daran, dass großzügiges Raumangebot Nachrang hat. An Mercedes fühlt man sich angesichts des zwölf Zoll großen Hochkant-Multifunktionsdisplays erinnert. Zum Glück auch in Sachen logischer und schnell durchschaubarer Menüführung.
Ebenso schien Tesla eines der Vorbilder gewesen zu sein: Erkennbar an den beiden dezenten Tasten links und rechts im Lenkrad sowie daran, dass man selbst dessen (elektrische) Verstellung oder jene der Außenspiegel über das Menü vornehmen muss.
Dabei hilft eine lustige Gesellin namens „Nomi“: eine Sprachsteuerung mit Frauenstimme, zum Aufpreis von 690 Euro optisch als lustiger Knubbel umgesetzt, der in der Mitte des Armaturenbretts thront. Dann wendet die freundliche Helferin ihren treuherzigen digitalen Blick immer in die Richtung, aus der sie angesprochen wurde. Bevor man die Menüs nach der Außenspiegel-Heizung, der Öffnungs-Möglichkeit für die Ladeklappe oder der Lüftungsdüsen-Verstellung absucht, fragt man lieber Nomi – die in Sekundenschnelle mit durchaus hoher künstlicher Intelligenz hilft.
Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist die Nio-Idee der Wechselbatterie – statt den Akku zu laden, wird dieser an speziellen Stationen in kürzester Zeit gegen einen vollen getauscht. In China gibt es aktuell tausende solcher „Power Swap Stations“, in Deutschland 21, bei uns noch keine. Sollte Nio dieses System in ganz Europa ausbauen können, hätte das durchaus das Zeug zum kaufentscheidenden Asset.
Text: Georg Koman, Fotos: Robert May
Motor & Getriebe
Je nach Fahr-Modus liefern die beiden Motoren kräftige bis enorm kräftige, jedoch keine schlagartige Beschleunigung. Sehr niedriges Geräuschniveau, kein künstlicher Sound. Dreistufig justierbare Rekuperation plus Ein-Pedal-Modus, der bis zum Stillstand bremst.
Fahrwerk & Traktion
Sportlich-straffes Fahrwerk mit leichten Schwächen bei kurzen Stößen. Agiles Fahrverhalten, im Grenzbereich sehr sicher – ohne gröbere Unter- oder Übersteuer-Tendenz. Recht direkte, etwas synthetische Lenkung, kräftige und standfeste Bremsen. Tadellose Allrad-Traktion.
Bedienung & Multimedia
Bequeme Sitze mit mittelgutem Seitenhalt. Kompakte, nicht justierbare Digital-Instrumente hinter dem Lenkrad, ansehnliches Multimedia-Display mit schnell durchschaubarer Menüführung. Kaum echte Tasten, fast alles muss über diverse Menüs geregelt werden oder über die verständnisvolle Sprachsteuerung. Speed-Gepiepse flott abschaltbar. Aktuell weder Android Auto noch Apple CarPlay erhältlich, immerhin ist induktives Handyladen möglich. Minus: kein Handschuhfach, schlechte Übersicht nach hinten und schräg hinten.
Innen- & Kofferraum
Angesichts der Fahrzeuggröße eher bescheidene Platzverhältnisse, positiv sticht die Fond-Beinfreiheit heraus. Langer und breiter, aber ziemlich flacher Kofferraum mit brauchbarem Kellerfach und mittelhoher Ladekante. Fondlehnen 2:1:2 ohne Stufe umlegbar. Große Ablage in der Mittelarmlehne, sonst wenige Staufächer. Außerdem: kein Front-Kofferraum („Frunk“).
Dran & Drin
Ansehnliche, aber nicht überbordende Serienausstattung, China-untypisch mit einigen Extras. Kein Headup-Display erhältlich. Gediegene Materialien, fehlerfreie Verarbeitung.
Schutz & Sicherheit
Standardmäßige sechs Airbags plus zentraler Luftsack zwischen den Vordersitzen. Komplettes Angebot an gut funktionierenden Assistenzsystemen. Vergleichsweise unaufdringliches Warn-Gepiepse.
Reichweite & Laden
Solide winterliche Test-Reichweite von 420 Kilometern, wenn auch ein Stück von der Werksangabe entfernt. Wechselstrom-Laden mit standardmäßigen 11 kW, Gleichstrom-„Tanken“ mit eher mauen 125 kW. Ist der Akku vorkonditioniert (manuell oder automatisch per Navigation zu einer Ladesäule), wird diese Leistung immerhin lange gehalten.
Preis & Kosten
Absolut gesehen kein Billigbieter. Im Vergleich zum etwa preisgleichen VW ID.7 deutlich kompakter, aber leistungsstärker und besser ausgestattet. Audi A6 e-tron und BMW i5 sind größer und teurer. Vernünftiger Stromverbrauch. Fünf Jahre Fahrzeuggarantie (oder 150.000 Kilometer), acht auf den Akku, jährliche Service-Intervalle. Aktuell nur zwei Werkstätten in Österreich, bis Mitte 2026 sind sechs Händler und acht Servicepartner geplant.
Asynchronmotor v, Synchronmotor h, Spitzenleistung 490 PS (360 kW), Dauerleistung 136 PS (100 kW), max. Drehmoment 700 Nm, Akku (netto) 90 kWh, Allradantrieb mit fixer Übersetzung, Scheibenbremsen v/h (bel.), L/B/H 4790/1960/1499 mm, Radstand 2888 mm, 5 Sitze, Wendekreis 11,8 m, Reifendimension 245/45 R 19, Kofferraumvolumen 450–1300 l, Leergewicht (EU) 2285 kg, zul. Gesamtgewicht 2730 kg, max. Anh.-Last 1400 kg, 0–100 km/h 4,0 sec, 60–100 km/h 1,9 sec, Spitze 200 km/h, Steuer (jährl.) € 630,90,Werkstätten in Österreich 2, Service alle 20.000 km (mind. 1x/Jahr), WLTP-Normverbrauch kombiniert 19,3 kWh, Testverbrauch 21,5 kWh, Reichweite Norm/Test 560/420 km, Ladedauer bei 11 kW (100%) 9:45 Std,bei 125 kW Gleichstrom (80%) 40 Min
Front- und vordere Seitenairbags, Zentralairbag v, durchgehende Kopfairbag-Vorhänge, Notbrems-, Spurhalte-, Toterwinkel-, Querverkehrs-, Stau-, Kreuzungs- u. Einpark-Assistent, Verkehrszeichenerkennung, Ausstiegswarner, Adaptiv-Tempomat, LED-Scheinwerfer mit aut. Fernlicht, digitale Instrumente, Infotainment mit 14,5 Zoll-Touchscreen, Navigation, Audiosystem mit 19 LS, DAB-Tuner, 3x USB-C, induktives Handy-Laden, Zweizonen-Klimaautomatik, schlüsselloser Zugang, Kunstlederpolsterung, Vordersitze mit el. Verstellung und Memory, Sitzheizung v, Rundumkameras, Außenspiegel el. klappbar und automatisch abblendend, akustische Einparkhilfe v+h, Ambientelicht, Panorama-Glasdach, E-Heckklappe mit Gestensteuerung, Aluräder 19 Zoll etc.
Komfort-Paket (Lenkradheizung, Vordersitze 14fach verstellbar inkl. Belüftung und Massage-Funktion, Sitzheizung h, Ionisator) € 1790,–, Nomi „Mate“ € 690,–, Polsterung Grau/Sandfarben € 390,–7690,–, Abdunkelungs-Funktion für Panoramadach € 2190,–, el. ausfahrbare Anhängekupplung € 990,–, Aluräder 20 Zoll € 990,–, Metallic-Lack ab € 990,–








