Maus unter Strom
Nach drei Jahren Pause kehrt Nissans Kleinwagen-Klassiker zurück – und das rein elektrisch.
Aus die Maus – das galt schon für den Vorgänger, rangierte dieser doch nur um wenige Millimeter unter dem klassischen Viermeter-Format, das gilt auch für die neueste Generation. Der erste Micra war 1982 mit 3,6 Metern Länge noch ein echtes Kleintier. Seit diesem wurden über sechs Millionen Exemplare verkauft, gut 70.000 hierzulande.
Die nunmehr sechste Auflage gibt es nur als Stromer, Kooperationspartner ist wieder Renault. Statt Clio-Unterbau spielt es jetzt die R5-Plattform namens AmpR Small. Dennoch sind bis auf Scheiben und Dach alle Blechteile neu, besonders die Leuchten verleihen ihm seinen eigenen Charakter – diese sollen an Generation drei erinnern. Vor allem am Heck bringen plastisch ausgeformte Rundleuchten statt der vertikalen Lichtkanten des Franzosen ein deutliches Unterscheidungsmerkmal. Die verspielten Tagfahrlichter mit verstecktem Abblendlicht an der Front tun ihr Übriges. Mit Micra ziert erstmals ein traditioneller Name ein Elektroauto von Nissan. Stimmiger wäre der Name womöglich beim noch kleineren und rundlicheren Twingo-Klon, der Ende des Jahres gezeigt wird. Der wird übrigens Wave heißen.
Im Innenraum bleiben die Änderungen gegenüber dem Renault-Bruder marginal. Das Lenkrad darf die neuen, derzeit noch Nissan vorbehaltenen Rekuperations-Wippen tragen, der Handschuhfachdeckel fällt der Kniefreiheit zuliebe flacher aus. Statt der R5-Front ziert die rutschfeste Gummiblende im Bereich der induktiven Ladeschale nun der Vulkan Fuji.
Fürs Ambiente stehen drei Innenraumfarben bereit. Drei Ausstattungs-Varianten sind vorgesehen, schon die Basis (nur für die leistungsschwächere Version) bietet Wärmepumpe und V2L-Adapter, die mittlere Ausstattung ist wohl die stimmigste.
Es gibt zwei Akkugrößen: 42 und 52 kWh. Der kleinere Energiespeicher soll bis zu 317 Kilometer Reichweite schaffen und ist an einen 122 PS Synchronmotor gebunden, während der größere für 415 Kilometer gut sein soll – die Elektronik entfesselt hier 150 PS. Ob wir eine heiße Nismo-Version auf Alpine A290-Basis erleben werden, steht in den Sternen.
Jedenfalls bereiten die 150 PS jede Menge Spaß, sie drücken einen beim Beschleunigen in den Sitz, die Elastizität macht Freude. Passend dazu ist das wirklich agile Fahrwerk. Man kann den kleinen Stromer schön ums Eck werfen, ohne von frühem Untersteuern genervt zu werden. Und wer es wirklich auskosten mag, erfreut sich am schwenkfreudigen Heck bei Lastwechsel in Kurven. Die angenehm direkte und gefühlvolle Lenkung unterstreicht den sportlichen Anspruch.
In der Stadt spielt der kompakte und wendige Micra seine Stärken aus, hier lässt sich der Strom-Konsum auch unter die Werksangabe drücken. Trotz besserer Aerodynamik als der R5 ist auch bei der Japan-Edition der Autobahn-Verbrauch die Achillesferse. Solange man im etwas engeren Fond nicht länger verweilen muss gilt: Optik, Fahrspaß, Stadtverbrauch, Alltagsnutzen, aber auch Preis/Leistung und Grantie-Umfang überzeugen.
Text: Bernhard Reichel Fotos: Robert May
Motor & Getriebe
Ordentlicher linearer Antritt aus dem Stand heraus. Fahrmodi-Unterschiede spürbar. Kein Soundgenerator. Rekuperation über Lenkradwippen dreistufig einstellbar, zusätzliche Ein-Pedal-Fahren bis zum Stillstand.
Fahrwerk & Traktion
Agiles, sportliches Fahrwerk mit viel Rückmeldung und Kontrollierbarkeit sowie gutem Restkomfort. Spätes Untersteuern in Kurven, „hecklastig“ ausgelegt, aber keine gefährlichen Lastwechsel-Tücken. Gefühlvolle, direkte Lenkung. Gute Traktion. Kräftige Bremsen.
Bedienung & Multimedia
Sportliche Sitzposition auf Retrolook-Mobiliar mit gutem Seitenhalt und feiner Übersicht nach vorne, nach hinten eher eingeschränkt. Praktische Richtungswahl per Lenkrad-Hebel. Übersichtliches und intuitiv bedienbares Multimedia-Menü. Echte Tasten für Klimabedienung. Minus: wenig Ablagen, USB-C-Slots nur vorne. Fein: schnelle Google-Navigation samt fehlerfreien Spracheingabe, Schlüsselloser Zugang ohne Tasten-Druck, Vehicle-to-load-Adapter.
Innen- & Kofferraum
Vorne luftiges Platzangebot, hinten spürbar enger, vor allem für den Kopf. Sind die Vordersitze auf unterster Position, kein Platz für die Füße der Fondgäste. Kofferraum groß genug, aber hohe Ladekante. 2:1-Fondlehnen klappen nicht völlig eben um, ob fehlendem doppeltem Boden verbleibt eine große Stufe. Kein Frunk.
Dran & Drin
Als dritte und höchste Ausstattungsstoffe fast vollständig bestückt. Wer auf rahmenlosen Innenspiegel, Zweifarben-Lack, Teilkunstleder oder Premium-Sound verzichten kann, fährt mit der mittleren Ausstattungsstufe Advance 1600 Euro billiger. Basis-Variante „Engage“ gibt es nur mit kleinem Akku, sie ist mit Stahlfelgen, nicht höhenverstellbaren Vordersitzen und kleinerem 7 Zoll-Kombiinstrument eher karg ausgestattet. Viel Hartplastik, aber nett arrangiert.
Schutz & Sicherheit
Standard-Luftpolster-Aufgebot ohne Aufpreis-Optionen. Gut funktionierende, klassenübliche Assistenten mit einem Knopfdruck stumm. Toter-Winkel-, Ausstiegs- und Querverkehrswarner ab zweiter Stufe „Advance“ Serie.
Reichweite & Laden
300 Kilometer realistische Reichweite – in der Stadt besser als die Werksangabe, der Autobahn-Verbrauch von bis zu 25 kWh verhagelt den Schnitt. Ladestecker links in Einbahnstraßen nicht optimal. Lebenszeitretter: Stecker-Entriegelungstaste. 52 kWh-Akku lädt mit 100 statt 80 kW, in 30 Minuten auf 80 Prozent. Wärmepumpe Serie.
Preis & Kosten
Konkurrenzfähiger Listenpreis praktisch gleichauf mit Bruder Renault 5. Bis Ende April spielt es bei Nissan freilich 2000 Euro „EV-Bonus“ (plus weitere 2500 Euro bei Finanzierung) und dazu 18 Zoll Alu-Winterräder. Drei Jahre Garantie (100.000 Kilometer), die sich nach jedem Jahres-Service beim Marken-Händler auf bis zu sieben Jahre oder 150.000 Kilometer verlängert. Strom-Verbrauch im Rahmen.
Synchronmotor, Spitzenleistung 150 PS (110 kW), Dauerleistung 106 PS (78 kW), max. Drehmoment 245 Nm, Akku (netto) 52 kWh, Vorderradantrieb mit fixer Übersetzung, Scheibenbremsen v/h (v bel.), L/B/H3974/1774/1490 mm, Radstand 2541 mm, 5 Sitze, Wendekreis 10,3 m, Reifendimension 195/55 R 18, Kofferraumvolumen 326–1106 l, Leergewicht (EU) 1527 kg, zul. Gesamtgewicht 1930 kg, max. Anh.-Last 500 kg, 0–100 km/h 8,0 sec, 60–100 km/h 4,6 sec, Spitze 150 km/h, Steuer (jährl.) € 372,72, Werkstätten in Österreich 105, Service alle 30.000 km (mind. 1x/Jahr), WLTP-Normverbrauch kombiniert 14,7 kWh,Testverbrauch 18,1 kWh, Reichweite Norm/Test 416/290 km, Ladedauer bei 11 kW (100%) 4,8 Std, bei 100 kW Gleichstrom (80%) 30 Min
Serienausstattung: sechs Airbags, Verkehrszeichenerkennung, Notbrems-, Toter-Winkel-, Querverkehrs-, Ausstiegs-, Spurhalte-, Müdigkeits-Assistent, adaptiver Tempomat mit Stop and Go-Funktion, Google-Navigation, Fahrmodi-Schalter, Sprachsteuerung, Klimaautomatik, rahmenloser Innenspiegel automatisch abblendend, E-Parkbremse mit Autohold, digitale Instrumente 10,3 Zoll, 10,1 Zoll Touchscreen, Ambiente-Licht, Premium-Sound mit 9 LS, Mittelarmlehne, 2 USB-C, Sitz- und Lenkradheizung, induktives Handyladen, Außenspiegel elektrisch klappbar, akustische Einparkhilfe v+h, Rückfahrkamera, Wärmepumpe, schlüsselloser Zugang, abgedunkelte Fondscheiben, V2L-Adapter, Zweifarben-Lackierung, Mode 3-Ladekabel, 18 Zoll-Aluräder
Extras: Einpark-Assistent € 500,–, Kunstleder beige € 400,–, alternatives 18 Zoll-Aluräder-Design „Sport“ € 300,–, Metalliclack ab € 500,–







