Rockstar
Wir testen VWs kommenden SUV-Bestseller als stärkeren der beiden 1500er-Benziner.
Fast 14 Zentimeter ist der T-Roc gegenüber seinem satte acht Jahre gebauten Vorgänger in der Länge gewachsen, knapp vier davon gehen auf das Konto des gestreckten Radstands. Die Beine der Fond-Passagiere profitieren am meisten davon, das Kofferraumvolumen wuchs nur dezent, nämlich um 30 Liter.
Und noch ein paar Vergleichs-Zahlen, bevor es ans Eingemachte geht: VWs Topseller baut nun einen Zentimeter flacher (was sich auch an der Kopffreiheit hinten zeigt), die Sitzposition ist jetzt aber satte sechs Zentimeter tiefer – die Ladekante profitierte freilich nicht davon.
Generation zwei des T-Roc ist jetzt vor allem eines: erwachsener & hochwertiger. Das Fahrgefühl ist satter, wenn auch ähnlich agil wie beim Vorgänger. Den größten Sprung gab es in Sachen Materialqualität – vor allem im Sicht- und Tatsch-Bereich gibt es in Reihe eins nichts mehr zu meckern.
Im neuen Cockpit fällt vor allem der größere Multimedia-Monitor auf, gewachsen sind auch die nun freistehenden Digital-Instrumente. Die unpraktischen Slider zum Klima-Regeln gibt es leider noch immer, dafür sind die Lenkrad-Tasten jetzt zum Glück nicht mehr als Softtouch-Felder ausgeführt.
Und der aus dem Tiguan (siehe Vergleich ab Seite 8) bekannte Dreh-und-Drück-Regler in der Mittelkonsole für Lautstärke und Fahr-Modi gefällt hier ebenfalls. Vom großen Bruder stammt dazu der Automatik-Wählhebel rechts an der Lenksäule – und leider auch die nicht gerade ideal gelöste Wischer-Steuerung via Blinkerhebel.
Zum ersten Test bei uns trat der neue T-Roc mit dem stärkeren der beiden zum Marktstart verfügbaren 1500er-Benziner an. Die Elektro-Power des Mildhybrid-Systems ist absolut spürbar und lässt den Kompakt-SUV auch immer wieder segeln – am Ende lag der Testverbrauch freilich exakt auf dem Niveau des alten Modells, obwohl der Neue am WLTP-Papier 0,7 Liter besser bilanziert.
Auf einem höheren Niveau rangiert T-Roc Nummer zwei jedenfalls in Sachen Sicherheit. Das endlich erhältlich Headup-Display gefällt ebenso wie das gleichermaßen gegen Extra-Kohle an Bord befindliche teilautonome Fahren.
Viel Licht also, aber auch ein wenig Schatten. Die Tarife legten zart zu, und da der T-Roc schon bisher kein Diskont-Angebot war, muss man auch jetzt bei der Anschaffung tiefer in die Tasche greifen als bei den meisten Kontrahenten. Dafür bietet die neue Generation im Gegensatz zum großen Bruder Tiguan serienmäßig eine Fünfjahres-Garantie.
Text: Enrico Falchetto Fotos: Robert May
Motor & Getriebe
Kultivierter Vierzylinder-Benziner mit spürbarem Mildhybrid-Boost, Zylinder-Abschaltung spürt man nicht, wohl aber das recht oft vorkommende Segeln. Das Doppelkupplungs-Getriebe schaltet schnell und weich und im Normal-Modus früh hoch.
Fahrwerk & Traktion
Trotz Sportfahrwerk beim R-Line guter Federungskomfort, im Grenzbereich sehr sicher, das beim Gaswegnehmen in Kurven leichte Heck ist unkritisch. Gute Traktion, feinfühlige und kräftige Bremsen. Ebenso gelungen: die direkt-präzise (Progressiv-)Lenkung.
Bedienung & Multimedia
1A-Sitzposition auf nicht zu engen Sport-Möbeln. Sehr gut ablesbare, wandelbare Digital-Instrumente. Schnelles Multimediasystem über große Touchscreen rasch durchschaut. Brauchbare Sprachsteuerung. Nicht ideal: Temperatur-Regelung über Softtouch-Slider, keine Antipp-Funktion für einmaliges Wischen. Genug Ablagen. Fein: „echte“ Lenkrad-Tasten, praktischer Drehregler für Lautstärke und Fahr-Modi.
Innen- & Kofferraum
Vorne viel Platz, im Fond ausreichend Kopffreiheit, der Beinraum passt, die Schenkelauflage könnte freilich üppiger sein. Kofferraum groß genug. Fondlehnen 2:1:2 umlegbar, dabei entsteht keine Stufe, die Ladefläche ist dann fast eben – das alles dank verstellbarem Ladeboden, unter dem ein großes, aber unverkleidetes Fach (nacktes Blech) wartet. Minus: beim R-Line keine klappbare Beifahrersitz-Lehne.
Dran & Drin
Die Top-Version R-Line gibt es nur mit dem stärkeren der beiden Benziner. Wer zum 5300 Euro billigeren „Life“ greift, verzichtet unter anderem auf den Einpark-Assistenten, Lenkrad-Heizung, heizbare Sportsitze, Dreizonen-Klima, schlüssellosen Zugang, abgedunkelte Fondscheiben, beleuchtete VW-Logos und die besseren LED-Scheinwerfer, außerdem auf 18-Zöller und Sportfahrwerk samt Progressiv-Lenkung. Genug Extra-Auswahl. Materialien und Verarbeitung auf hohem Niveau.
Schutz & Sicherheit
Zentralairbag als fast schon klassenübliches Luftpolster-Atout, die Optionen Headup-Display und Matrix-LED-Licht machen Sinn, für manche auch das Technik-Paket „IQ.Drive“ für teilautonomes Fahren. Generell gut funktionierende und schnell deaktivierbare Assistenten.
Preis & Kosten
Teurer sind im Segment eigentlich nur die Premium-Anbieter BMW und Audi mit den etwas größeren Modellen X1 und Q3, eine Spur günstiger bilanziert der ältere Cupra Ateca. Fein: sehr dichtes Werksatt-Netz, lange Service-Intervalle, fünf Jahre Garantie bis 100.000 Kilometer, 150.000 kosten 299 Euro extra. Aktuelle Eintausch-Prämie von 1500 Euro. Verbrauch brav, wenn auch deutlich über der Werksangabe.
R4, 16V, Turbo, 1498 ccm, 150 PS (110 kW) bei 5000/min, max. Drehmoment 250 Nm bei 1500–3500/min, 48V-Mildhybrid, E-Motor 19 PS (14 kW) bzw. 56 Nm, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Vorderradantrieb, Scheibenbremsen v/h (v bel.), L/B/H 4372/1828/1573 mm, Radstand 2629 mm, 5 Sitze, Wendekreis 11,0 m,Reifendimension 225/50 R 18 (Testwagen-Bereifung 224/45 R 19), Tankinhalt 50 l, Reichweite 745 km,Kofferraumvolumen 475–1350 l, Leergewicht (EU) 1474 kg, zul. Gesamtgewicht 1980 kg, max. Anh.-Last1500 kg, 0–100 km/h 8,9 sec, Spitze 212 km/h, Steuer (jährl.) € 673,92, Werkstätten in Österreich 248,Service alle 30.000 km (mind. alle 2 Jahre), WLTP-Normverbrauch kombiniert 5,6 l, Testverbrauch 6,7 l ROZ 95, CO2 (Norm/Test) 128/154 g/km
Serienausstattung: sechs Airbags plus Zentral-Airbag, LED Plus-Scheinwerfer, Tempomat, Abbiege-, Ausweich-, Kreuzungs-, Spurhalte-, Spurwechsel- und Notbremsassistent, Adaptiv-Tempomat, Licht- und Regensensor, 10,3 Zoll-Digital-Instrumente, Infotainmentsystem mit 12,9 Zoll Display und 6 LS, 4x USB-C, Rückfahrkamera, induktive Ladeschale, Beifahrersitzlehne umklappbar, Außenspiegel el. klappbar, el. klappbare Außenspiegel, schlüsselloses Startsystem, Dreizonen-Klimaautomatik, schlüsselloser Zugang, Ambientebeleuchtung, Parksensoren v/h, heizb. Sportsitze, abgedunkelte Fondscheiben, beheizbares Sportlenkrad, Sportfahrwerk, Progressivlenkung, 18 Zoll-Aluräder etc.
Extras: Technik-Paket „IQ.Drive“ (Spurthalte-Assistent, Headup-Display, Rundumkamera etc.) € 1111,–, Matrix-LED-Licht € 545,–, Navigationssystem inkl. Sprach-Assistent € 936,–, Adaptiv-Fahrwerk € 897,–, Einpark-Automatik inkl. Memory-Funktion € 157,–, Harman Kardon Sound € 629,–, Lederpolsterung inkl. E-Vordersitze mit Memory und Sitzheizung h € 2642,–, klappb. Anhängekupplung € 966,–, sensorgesteuerte E-Heckklappe € 396,–, Panorama-Schiebedach € 1355,–, Stand-Klimatisierung € 1323,–, 19- oder 20-Zoll-Räder ab € 626,–, Metallic-Lack ab € 824,– etc.
