Vergleich: Peugeot 5008 gegen Skoda Kodiaq und Nissan X-Trail

3. August 2017
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Aktuelles

Peugeot erkannte, dass das Zeitalter der klassischen MPV vorbei ist und ließ seine Van-Baureihen – die mit der Doppel-Null in der Mitte – zu SUV mutieren. Größter und neuester Vertreter ist der 4,64 Meter lange 5008. Im Test tritt er mit gleichermaßen soliden wie beliebten 150 Diesel-PS aus zwei Litern Hubraum an. Auf einen Allradantrieb verzichtet Peugeot bei dieser Modellreihe komplett. Dem neuen Franzosen stellt sich der fast ebenso neue Skoda Kodiaq. Ebenfalls mit 150 Diesel-PS aus zwei Litern Hubraum, allerdings mit Allradantrieb, der für alle Motorisie­run­gen bis auf den Basis-Benziner optional oder serienmäßig erhältlich ist.

Komplettiert wird das Trio durch den ausgereiften Nissan X-Trail, mit einem 177 PS starken Diesel als jüngster Errungenschaft der Baureihe. Inklusive Allrad, den aber selbst Nissan als einer der Offroad-Pioniere nicht mehr als obligatorisch betrachtet. Somit haben wir es hier auch mit einem Konzeptvergleich zu tun, der die Frage klärt, ob SUV ohne Allrad sinnvoll sein kann.

Duell der Familien SUV: Wie schlägt sich der brandneue Peugeot 5008 gegen den frischen Skoda Kodiaq und den ausgereiften Nissan X-Trail?

Duell der Familien SUV: Wie schlägt sich der brandneue Peugeot 5008 gegen den frischen Skoda Kodiaq und den ausgereiften Nissan X-Trail?

Motor & Getriebe

Alle drei Testkandidaten setzen auf die goldene Mitte der SUV-Motorisierung: Zweiliter-Diesel, rund 150 PS, nur der Nissan X-Trail übererfüllt das Soll mit seinen 177 PS. Der TDI des Skoda Kodiaq setzt mit 340 Newtonmetern Drehmoment zwar die Mindestmarke im Vergleich, bringt diesen Wert aber bereits ab 1750 Touren auf den Boden.

Die 370 (Peu­geot) und 380 Nm (Nissan) der Konkurrenz werden erst bei 2000 Umdrehungen fällig. Die Leistungsentfaltung ist somit bei allen dreien gleichermaßen bullig, am kultiviertesten und leisesten agiert der Peugeot-Motor, knapp gefolgt vom ebenfalls dezenten Skoda-TDI und dem etwas hörbareren Nissan-Aggregat.

Die größten Unterschiede gibt es beim Getriebe: Der 5008 kommt mit der für diese Leistungsvariante obligatorischen Sechsgang-Handschaltung – Automatik-Fans müssen sich dieselseitig also zwischen 120 und 180 PS entscheiden. Dafür liegt der Hebel gut zur Hand, und die Gänge sind präzise sowie auf kurzen Wegen wählbar.

Der ebenfalls mit Handschaltung erhältliche Kodiaq tritt im Test mit dem bewährten DSG an, es wechselt die Gänge sanft, schnell und zum richtigen Zeitpunkt. Der Nissan setzt dagegen auf eine Stufenlos-Automatik, wäre allerdings auch mit Handschaltung bestellbar. Wir lassen lieber schalten und stellen fest: sauber gelöst. Kein unnötiger Gummiband-Effekt wie bei den Planetengetrieben mancher Hy­­­­­brid-Fahrzeuge. Gas geben – und der X-Trail schiebt verzögerungsfrei an.

Fahrwerk & Traktion

Peugeot verzichtet beim 5008 auf Allradantrieb, diesbezügliche Kunden-Bedenken will man mit der „Advanced Grip Control“ zerstreuen. Ein System, das durch individuelle Bremseingriffe eine Differenzialsperre simuliert, mehrfach konfigurierbar für unterschiedliche Bodenbeläge. Beim getesteten „GT Line“ bleibt der Aufpreis mit 216 Euro bescheiden, was auch noch eine Bergabfahr-Hilfe und etwas grobstolligere „Matsch und Schnee“-Bereifung inkludiert. Eine sinnvolle Hilfe ums kleine Geld, die Allradantrieb aber nicht ersetzen kann. Der 4×4-Kodiaq setzt auf die bewährte Lamellenkupplung, die die Hinterräder bei Vorderradschlupf aktiviert. Das funktioniert gut und fast verzögerungsfrei. Dem setzt der Nissan noch eins drauf, weil man bei ihm den Hinterradantrieb auch völlig entkoppeln (spart Sprit) oder permanent aktivieren kann. Letzteres bedeutet ein Anfahr-Plus, das man aber bestenfalls im echten Gelände bemerkt.

Bei der Fahrdynamik schlägt wiederum die Stunde des Peugeot: Sein kleines, fettes Volant samt direkter und präzise Lenkübersetzung macht ihn für seine Klasse extrem handlich. Dazu gibt es ein straffes, aber nicht unangenehm hartes Fahrwerk, das die Dynamik weiter nach oben schraubt. Der Nissan kann hier nicht mithalten: Die Lenkung wirkt vergleichsweise indifferent, die Federung ist deutlich sanfter abgestimmt. Das tut dem Komfort gut, Kurvenhatz schätzt der X-Trail dafür weniger. Sein Lieblingsmodus ist sanftes Cruisen.

Und der Skoda? Ordnet sich genau in der Mitte ein. Straff-komfortables Fahrwerk, mehr Wankbewegungen als beim Peugeot, aber mehr Dynamik als beim Nissan. Wer 1200 Euro übrig hat, bestellt die dynamische Fahrwerksregelung DCC dazu, dann kann man sich, je nach Einstellung, dem Peugeot oder dem Nissan weitgehend annähern. Damit lässt sich auch die Leichtgängigkeit der an sich präzisen und recht direkten Lenkung justieren. Die Bremsen sind überall gut dosierbar und standfest. Am schnellsten steht der Kodiaq, X-Trail und 5008 gönnen sich einen bis 1,5 Meter mehr.

Stock & Stein

Kleines Paradoxon: Der ausschließlich frontgetriebene Peugeot verfügt mit fast 24 Zentimetern über die meiste Bodenfreiheit, die größten Böschungswinkel sind darin auch gleich inkludiert. Trotzdem ist er fürs Gelände am wenigsten geeignet. Seine „Advanced Grip Control“ ist eine nette Krücke für den Schotterweg zum Reitstall, auf Eis und Schnee kann sie mit
einem Allradantrieb aber nicht mithalten.

Auch bieten die beiden 4×4-Kontrahenten mehr Souveränität bei forciertem Anfahren auf nasser Straße – wogegen man natürlich argumentieren kann, dass man sich bei Nässe mit dem Forcieren durchaus ein wenig zurückhalten könnte. Zudem kostet der Allrad­an­trieb bei der Konkurrenz zwischen 2200 und 2500 Euro Aufpreis – und zumindest einen halben Liter Sprit auf 100 Kilometer. Im normalen Leben wird man mit dem Peugeot also bestenfalls bei einigen wenigen Fahr­situationen pro Jahr Abstriche machen müssen. Das sollte kein echtes Gegenargument sein – es sei denn, man hält ein SUV ohne Allradantrieb ganz grundsätzlich für eine Art Eunuchen. Geht es zwischen X-Trail und Kodiaq ans Offroad-Eingemachte, hat der Nissan die Nase vorn, ein echter Geländegänger ist aber auch er nicht und will es gar nicht sein.

Cockpit & Bedienung

Den auffälligsten Innenraum liefert der Peugeot 5008 mit seinem „iCockpit“. Das besteht einerseits aus vielfach konfigurier­baren TFT-Armaturen inklusive Navi­­gations-Einblen­dung, andererseits aus deren Anordnung über dem Lenkrad. Was dessen extrem redu­zierte Größe mit sämtlichen Handling-Annehmlichkeiten ermöglicht. Dass der Drehzahl­messer spiegelverkehrt anzeigt, ist eine harmlose Extravaganz, ärgerlich hingegen die nicht justierbare Armaturen-Helligkeit und das gekühlte Mittelfach. An sich ja ein Plus, allerdings kann man die Kühlung nicht deaktivieren. Und die Dosenhalter in der Mittelkonsole stören definitiv beim Schalten. Will einen Peugeot damit sanft vom Automatik-Kauf „überzeugen“?

Fein ist wiederum der große, weit oben platzierte Multifunktions-Touchscreen. Dessen Me­­nü­­führung geht in Ordnung, obwohl vor allem beim Skoda alles ein wenig intuitiver funktioniert. Dessen Touchscreen ist zwar nicht ganz so hoch angeordnet, aber von feinster Auflösung. Generell erfreuen beim Kodiaq seine „Simply Clever“-Details, von Regenschirmen in den Vordertüren bis zum Eiskratzer im Tankdeckel. Lediglich die neuen Türkanten-Schoner sind ein zweischneidiges Schwert. Sie klappen beim Türöffnen unauffällig aus und helfen damit, so manche Schramme in engen Parklücken zu vermeiden. Allerdings muss man deshalb die Türen fester zuschlagen. Der Bildschirm des Nissan ist am kleinsten, die Bedienung sämtlicher Funktionen geht aber grundsätzlich in Ordnung. Die samtigen Sitzbezüge verfügen über ein gewisses Spannungspotenzial, das sich beim Aussteigen unangenehm entladen kann.

Die Über- und Rundumsicht ist bei allen Kandidaten vorbildlich, das Gestühl ist beim Kodiaq in Sachen Größe und ausgewogener Straffheit am besten. Beim 5008 sind die Sitze der zweiten Reihe etwas kompakt, beim Nissan sind es die vorderen, außerdem reichen seine Kopfstützen nicht genügend weit nach oben.

Innen- & Kofferraum

Der Skoda Kodiaq ist um sechs Zentimeter länger und um vier Zentimeter breiter als seine Konkurrenten. Klar, dass sich das im Innenraum bemerkbar macht. Allerdings geht es in den ersten beiden Reihen eher um groß und noch größer, denn auch die Konkurrenten geizen nicht mit Zentimetern. Lediglich der Peugeot 5008 bleibt ein wenig bei der Innen­höhe zurück. Sehr große Fahrer können dieses Problem allerdings lösen, indem sie ihn einfach nicht mit – ohnehin optionalen – Panoramadach bestellen.

Ein völlig anderes Bild bietet sich auf den beiden Sitzplätzen der dritten Reihe, die für alle um 600 bis 800 Euro erhältlich sind. Sie sind eindeutig Kindern vorbehalten. Er­­wachsenen kann man eine Mitfahrt nur kurz­zeitig zumuten, und auch nur dann, wenn die Personen in Reihe zwei bereit sind, Kompromisse einzugehen. Diese lässt sich nämlich bei allen Kan­didaten verschieben, die Lehnen-Neigung ist zudem einstellbar.
Der Peugeot bietet als Einziger drei separate Einzelsitze in der zweiten Reihe und eine vorklappbare Beifahrersitz-Lehne serienmäßig, was ihn bei der maximalen Innenraum-Länge auftrumpfen lässt. Für den Skoda ist eine solche zum geringen Aufpreis von 92 Euro erhältlich, für den Nissan hingegen gar nicht.

Der Laderaum ist in fünfsitziger Konfiguration bei Peugeot und Skoda gigantisch, Werte über 700 Liter sind beim Grundvolumen eine Seltenheit. Der Nissan hat hier „nur“ han­delsübliche 550 Liter zu bieten, dafür holt er aufgrund seiner Höhe beim Maximalvolumen auf, hier bieten alle um die 2000 Liter. Die Ladekante liegt einzig beim Peugeot unter 70 Zentimeter.

Dran & Drin

„N-Vison“ und „GT Line“ sind bei X-Trail und 5008 die zweithöchsten, „Style“ ist bei Skoda die höchste Ausstattungslinie. Entsprechend komplett kommen unsere drei Testkandi­daten daher. Klimaautomatik, schlüsselloser Zugang, Alufelgen, auto­matisch abblendende Innenspiegel, akustische Einparkhilfe vorne und hinten – alles durch die Bank Standard.  Unterschiede gibt es dennoch. Der Nissan bietet serienmäßig 19 Zoll-Räder und eine elektrische Heck­klappe, der Peugeot hat die meisten aufpreisfreien Assistenz-Systeme, und Skoda sorgt standardmäßig für Lenkrad-Heizung, Radar-Tempomat und automatisch abblendende Außenspiegel.

Der Nissan X-Trail muss dafür als Einziger ohne Xenon- oder LED-Scheinwerfer auskommen, nur beim Peugeot 5008 zahlt man für Sitzheizung extra, und lediglich der Skoda Kodiaq hat kein Serien-Navi an Bord. Übrigens: Die Zeit der CD-Laufwerke scheint endgültig vorüber zu sein – nur der Nissan hat noch ein solches zu bieten. Bei den Materialien bemüht sich Peugeot am augenfälligsten mit verschiedenen Stoffen und viel Chrom, Skoda hält konservativer, aber durchaus hochwertig dagegen. Lediglich beim Nissan stört das viele Hartplastik, was ihn auch als Ältesten im Bunde entlarvt. Die Verarbeitungsqualität ist durchwegs ohne Tadel.

Schutz & Sicherheit

Fünf Sterne beim Euro-NCAP-Crashtest sind für groß gewachsene SUV Ehrensache. Der Skoda Kodiaq wurde zwar noch nicht geprüft, wenn man vom sehr bauähnlichen Tiguan ausgeht, ist ihm die Höchstwertung aber sicher. Der VW-Bruder bietet sogar einen absoluten Topwert für Vornesitzende (96 Prozent), Peugeot 5008 und Nissan X-Trail kommen hier auf je 86 Prozent. Kinder sind durchwegs sehr si­­cher aufgehoben, hintere Seiten­airbags bietet allerdings nur der Kodiaq (für 314 Euro extra). Das Programm an Assistenz-Systemen ist überall zumindest gegen Aufpreis komplettier­bar, sieht man vom nicht erhältlichen Radar-Tempomat des Nissan ab. Geht es um die Serienausstattung, trumpft der Peugeot 5008 GT Line mit Notbrems-, aktivem Spurhalte- und Toterwinkel-Assistent sowie Verkehrszeichen-Erkennung auf, der Skoda Kodiaq Style hat den Notbrems-Assistenten ebenfalls an Bord und dazu als Einziger den Radar-Tempomat zur automatischen Abstands-Regelung.

Sauber & Grün

Fast schon positiv, dass unsere Testverbräuche nicht wesentlich über den normierten Stadtverbräuchen liegen, von den Normmix-Werten sind sie allerdings 1,1 bis 1,3 Liter entfernt. Dennoch: Mit Säufern haben wir es hier nicht zu tun, am leichtesten tut sich der Peugeot mangels Allradantrieb und Automatik. Er kommt deshalb als Einziger knapp unter sechs Litern durch, die beiden anderen benötigen über einen Liter mehr.
Bei den Abgaswerten herrscht Gleichstand, der Nissan erreicht seine als Einziger ohne AdBlue-Zusatz zur Stickoxid-Reduktion. Bei Peugeot und Skoda sind die Harnstoff-Behälter immerhin groß dimensioniert und direkt neben dem Diesel-Tankstutzen befüllbar.

Preis & Kosten

Preislich schenkt man einander kaum etwas. Wirklich billig ist mit rund 40.000 Euro keiner der drei, angesichts von Größe und Ausstattung muss man aber durchwegs von knapper Kalkulation sprechen. Der Peugeot ist nominell am günstigsten, unter virtueller Zugabe von Automatik und Allrad wäre er wiederum am teuersten – was er allerdings mit der besten Serienausstattung kompensiert. Die Extraliste ist bei Nissan am kürzesten, den Peugeot kann man schon umfassender hochrüsten, und für den Skoda gibt es auf Wunsch am meisten – hier nützt Mlada Boleslav die Üppigkeit der Konzern-Regale.

Bei der Fahrzeug-Garantie be­­­­­schränken sich Peugeot und Skoda auf den Zweijahres-Standard, Nissan bietet hingegen drei. Kostenpflichtig erweiterbar auf fünf Jahre ist sie überall. In Sachen Werthaltung haben alle drei Hersteller einen guten Ruf, die diesbezüglichen Unterschiede sollten also überschaubar sein.

Testurteil

Der Skoda Kodiaq geht aus dem Vergleich als Sieger hervor – das hat er primär seinem großzügigen Format und seiner feinen Ausgewogenheit zu verdanken. Richtige Schnitzer sucht man vergeblich, und in seiner Topausstattung „Style“ ist er noch dazu recht komplett bestückt. Der Peugeot 5008 wandelte sich mit der Modellablöse gekonnt vom Van zum SUV und erweist sich als harter Gegner. Die fehlenden Pünktchen sind ein paar Extra­vaganzen (kein Allrad etwa) und etwas weniger Raumkomfort zuzuschreiben. Dem Nissan X-Trail merkt man in mehreren Details an, dass er am längsten auf dem Markt ist. Die ge­plante Mo­­dellpflege im Herbst könnte diesbezüglich Abhilfe schaffen.

Der Skoda Kodiaq (li.) siegt aufgrund seiner Ausgewogenheit knapp vor dem Peugeot 5008 (Mitte). Dritter: Nissan X-Trail (re.).

Der Skoda Kodiaq (li.) siegt aufgrund seiner Ausgewogenheit knapp vor dem Peugeot 5008 (Mitte). Dritter: Nissan X-Trail (re.).

Daten

Wertung

1 Kommentare

  1. Profilbild von

    Warum soll die Zeit für MPV/Vans „vorbei“ sein – welche Zeichen der Zeit hat den das gezeigt?!
    Doch wohl nur jene Zeichen die von den Herstellern selbst gemacht wurden …
    Ford verkauft seine Vans noch immer recht gut 😉
    So mancher SUV der heute neu bestellt wird, wird nur deswegen gekauft, weil er sozusagen der direkte Nachfolger eines Vans ist – wie zb. der Opel Crossland X als Nachfolger des Meriva – der mir aufgrund der gegenläufigen Fond-Türen praktischer erscheint.

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