Vienna Autoshow: E-Mobilität am Ende?

24. Januar 2020
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Alles Klartext

Über die Vienna Autoshow 2020 wurde viel berichtet, mit Begeisterung auch von branchenfremden Medien und Kollegen. Wer die Beiträge gesehen oder gelesen hat, muss unweigerlich zu einem Schluss kommen: Dass die Show angeblich ganz im Zeichen der E-Mobilität gestanden ist und der Verbrennungsmotor-Pkw ein Auslaufmodell ist. Tatsächlich war es jedoch so:

Wegen der Absage mehrerer großer Aussteller (Toyota & Lexus, Mazda, Volvo, Nissan, Kia, die Fiat-Gruppe samt Alfa Romeo, Jeep und Abarth) wurden die Freiflächen als Notlösung mit einem mehr oder weniger professionell gestalteten E-Mobility-Area gefüllt. Es war der mit Abstand am schlechtesten besuchte Teil der Show. Die meisten Besucher ignorierten ihn sogar völlig. Bedauernswerte Vertreter von Ladesystemen, Sharing-Anbietern und E-Scooter-Verleihen mussten Vorträge vor leeren Sitzreihen halten, während sich wenige Meter weiter die Menschen um die neuesten BMW-Achtzylinder drängten.

Die Fridays for Future-Demo auf dem Freiplatz vor dem Messegelände wurde im TV so geschickt ins Bild gebracht, dass sie wie eine Massenveranstaltung wirken musste. Tatsächlich bestand sie aus knapp 50 Personen, die sich bei –1 Grad mit den Fieberträumen einer autofreien Gesellschaft warm hielten. Zur besseren Einordnung der Prioritäten: Am nächsten Tag kamen mehr als zehnmal so viele Teens zum Influencer-Event zweier deutscher Modepüppchen auf der Mariahilfer Straße. Insgesamt 160.000 Besucher zählte die Vienna Autoshow 2020 inklusive der Ferien-Messe Wien.

Die auf der Vienna Autoshow präsentierten E-Autos sorgten tatsächlich für viel Interesse. Wer genauer hinsah, merkte allerdings rasch: Hauptsächlich standen die digitalen Spielereien an Bord im Mittelpunkt. Eine (natürlich nicht repräsentative) ALLES AUTO-Umfrage vor Ort ergab: Nur einer von 100 VAS-Besuchern konnte sich theoretisch vorstellen, künftig ein Elektrofahrzeug zu kaufen. Die Hauptgründe: eingeschränkte Nutzbarkeit, lange Ladezeiten, hoher Preis.

Einen kleinen Publikumsmagneten gab es in der E-Mobility-Area der VAS doch – vielleicht zugleich die nach wie vor beste Anwendungsmöglichkeit von Elektromobilität: Eine Carrera-Rennbahn.

(Kommentar)

Foto: Reed Exhibitions / David Faber

1 Kommentare

  1. Diese armen, verblendeten und irregeleiteten Messebesucher wollen ganz einfach nicht kapieren, dass sie sich gefälligst für Batterieautos zu interessieren haben und nicht für Überbleibsel einer barbarischen Epoche. Die einschlägigen Medien haben über diesen Skandal ohnedies nicht berichtet und dafür fortschrittliche Betreiber von Batterie-Start-Ups über ihre Visionen interviewt und damit den Anschein erweckt, dass sie der Mittelpunkt des Interesses sind.
    Seitens der Infrastrukturministerin wird nun aufgrund eines ORF-Round Tables und auf Basis einer Expertise des VCÖ überlegt, der Messeleitung für 2021 die Auflage zu erteilen, dass, wenn schon Aussteller unbedingt ein Auto präsentieren möchten, nur mehr solche mit ausschließlich Batterieantrieb eine Standfläche bekommen. Den Messeschwerpunkt sollte man allerdings Richtung innovative, zukunftssichere Fortbewegung mit Batterie-betriebenen Rollschuhen, Skateboards, Rollatoren, Scheibtruhen, Kinderwagen und Luftmatratzen richten.
    Um die antiquierte Autoindustrie in dieser Übergangsphase nicht zu sehr zu vergrämen, dürfen diese im Gegenzug ihre neuen Verbrennungsmotormodelle auf der Tullner Oldtimermesse ausstellen.

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