Vision EQ: Der autonome Smart

4. September 2017
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Aktuelles

Im Zuge der IAA, die vom 14. bis 24. September in Frankfurt stattfindet, zieht Smart das Tuch von der Studie Vision EQ. Diese hat gleich mehrere Besonderheiten zu bieten. Die Türen zum Beispiel sind runde Glaskuppeln und schwingen im spiegelverkehrtem Lamborghini-Scherentüren-Style auf. Auch die Front des Cityflitzers ist unverwechselbar. Dort, wo bei herkömmlichen Autos der Kühlergrill ist, macht sich ein trapezförmiger Bildschirm breit, der außenstehende mit Informationen versorgen kann.

Der Bildschirm kann informieren, begrüßen oder warnen.

Der Bildschirm kann informieren, begrüßen oder warnen.

Der richtige Hammer kommt aber erst beim Blick in den Innenraum: das Lenkrad fehlt. Es ist nicht verkümmert oder einklappbar – das Volant ist schlicht und ergreifend nicht existent. Damit ist für die Marke die vollkommen autonome Mobilität greifbar. Fast schon selbstverständlich, dass der Kleinstwagen elektrisch angetrieben wird. Die Batterien sind im Fahrzeugboden untergebracht und liefern Saft für bis zu 250 Kilometer. Geladen wird der kleine Saubermann induktiv über gekennzeichnete Stationen in den Carsharing-Wartezonen.

Keine Knöpfe, kein Lenkrad, keine Pedale. Das einzige Bedienungselement wird das Smartphone sein.

Keine Knöpfe, kein Lenkrad, keine Pedale. Das einzige Bedienungselement wird das Smartphone sein.

Für Daimler dürfte der Smart einen gewissen Pionierstatus haben. Zuerst kann er eine Fahrzeuglänge, die vorher nur Gehhilfen gegönnt war, ins Straßenbild etablieren. Danach kam mit Car2Go das Fundament für ein Gesellschaftlich anerkanntes Carsharing und somit zur Abschaffung des Fahrzeugs als Eigentum. Jetzt arbeiten die Verantwortlichen an einer sukzessiven Abberufung des eigenmächtigen Fahrers. Das klingt zwar sehr nach einem Plan irgendeiner dunklen Seite, die Weltherrschaft an sich zu reißen, macht aber im Hinblick auf das tägliche Einsatzgebiet des Smart Fortwo durchaus Sinn. Carsharing erfreut sich immer größerer Beliebtheit, allein in Wien hat nur Car2Go rund 113.000 Kunden. Goldman Sachs prognostiziert dem Modell der autonomen Flotten bis 2030 ein Geschäftsvolumen von 220 Milliarden Dollar. Der durchschnittliche Car2Go-Benutzer ist laut einer Befragung bereit, rund 300 Meter zum nächsten Auto zu gehen. Diese 300 Meter könnte der Smart ihm entgegenkommen und gleichzeitig mit dem vorne montierten Bildschirm begrüßen.

Bedienelemente sucht man übrigens ähnlich erfolgreich wie ein Lenkrad. Auch hier gilt: gibt es nicht. Das komplette Fahrzeug wird nur noch via Smartphone gesteuert – also das, was sich noch steuern lässt.

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