Top 10: Vollgas von der Rolle

17. August 2016
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Feature

Wer zu viel Zeit vor dem Fernseher verbringt, fängt schnell an, Theorien zu stricken. Zum Beispiel, dass es für jede Filmgattung immer einen Parade-Plot gibt. Leiwander Western? Da geht es garantiert um Rache. Leiwander Tarantino? Da geht es garantiert um absurde Rivalitäten. Leiwander Lynch? Da weiß keiner, worum es geht. Und bei Autofilmen? Ganz klar – da gibt es immer ein großes Duell. Angefangen bei Duel, oder Vanishing Point bis hin zu Le Mans natürlich – stets wird hier irgendein Match ausgetragen, das sich zum Ende hin zuspitzt und dann quietschen die Reifen, vielleicht springt einer mit seinem Auto sogar und der andere überschlägt sich. Und geredet wird im optimalsten Fall auch nur sehr wenig. Und das ist gut so, denn die wahren Helden dieser Filme sollen ja die Autos sein.

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Und genau hier wird es lustig: Denn es sind nicht die großen Stars der Szene, nicht die Ferraris und Porsches und Maseratis, die einen wirklich fesseln. Sondern die ganz normalen Darsteller, mit denen wir uns alle verkörpern können. Die Bruce Willise auf vier Rädern sozusagen, und genau um die geht es hier. Natürlich kann man sich nun berechtigt fragen, wer sich das anschauen soll, wenn eine verspoilerte Peugeot-Limousine Gangster abhängt, oder altes Opels in Baggerseen fallen. Aber hey: das ist genau diese Prise Trash, die aus B-Movies Kultfilme werden lassen. Und genau deswegen ist sie nun hier, unsere ganz persönliche Bestenliste der besten trashigsten Autofilme aller Zeiten!

 

 

Manta der Film – 1991

Ein Film, der einfach in der Luft lag. Die Mantawitze-Welle war 1991 auf dem Höhepunkt, sogar Kinder hatten damals noch Autos gern und irgendwie war es höchste Zeit, diesen Trend zwar aufzugreifen, aber doch auch ein wenig aufzubrechen, sprich: Nicht nur die Manta-Gang durch den Malzkaffee zu ziehen, sondern auch die GTI-Partie. Das klappte bei „Manta, der Film“ sensationell, und zugleich zeigt er herrlich einen Ruhrpott, wie er heute schon lange nicht mehr existiert – wie glücklicherweise auch die unsäglichen Plastik-Breitbauten.

 

Dudu – 1971

Käfer? Film? Nein, nix Herbie, da gab es noch einen anderen. Dudu, so nannte ein österreichischer Filmemacher seine Interpretation des kugelrunden Freundes auf vier Rädern, der mit seinem Besitzer Jimmy Bondy immer eigenartige Abenteuer bestehen musste. Vier Filme entstanden, und alle hatten voneinander unabhängige Handlungsstränge – was deswegen so erwähnenswert ist, weil immer die selbe Besetzung mitspielte: Der Produzent und seine Frau zum Beispiel. Stets hatten die Schauspieler andere Namen und Rollen, lernten sich jeden Film quasi neu kennen. Und dennoch: die heute herzig wirkenden Speciel Effects haben unglaublich viel Charme.

 

The Fast and the Furious – 2001

Reicht das Alter von 15 Jahren, damit ein Film schon zum alten Eisen zählen kann? Wir glauben: ja, und deswegen muss der erste Teil der Fast-and-Furious-Achtologie unbedingt auf diese Liste. Ein Film, der davon lebt, eine uralte Story (Last Man Standing von 1987 mit einem blutjungen Charlie Sheen) mit Gewalt in die Straßenrennszene zu heben. Dafür braucht es massiv überzeichnete Klischeetypen und hammermäßige Sprüche. Und viele schnelle Civics. Nur in diesen zehn Sekunden ist er frei, der Herr Toretto. Und dass es wurscht ist, ob man einen Inch oder eine Meile Vorsprung hat, denn gewonnen ist gewonnen – das weiß heute noch jeder echte Car Guy. Die oktanhaltige Interpretation eines modernen Märchens mit vielen bunten Autos – das heute schon wieder begeistern kann. Auch dank der tollen Stunts.

 

Taxi – 1998

Natürlich wäre es effizienter gewesen, hätte Titelheld Daniel einfach seinen 406 gestartet und wäre losgefahren. So aber lässt er den nervösen Fahrgast ewig im Auto warten, bis der Heckspoiler ausgefahren ist, die Schürze einrastet und die großen Semislicks in den Radhäusern stecken. Sogar das Lenkrad wechselt er noch, bevor er angast. Aber andererseits: Hätte er vernünftig gehandelt und wäre früher losgefahren, hätte er den Strafzettel nicht kassiert, wäre nie mit dem Polizisten Èmilien zusammengekracht und der ganze Film würde nur aus einer faden Taxifahrt von Marseille zum Flughafen bestehen. So aber entstand ein blechzerfetzender Streifen nach typisch-brutaler französischer Machart, der zwar nicht Gut gegen Böse behandelt, aber Frankreich gegen Deutschland, wobei: Welches Duell hier im Endeffeket ausgetragen wurde, darf jeder für sich entscheiden. Fest steht jedenfalls: Auch heute noch würde wohl jeder gerne Taxi fahren, wenn es sich um einen Peugeot 406 STW handeln täte.

 

Rubber – 2010

Es gibt Filme, die muss man sich ansehen, um zu wissen, worum es geht. Und es gibt Filme, da weiß man es schon, sobald man den Titel sieht. Rubber lässt sich mit ziemlicher Sicherheit in die zweite Kategorie einordnen: Da zieht – verzeihung – rollt ein Reifen durchs Land und hat es sich zum Lebensziel gemacht, Menschen zu überrollen. Wie der Streifen ausgeht? Spielt das eine Rolle? Es fragt sich ja auch niemand, warum der Reifen das macht. Vielleicht ist er einfach nur einsam? Keiner mag ihn, weil seine Dimension nicht mehr in Mode ist. Hier gibt es wohl einen tieferen Sinn, und der Film hat einen stark übersehbaren sozialkritischen Hintergrund mit Bezug auf die Klassengesellschaft. Urteil selbst.

 

Death on Wheels – 1983

Das Auto, der gute Freund des Menschen? Ach, das war nur eine sehr kurze Epoche Anfang der Achtziger-Jahre. Ansonsten ging es immer nur um Mensch gegen Maschine. Da musste man schon kreativ werden, um mit einem neuen Film noch auf sich aufmerksam zu machen. Nach Duel (LKW gegen Außendienstler) geht es in Death on Wheels um einen Pick Up gegen einen Außendienstler. Vielleicht liegt es an den extrem faden Dienstwagen der beiden Herren, dass die Berufskraftfahrer immer auszucken und sich vergessen. Zumindest kann man sich so zumindest „Duel“ noch erklären. Aber bei Death on Wheels bleibt völlige Ratlosigkeit zurück. Denn so ehrlich muss man sein: Spätestens als der schwarze Pick Up aus der Erde heraus schießt, ist die Glaubwürdigkeit des Films…, ach lassen wir das lieber.

 

The Car – 1977

Man musste mit der Zeit schon ziemlich kreativ werden, um den alten Plot des Autos, das einen biederen Handlungsreisenden abmaxeln möchte, noch ein wenig ausschlachten zu können. Bei „The Car“ ging man daher ganz ganz clever vor: Man schockierte die Zuseher, indem schon im Trailer die Schreckensbotschaft kam: „Da sitzt niemand drin!“ So ein böses Auto mit roten Scheiben, das aus nicht näher bekanntem Hass am liebsten die gesamte Menschheit umbringen möchte. Ob sich Rubber und Car wohl gekannt haben? Wichtig jedenfalls: Wir lernen, dass es auf dem Friedhof sicher ist, und sehen mit Grauen, dass Autos sich auch absichtlich überschlagen. Und dass autonom fahrende Autos wohl nur einen Hupton drauf haben.

 

Mad Mission – 1982

Im weitesten Sinne sind die ersten beiden Teile der Mad-Mission-Reihe Gangsterfilm-Persiflagen. In Wahrheit sind sie aber technickverliebte Freakshows, die sich selber nicht so wirklich ernst nehmen. Immer geht es um Diamantendieb Sam und den Polizisten Codijack, die immer von irgendjemandem gejagt werden. Dem weißen Handschuh zum Beispiel. Und abgesehen von einer genialen deutschen Synchronisation leben diese Filme auch von den materialfressenden Stunts. Man kann es sich zum Sport machen, zu zählen, wie viele Jaguar, Mercedes und BMW bei den Dreharbeiten drauf gingen. Aber so war Hong Kong vor 35 Jahren, inklusive Hauselch.

 

Shuto Kousoku Max – 1996

Japan, ein Land der Traditionen und der Ehre. Hier möchte keiner sein Gesicht verlieren, und diese Liebe zu alten Werten pflanzt sich natürlich bis auf die Straße fort. Da gibt es den Schnellsten einer Region, der von dem Schnellsten einer anderen Region herausgefordert wird. Es entspannt sich natürlich dann ein wildes Geflecht aus Polizei, Intrigen und Dramen, dass in einem finalen Endlauf endet. Was den Film eigentlich so cool macht: Er mag frei erfunden sein, basiert aber auf Tatsachen. Die große Szene rund um Tokyo, die des nächstens mit Vollgas die Bay Bridge bereisen. Die wilde Driftszene in den Bergen, dass es zu dem Thema mal eine Filmreihe geben musste, lag irgendwie auf der Hand. Die Blaupause für Fast & Furious war somit geschaffen, inklusive tiefsinniger Dialoge.

 

Manta Manta – 1991

Auch wenn dieser Film sehr „Manta der Film“ ähnelt, hat er hier eigentlich fast nichts verloren. Zu professionell die Produktion, mit Bernd Eichinger ein echter Weltstar als Regisseur, das konnte nicht „gut“ gehen. Wenn man meint, dass erst der gewisse Trash-Faktor einen Film wirklich gut macht. Aber andererseits: Da genug Kohle für stilechte Autos vorhanden war, gibt es kaum einen Streifen, der die damalige Szene besser abbildet als Manta Manta. Bis zur Unkenntlichkeit verbreiterte Opels, Rallyegölfe mit dem halben Sortiment von D&W, und überhaupt: D&W, deren Katalog war ja die Bibel damals. Alles schon sehr sehr lange vorbei, inklusive Großraumdiscos und freien Straßen, wo solche Verfolgsungsjagden vielleicht (was man halt so gehört hat) vielleicht wirklich hätten statt finden können.