Vorgestellt: Neue Mercedes C-Klasse

24. Februar 2021
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Aktuelles

Als erste klassische Baureihe von Mercedes ist die neue C-Klasse dank Mildhybrid-Antrieben mit 48-Volt-Technik samt integriertem Starter-Generator sowie Plug-in-Hybriden (mit angeblich bis zu 100 Kilometern E-Reichweite) durchgängig (teil-)elektrifiziert. Und weil die C-Klasse eine der volumenstärksten Baureihen des Unternehmens ist, hat diese konsequente Elektrifizierung entsprechend große Auswirkungen auf den CO2-Fußabdruck. Zu den technischen Finessen zählen darüber hinaus Sonderausstattungen wie das sogenannte DIGITAL LIGHT (eine Scheinwerfertechnologie, die etwa die Projektion von Hilfsmarkierungen oder Warnsymbolen auf die Fahrbahn ermöglicht) und auch erstmals in der Klasse Hinterachslenkung. Limousine und Kombi (bei Mercedes: T-Modell) feiern gemeinsam Premiere, können ab 30. März in Österreich bestellt werden und kommen im Sommer 2021 zu den österreichischen Händlern.

Mit einer Länge von 4.751 mm und einer Breite von 1.820 mm übertreffen die Limousine und das T-Modell die Vorgänger deutlich. Der Radstand wurde um 25 mm auf 2.865 mm verlängert. Von den größeren Außenmaßen sollen Passagiere vorne wie hinten profitieren. Der gute Luftwiderstandsbeiwert der Vorgänger von cw 0,24 (Limousine) beziehungsweise 0,27 (T-Modell) konnte trotz größerer Außenabmessungen der Fahrzeuge beibehalten werden. Mit einem Volumen von 490 bis 1.510 Liter ist der Gepäckraum des T-Modells 30 Liter größer als bisher. Weitere praxisnahe Verbesserungen: Die Höhe des Laderaumes unter dem Rollo sowie die Laderaumlänge wurden im Vergleich zum Vorgängermodell vergrößert. Die Ladekante liegt etwas niedriger.

Die neue C-Klasse hat einen kurzen vorderen Überhang, einen langen Radstand und üppig hinteren Überhang – somit dynamische Proportionen. Unterstrichen werden diese durch die sportliche Motorhaube mit Powerdome. Frontscheibe und Fahrgastzelle sind nach hinten gerückt – „cab-backward-design“ lautet der Fachbegriff dafür. Im Innenraum machte in puncto Hochwertigkeit bereits der Vorgänger einen großen Schritt. Die neue C-Klasse geht beim modernen Luxus noch weiter: Das Interieur übernimmt wie auch schon bei der letzten Baureihe Highlights aus der jeweils aktuellen S-Klasse, setzt aber eher auf sportliche Akzente.

Weiter zum Innenraum: Die Instrumententafel ist in einen oberen und unteren Bereich gegliedert, nämlich in ein Flügelprofil mit neuen, abgeflachten Runddüsen, die an die Triebwerksgondeln eines Flugzeugs erinnern, und in eine opulente Zierteilfläche. Diese fließt ohne Unterbrechung aus der Mittelkonsole in die Instrumententafel. Zur gewollten Sportlichkeit trägt deren Fahrerorientierung bei: Instrumententafel und Zentral-Display sind leicht um sechs Grad zu diesem hin geneigt.

Den Fahrerbereich kennzeichnet ein hochauflösender LCD-Bildschirm. Er steht frei und scheint vor dem Flügelprofil und der Zierteilfläche zu schweben. Damit hebt sich das Fahrer-Display von traditionellen Cockpits mit klassischen Rundinstrumenten ab. Käufer haben die Wahl zwischen einer 10,25-Zoll-(26,0 cm) und einer 12,3-Zoll-(31,2 cm) Ausführung.

Auch beim Zentral-Display wird der angestrebte Paradigmenwechsel hin zur Digitalität deutlich: Die Fahrzeugfunktionen sind über den Touchscreen steuerbar. Sein Hochformat soll insbesondere für die Navigation deutliche Vorteile bieten. Der Touchscreen scheint ebenso über der Zierteilfläche zu schweben. Wie die Instrumententafel ist auch die Bildschirm­fläche leicht zum Fahrer hin orientiert. Das Zentral-Display verfügt serienmäßig über eine Bildschirmdiagonale von 9,5 Zoll (24,1 cm). Optional ist eine größere Version mit 11,9 Zoll bzw. 30,2 cm erhältlich.

Wie die neue S-Klasse erhält die neue C-Klasse die zweite Generation des Infotainmentsystems MBUX (Mercedes-Benz User Experience). Der Innenraum wird noch digitaler und intelligenter, Hard- und Software sollen einen großen Sprung gemacht haben – in der neuen S-Klasse konnten das Angebot bereits überzeugen. Als Sonderausstattung wird Augmented Video angeboten. Eine Kamera erfasst die Umgebung vor dem Fahrzeug, die bewegten Bilder werden auf dem Zentral-Display angezeigt. Zusätzlich werden virtuelle Objekte, Informationen und Markierungen in das Videobild eingeblendet. Dazu gehören beispielsweise Verkehrsschilder, Abbiegehinweise, Spurwechselempfehlungen und Hausnummern. Dies kann die Navigation insbesondere in der Stadt deutlich erleichtern. Ein farbiges Head-up-Display ist als Sonderausstattung bestellbar. Dem Fahrer wird ein virtuelles Bild mit einer Größe von 9 x 3 Zoll (ca. 23 x 8 cm) in ca. 4,5 m Entfernung über der Motorhaube schwebend dargestellt.

Auch bei den Antrieben gibt es einiges zu berichten: Das Motorenprogramm umfasst ausschließlich Vierzylinderaggregate aus der aktuellen modularen Mercedes-Benz Motorenfamilie FAME (Family of Modular Engines). Sowohl die Diesel- als auch die Ottomotoren verfügen neben der Aufladung mit Hilfe des Turboladers erstmals auch über eine intelligente Unterstützung im niedrigen Drehzahlbereich mit einem integrierten Starter-Generator (ISG) als Mildhybrid. Dies sorgt für eine hervorragende Leistungsentfaltung. Zum „ISG“ gehört das 48-Volt-Bordnetz, das Funktionen wie Segeln, Boost oder Rekuperieren sicherstellt und deutliche Verbrauchseinsparungen ermöglichen soll. Außerdem starten die Motoren damit sehr schnell und komfortabel, sodass die Start-Stopp-Funktion für den Fahrer ebenso fast unmerklich erfolgt wie der Übergang vom Segeln mit stehendem Motor zum kraftvollen Vortrieb mit Motorkraft. Im Leerlauf sorgt das intelligente Zusammenspiel des ISG mit dem Verbrennungsmotor für Laufruhe. Zum Markstart stehen drei Benziner von 170 bis 258 PS sowie zwei Diesel von 200 bis 265 PS zur Auswahl, der angesprochene Plug-In-Hybrid soll bald folgen.

Die Neungang-Automatik wurde für die Adaption des „ISG“ weiterentwickelt und kommt bei allen C-Klasse Modellen zum Einsatz. Der Elektromotor, die Leistungselektronik und der Getriebekühler sind in bzw. an das Getriebe gerückt. Bisher notwendige Leitungen entfallen, was Vorteile bei Bauraum und Gewicht bietet. Zudem wurde der Wirkungsgrad des Getriebes erhöht. Unter anderem konnte durch das optimierte Zusammenspiel mit der elektrischen Zusatzölpumpe das Fördervolumen der mechanischen Pumpe im Vergleich zum Vorgänger um 30 Prozent reduziert werden – gut für die Effizienz. Zudem kommt eine neue Generation der vollintegrierten Getriebesteuerung mit einem Multicore-Prozessor und neuer Aufbau- und Verbindungstechnik zum Einsatz. Neben der gesteigerten Rechenleistung konnte die Anzahl der elektrischen Schnittstellen drastisch reduziert und das Gewicht der Getriebesteuerung um 30 Prozent gegenüber dem Vorgänger gesenkt werden.

Der 4MATIC Antrieb der Allradmodelle (vorerst nur die zwei stärkeren Benziner) wurde ebenso weiterentwickelt. Mit dem neuen Vorderachsantrieb lassen sich höhere Drehmomente übertragen und fahrdynamisch ideale Achslastverteilungen darstellen. Hinzu kommt ein deutlicher Gewichtsvorteil gegenüber dem entsprechenden Bauteil der Vorgängerbaureihe – ein Beitrag zur CO2-Reduzierung. Beim ebenfalls neuen Längsverteilergetriebe konnten die Techniker die Reibungsverluste weiter reduzieren. Zudem verfügt es über einen geschlossenen Ölkreislauf und benötigt keine zusätzlichen Maßnahmen zur Kühlung.

Die C-Klasse war im vergangenen Jahrzehnt die volumenstärkste Baureihe von Mercedes-Benz. Seit der Einführung der eben noch aktuellen Generation 2014 wurden über 2,5 Millionen Einheiten der Limousine und des T‑Modells verkauft. Sollte die neue Generation nicht an diese Erfolgen anknüpfen können, lag das sicherlich nicht an mangelnden Neuerungen – von diesen gibt es nämlich, wie die erste Vorstellung zeigt, zahlreiche. Wir sind auf die erste Ausfahrt gespannt.

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