Was ist das für 1 Siebener BMW? Vong Technologie her.

7. Oktober 2016
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Feature

So ein Siebener war schon immer eine imposante Erscheinung. Daran hat sich auch beim aktuellen Modell nichts geändert. Vor allem, wenn man noch das M-Paket und fette Batschen ordert. In unserem Fall 20-Zöller. Ein weiteres Detail, das jedem Kenner sofort ins Auge sticht: der Schriftzug. 750d – das steht für mächtig Power unter der Haube! Genauer gesagt für einen 3 Liter Reihen-Sechszylinder Dieselmotor der durch 4 (!!!) Turbolader zwangsbeatmet wird. Die Leistungsausbeute? 400PS und 760 Newtonmeter Drehmoment. 4,1 Sekunden von Null auf Hundert sprechen für sich.

Das sind jedoch alles Dinge, die man bei einfacher Betrachtung von außen feststellen kann. Dieser Artikel soll aber einen näheren Einblick in das Auto geben. Was den 7er zu einem Wunderwerk der Technik macht, ist nämlich nicht etwa sein Design oder der Motor. Es ist sein Innenraum – die perfekt verarbeiteten Materialien, die Sitze (komfortabler als jede Wohnzimmercouch) und das gesamte Infotainment-System sowohl vorne als auch hinten im Fond. Selbst so profane Dinge wie das Öffnen des Autos werden hier zum Erlebnis – Schlüssel mit Touchscreen auf dem man die gesamten Fahrzeuginformationen abrufen kann und mit dem man das Auto aus der Ferne parken kann, sei Dank.

Die erste Sache die ich tat, als ich zum ersten Mal in den 750d einstieg war natürlich mir den Sitz einzustellen – natürlich alles rein elektrisch. Die Tasten zu Sitzverstellung reagieren aber nicht nur auf Druck, sondern auch auf leichte Berührung. Somit wird am Hauptdisplay sofort angezeigt welche Funktion der jeweilige Schalter hat, den man gerade angreift. Weiter ging es damit, mein Handy mit dem Auto zu verbinden. Dabei kann man sich zwischen drei verschiedenen Möglichkeiten entscheiden: Bluetooth, USB oder Wlan. Ich entschied mich ganz konservativ, aufgrund mangelndem USB Kabels für eine Bluetoothverbindung, entdeckte aber erleichtert ein kleines Fach unter der Mittelarmlehne in der man sein Handy ablegen kann, um es per Induktion zu Laden was mein Strom-Problem gelöst hat.

Auch die Lautsprecher des B&W-Soundsystems sind beleuchtet, weil ... warum nicht?!

Auch die Lautsprecher des B&W-Soundsystems sind beleuchtet, weil … warum nicht?!

Nachdem ich den Motor startete wurde ich schon über das Bowers & Wilkins Soundsystem von der Musik auf meinem Handy in bester Qualität beschallt. Nun konnte die Testfahrt ja losgehen, das Ausparken war trotz der beachtlichen Außenmaße ein Kinderspiel aufgrund der 360 Grad Kameras wobei man sich die Sicht jeder Kamera noch im Detail anzeigen lassen kann. Die vordere und hintere Kamera schwenkt in der Detailansicht je nach Lenkeinschlag mit. Nachdem ich endlich aus dem Staunen beim Ausparken (ja das gibt es) heraus kam, ging es ab auf die Autobahn, genau das richtige Terrain für einen 750d. Wien Westausfahrt – 70 auf 130 km/h, bergauf. Bei manchen Autos dauert dieses Beschleunigungsmanöver ein gefühltes Jahrhundert, im 750d jedoch passiert es in Millisekunden. Die Fahrt nach St. Pölten verging wie im Flug bei absolut geräuschlosem Dahingleiten. Lane-Keeping-Assistent und die Adaptive-Cruise-Control verströmen das Gefühl des Passagier seins. Auf der Autobahn war auch ausreichend Zeit um etwas an den Fahrmodi herum zu spielen. Comfort und Comfort+ Modus sind wie geschaffen für längere Fahrten, doch selbst im Sport+ Modus büßt man kaum etwas an Fahrkomfort ein.

Nach einer Beinahe schon einschläfernden Fahrt auf der Autobahn ging es ab auf die Bundesstraße. Die B39 um 16:30 – zur Hauptverkehrszeit, der Horror für jeden Autofahrer der einfach nur nach Hause will, doch nicht dieses mal, nicht im 750d. Als ich zu Hause angekommen war und ich für mein Gefühl viel zu früh aus dem 7er aussteigen musste, nahm ich nochmal auf der Rückbank platz. Da fielen mir erst die 2 riesen Displays auf, die auf der Rückseite der Vordersitze befestigt waren, über die man Filme abspielen lassen oder sich einfach nur Fahrzeugdaten anzeigen lassen kann; alles natürlich per Fernbedienung gesteuert. Danach klappte ich die Mittelarmlehne herunter und ich fand – wie konnte es auch anders sein – ein Tablet. Über dieses kann man sowohl die beiden Displays, als auch die beiden Sitze im Fond steuern. Nach ungefähr 20 Minuten Aufenthalt im Fond verließ ich den BMW schweren Herzens unter verwunderten Blicken der Nachbarn.

Spät abends beschloss ich noch eine letzte Spritztour mit dem BMW zu unternehmen. Ich schnappte mir das Tablet – auch genannt Autoschlüssel – und begab mich auf einen Night-Cruise. Erst in der Nacht offenbarte sich die wahre Schönheit des Innenraums des BMW-Flaggschiffs. Das Ambiente-Licht lässt sich sowohl in Hinsicht auf Farbe (Blau, Bronze, Orange, Flieder, Weiß, Grün) als auch Intensität variieren. Nach längerem Herumprobieren fiel meine Wahl  schlussendlich auf Flieder mit weißen Akzentleisten in der höchsten Intensitätsstufe. Wenn schon, denn schon.

img_7104_wmIch dachte, dass mich an diesem Auto nichts mehr überraschen konnte, doch auf dieser nächtlichen Ausfahrt lernte ich, dass obwohl in diesem Gefährt beinahe alles über Touchscreens oder Touchsensoren funktioniert, diese Technologie eigentlich schon wieder veraltet oder besser gesagt „uncool“ ist, denn das kann mittlerweile jeder. Als ich meinem Beifahrer während der Fahrt mit der rechten Hand gestikulierend das Auto erklärte bemerkte ich durch Zufall, dass man die Lautstärke des Soundsystems per Gestensteuerung regulieren kann, mit kreisförmigen Bewegungen des Zeigefingers. Das war der Zeitpunkt an dem mir klar war, dass dieses Auto bei weitem mehr kann, als man jemals brauchen und auch nutzen wird und dass dies nur der momentane Höhepunkt der Technik ist, der nur darauf wartet von der Konkurrenz höher gesetzt zu werden. Was jedoch der nächste Schritt in Sachen Infotainment ist – darauf darf man gespannt sein.

Fotos: Matthias Stricker

 

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