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Winterreifen-Test 2018: Wenig Spreu, viel Weizen

23. November 2018
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Aktuelles

Keine großen Probleme auf Eis und Schnee, geringe Unterschiede auf trockener Straße, aber erhebliche Differenzen bei Nässe – das ist die Kernaussage des diesjährigen Winterreifentests des ARBÖ, der gemeinsam mit seinem deutschen Partnerclub ACE und der Gesellschaft für technische Überwachung, kurz GTÜ, durchgeführt wurde.

Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, kamen zwölf Typen der Dimension 185/65 R 15 zum Handkuss, die auf zwei Teststrecken ihr Können unter Beweis stellen mussten. Die reinen Winter-Fahrversuche fanden in finnischen Saariselkä, nur rund 250 Kilometer vom Polarkreis entfernt, bei Temperaturen von unter Minus 15 Grad Celsius statt. Die Messungen auf nasser und trockener Bahn wurden auf einem Testgelände in der Nähe von Montpellier in Südfrankreich durchgeführt. Von den angetretenen Probanden waren neun echte Winterreifen (zu solchen hier noch mehr Informationen), drei Ganzjahresreifen. Da diese zwei Typen natürlich nicht miteinander vergleichbar sind, kommt das Allrounder-Trio in einer eigenen Wertung vor.

Wie sieht die Bewertung also jetzt im Detail aus? Ausgerechnet der günstigste Kandidat im Test, der Kenda Wintergen 2, glänzte mit hervorragender Traktion und sehr kurzen Bremswegen, die ihm den Sieg in den Schneeprüfungen einbrachten – wenn auch nur einen sehr knappen. Betrug sein Bremsweg auf weißer Pracht aus 50 km/h 28,6 Meter, brauchte Schlusslicht Pirelli Cinturato nur knapp zwei Meter mehr.

Dafür attestierten die Tester dem Italiener ein jederzeit sicheres Fahrgefühl, was nicht zu unterschätzen ist – schließlich spielt der Eindruck, wie sich ein Pneu auf dem Handling­kurs anfühlt, eine nicht unwichtige Rolle. Hier zeigten sich etwa der Continental WinterContact TS 860 sowie der Nokian WR D4 vorbildlich, und ausgerechnet der Schneekönig Kenda schnitt bei diesem Kriterium mit einem wenig befriedigenden, unruhigen Fahrgefühl ab.

Da kaum ein Autofahrer in Mitteleuropa aber nur auf Schnee unterwegs ist, werden das Nass- und Trockenhandling immer wichtiger. Und hier gibt es gewaltige Unterschiede. Beim Bremsen auf nasser Strecke aus 80 km/h schnitten die Pneus von Continental und Goodyear mit einem Anhalteweg von jeweils knapp 34 Metern tadellos ab. Der Kenda hingegen nahm sich bis zum vollständigen Stillstand ganze 41 Meter – sieben Meter mehr also, die in Extremsituationen über Leben und Tod entscheiden können.

Deswegen schnitt der Gummi aus chinesischer Produktion in der Endwertung auch nur mit einem „bedingt empfehlenswert“ ab, was auch seiner mageren Leistung in den weiteren Disziplinen auf nasser Bahn geschuldet ist.

Dass Conti und Goodyear hier den Ton angeben, kristallisiert sich immer mehr heraus. Die weiteren Kandidaten von Nexen, Nokian und Pirelli, Dunlop, Kumho und Bridgestone liegen eng beinander genau dazwischen im Mittelfeld.

Und wie verhält es sich bei trockenen Bedingungen? Ein entscheidender Punkt, für den Winterreifen mit ihrer weichen Gummimischung und den groben Profilblöcken schon immer ihre liebe Not hatten. Hier sind die Differenzen beruhigend gering. Bei einer Vollbremsung aus 100 km/h liegt zwischen dem Besten im Test, dem Brid­­ge­­stone, und dem Schlusslicht von Pirelli gerade Mal ein Meter.

Und die Ganzjahresreifen? Auch hier hat Continental mit dem AllSeasonContact die Messlatte sehr hoch gelegt: Kaum schlechter auf Schnee und Nässe als lupenreine Winter-Pneus. Das gilt auch für die Tests im Trockenen, nur hat diese Kategorie

einen kleinen Haken: Eigentlich müssten sich diese Gummis in diesen Disziplinen mit Sommerreifen messen – schließlich werden sie ja das ganze Jahr über gefahren. Ob dieser Typ von Gummi also wirklich eine schlaue Wahl ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Gewonnen hat beim Winterreifentest des ARBÖ am Ende der Continental WinterContact TS 860, wobei sich die Wertung  in einem entscheidenden Kriterium von der des deutschen Partnerclubs unterscheidet. Während dieser den Kaufpreis der Pneus als eigenes Kriterium mit in die Endabrechnung nimmt, ist dies für den österreichischen Club kein Thema. Schließlich sagen die Kosten nichts über die Qualität eines Gummis aus. Und nichts anderes sollte beim Reifenkauf ausschlaggebend sein.

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Filme, Videospiele, Technik, Autos, Speis und Trank ... meine Interessen lesen sich wie das 1x1 der Männer-Klischees. Aber so bin ich nun mal. ;) Und das zeigt sich auch in meinem bisherigen Werdegang: Hotelfachschule, dann Videospieljournalist (übrigens bis heute: www.gamers.at), anschließend einige Jährchen bei einer Unternehmensberatung und Digital-Marketing Agentur und nun also hier, bei Alles Auto. Hier darf ich seit Mai 2015 die Geschicke von allem das "online & digital" ist lenken und gestalten ... und "nebenbei" natürlich der Redaktion mit Tests, Fahrberichten und mehr meinen Stempel aufdrücken. Und dabei bin ich natürlich auch immer für Anregungen offen. Fragen und vor allem Anregungen sind also jederzeit willkommen. :)

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