ALLES AUTO Oktober 2015

Editorial

Während dieses Heft gedruckt wurde, war der Volkswagen-Konzern gerade ziemlich unter Druck – und das just nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr, in dem die Deut­schen Toyota erstmals von der Spitze verdrängen konnten, was die weltweit ver­kauften Neuwagen betrifft. Doch nach dem Skandal rund um manipulierte Abgastests wackelt die Spitzenposition für 2015 gewaltig. Zur Erinnerung: Die Konzernspitze muss­te zähneknirschend zugeben, dass man bei Abgastests für die Zulassung von Diesel-Fahrzeugen in den USA durch eine gefinkelte Software verfälschte Werte rea­lisierte, die sonst dramatisch höher gelegen wären.

Damit geriet auch der vor kurzem aus dem Duell mit Zampano Piech als Sieger her­vor­gegangene VW-Boss Martin Winterkorn ins Straucheln. Hat er von den Manipula­tio­nen gewusst, müsste er eigentlich den Hut nehmen. Und wenn nicht, wirft es eben­falls kein gutes Licht auf die Wolfsburger Lichtgestalt der letzten Jahre. Was ja auch einen Rücktritt nahe legen würde.

Die deutschen Mitbewerber halten sich mit Kommentaren zu Causa noch nobel zu­rück. Was nicht bedeuten muss, dass auch die Konkurrenz bei den Abgastests schum­melt. Viel mehr betrifft der jetzt aufgetretene Imageschaden die gesamte deutschen Autoindustrie – war man doch in den letzten Jahren gemeinsam bemüht, den Amis das Thema Diesel schmackhaft zu machen, Stichwort Flottenverbrauch. VW droht jedenfalls eine empfindliche Strafe in den USA, ein zweistelliges Milliarden-Minus – das wäre das maximale Bußgeld – liest sich auch in der Bilanz eines Welt­kon­zerns nicht gut. Um etwa diesen Betrag verlor der Wolfs­burger Riese übrigens an Aktienwert am Tag nach Bekanntwerden des Skandals. Schwer zu beziffern ist der Imageschaden – gerade Volkswagen weiß aus Erfahrung mit ange­blich spinnenden Automatik-Getrieben bei Audi Mitte der 80er-Jahre, wie nachtra­gend amerikanische Kunden sein können.

Die Frage, die sich viele Europäer nun stellen: Wird auch bei uns auf dem Kontinent ge­schummelt? Klar ist, dass die Bordelektronik moderner Fahrzeuge erkennen kann, ob sich der Wagen gerade bei einer Zyklus-Messung auf dem Rollenprüfstand befin­det. Ob das für Manipulationen genutzt wird? Das wird wohl von der jeweiligen Ge­schäfts-Ethik abhängen. Wir bleiben auf jeden Fall für Sie in die­ser Sache dran. In der kommenden Ausgabe werden wir das The­ma Verbrauchs- und Abgasmessung bei der Fahrzeug-Homologierung ausführlich behandeln – und aufzeigen, wie es möglich ist, die Tests dabei zu manipulieren.

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