ALLES AUTO April 2019

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EDITORIAL

Kleinwagen sind vom Aussterben bedroht! Allerdings nicht, weil sie keiner mehr ha­ben möchte, sondern – und das ist besonders pikant – weil die EU für die kommen­den Jahre immer strengere CO2-Limits und damit Verbrauchswerte einfordert von den Autoherstellern (siehe dazu auch das ­„Letzte Wort“ am Ende dieses Hefts). Da sollten doch kleine Autos im Vorteil sein und boomen, möchte man mei­nen. Mit­nich­ten. Sieht man sich etwa das Kleinwagen-Kapitel im großen Auto-Kata­log der vorigen ALLES AUTO-
Ausgabe an, wird man nur wenige Minis finden, die unter 100 Gramm CO2 bilanzieren. Bei 95 Gramm, der Flottenverbrauchs-Grenze ab 2020, sieht es noch düsterer aus.

Der Grund dafür: Effiziente Spritspar-Maßnahmen wie Mild-Hybrid oder auch Diesel­motoren sind ziemlich teuer und rechnen sich erst in höheren Fahrzeug-Klas­sen. VW-Chef Herbert Diess kalkuliert, dass etwa der Aufschlag beim Up, dem Kleinsten seiner Palette, künftig rund 3500 Euro ausmachen wird – bei einem Basispreis von 10.000 Euro, wohlgemerkt. Damit ist der Volks-Mini tot. Und auch beim Bruder Polo wird hin­terfragt, ob Verbrennungsmotoren hier noch Sinn machen. Zufall, dass dem be­reits 2013 eingeführten, natürlich alles andere als güns­­tigen e-Up heuer noch ebenfalls strombetrie­bene Ableger der Brü­der Seat Mii und ­Skoda Citigo folgen? Sicher nicht.

Ein paar (Premium-)Anbieter wie etwa Mini können das Kleinwagen-Segment wo­mög­lich auch weiterhin bespielen, das Gros der Hersteller wird sich aber in Europa von dem wenig lukrativen Geschäft verabschieden. Was schade ist. Denn zum einen stellen die automobilen Zwerge für viele den Einstieg in die Neuwagen-Welt dar, zum ande­ren helfen sie mit, Parkplatz-Probleme in überfüllten Städten zu lindern. Ab­gese­hen davon gelten die meisten Minis als echte Fahrfreudenspender, weil sie leicht sind so­wie agil. Und ganz nebenbei setzen Kleinwagen willkommene Farbtupfer in unsere grau­e Auto-Welt, da sie beson­ders gern in frohen Colorierungen geordert werden.

Was wird passieren? Ganz einfach: Menschen mit normalem Geldbeutel werden ihr City-Mobil länger behalten, wenn sich der Umstieg auf ein neues Fahrzeug ekla­­­tant ver­teuert. Was weder der Wirtschaft nützt noch der Umwelt. Und irgend­wann in fer­ner Zukunft werden Kleinwagen mit potentem Verbrennungsmotor zu echten Klas­sikern. Abarth 500 oder VW Up GTI ­könnten später gesuchte Sammler­stücke wer­den. Viel­leicht sogar auch unser neuester Dauertester: der Suzuki Swift als 140 PS ­star­ker Sport, der ab Seite 30 ins Bild fährt – in knalligem Gelb!

Enrico Falchetto, Chefredaktion ALLES AUTO

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