Alles Auto April 2018

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Editorial

Autofahrer mit Herz & Hirn hatten zuletzt jede Menge Grund zum Ärgern. Und damit ist nicht allein die Diesel-Debatte samt drohenden Fahrverboten gemeint (siehe dazu Seite 22 und 82). Für Auf­re­gung sorgte auch ein Interview mit dem früheren Verkehrsplaner Hermann Knofla­cher, einem bekannten Hasser des motorisierten Individualverkehrs. Seine Aussage „Der Auto­fahrer ist kein Mensch. Erst wenn er aus dem Auto steigt“ stieß ebenso auf Entsetzen wie sein Eingeständnis, dass man in Wien früher be­wusst und syste­ma­tisch künstliche Staus verursacht hat, um Menschen das Auto­fah­ren zu ver­miesen. Daran sollten sich auch die grünsten WienerInnen stoßen, schließ­lich brin­gen Staus nicht nur schlechte Laune, sondern auch schlechte Luft.

Apropos Grüne: Die grüne Fraktion im europäischen Parlament sorgte unlängst mit einer Studie für Aufsehen, die zeigen sollte, wie viel Steuern den EU-Staa­ten in den letzten Jahren unterschlagen wurden, weil Pkw im Alltag deutlich mehr ver­brau­chen als von den Herstellern angegeben. Dem österreichischen Fiskus seien dem­nach allein zwi­schen 2010 und 2016 mehr als 2,5 Milliarden Euro entgangen, und zwar we­gen zu geringer Normverbrauchsabgabe (NoVA), die ja auf den Neuwagen­preis auf­geschlagen wird.

Was den Ma­chern der Studie entgangen ist: Laut Gesetz richtet sich die NoVA, wie ihr Name schon ver­muten lässt, nach dem Normverbrauch, der in einem von der EU vorgege­benen Zy­klus ermittelt wird – und nie den Anspruch erhoben hat, den Praxis­ver­brauch abzu­bil­den, sondern bloß Autos untereinander vergleichbar macht. Ab­gesehen davon gibt es in Österreich ohnehin eine (ger)echte ver­brauchs­ab­hängige Besteuerung: die Mineralölabgabe – denn die greift ja mit jedem ver­brauch­ten Liter. Die Grünen müssten sich eher darüber aufre­gen, dass diese Steuer längst nicht mehr zweck­gebunden verwendet wird, etwa für den Ausbau öffentlicher Verkehrs­mittel.

Erschreckender noch als die Schwachsinnigkeit der Studie ist die Tat­sa­che, wie oft und vor allem unhinterfragt sie von vermeintlich seriösen Medien publi­ziert wurde. Stimmung gegen das Auto zu machen ist offenbar nach wie vor en vogue. Nicht na­türlich bei ALLES AUTO. Wir behandeln unser Lieblingsthema vor­urteilsfrei und ohne Scheu­klappen, aber auch ohne Verblendung. Das zeigten auch die zahlreichen po­si­tiven Reak­­­ti­onen auf das Duell in der letzten Ausgabe, bei dem Teslas elektri­sches Model X nur knapp dem benzinbetriebenen Porsche Ca­yen­ne S unterlag. Beim Vergleichstest im aktuellen Heft gibt es eine praxisgerechte und zeitgemäße Diesel-Debatte: Jaguar E-Pace gegen BMW X2 und Volvo XC40.

Enrico Falchetto

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