Alles Auto Dezember 2019

Editorial

Streng genommen ist so ein Pickup unnötig, eigentlich eine Platzverschwendung auf Rä­dern. Auf deutlich über fünf Metern Länge bieten diese 4×4-Pritschenwagen bloß vier Personen richtig Platz. Natürlich sind ihre Ladeflächen epochal, doch was soll man darauf wirklich transportieren? Wertvolle Güter sind Wind & Wetter aus­gesetzt und natürlich Langfingern. Kauft man sich ein teures Abdeck-Rollo oder gar ein rich­tig teures Hardtop dazu, wird das Beladen und Sichern noch mühsamer. 

Und so sieht man in den meisten Fällen Pickups tatsächlich mit leerer Pritsche he­rumfahren. Auch thronen auf dem Fahrersitz in der Regel nicht ­Förster oder Installateure, sondern meist junge Menschen, die diese Art ­Auto ­einfach cool finden. Natürlich lockt dazu der Vorsteuerabzug Freiberufler auf den Hochsitz, die derart viel Auto eigent­lich gar nicht benötigen ­würden.

Abgesehen von der mühsamen Parkplatzsuche, egal ob längs oder quer,  fahren sich Pickups auch nicht wirklich prickelnd, Blattfedern und ­Starr­achse hinten sind mehr oder weniger obligat, die indirekten Lenkungen klar Richtung offroad aus­ge­legt. Was macht also den Reiz dieser Fahrzeug-Gattung aus? Es kann eigent­lich nur das ­verwegene Abenteuer-Image sein – zumal in einer Zeit, in der SUV im­mer ver­weich­lich­ter da­­herkommen. Obwohl kaum jemand seinen Hochbau-Wa­gen, egal ob mit Pritsche oder ohne, je ins harte Gelände treibt.

Deshalb haben wir in unserem großen Pickup-Vergleichstest die Onroad-Quali­täten der vier Kandidaten besonders unter die Lupe genommen – obwohl wir immer wieder zu hören be­kommen, dass unser standardisierter Ausweichtests unnötig sei, weil kein Mensch so sportlich fährt im Alltag. Das mag stimmen und im Beson­deren auf Pickup-Piloten zutreffen, doch diese Prüfung simuliert einen Ernstfall, der jeden tref­fen kann. Sprich: Wir stellen ein Manöver nach, das auch besonnene Fahrer bei ei­ner plötzlich auftre­tenden Gefahrensituation meistern müssen.

Zum Vergleich trat der neue Mitsubishi L200 gegen den VW Amarok und die Merce­des X-Klasse an sowie gegen den meist­verkauften im Segment, den Ford Ranger. Ihnen geht der Toyota Hi-Lux ab? Zu­ Recht, doch der japanische Dauer­bren­ner erhält in Kürze ein Facelift, das alte Modell zu neh­men schien uns unfair. Nissan Navara und Renault Alaskan gäbe es auch noch, doch beide Hersteller konnten kein Modell für unseren Test zur Verfü­gung stel­len – immerhin ist die gemeinsame „Plattform“ durch den Nobel-Ableger von Mercedes vertreten. Wie sich unsere vier Allrad-Pritschen­wagen geschlagen haben, lesen Sie ab Seite 8.

Enrico Falchetto, Chefredaktion ALLES AUTO

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