Erster Test: Toyota GR86

7. Dezember 2022
177 Views
Aktuelles

Gazoo Racing, also Toyotas Sport-Division, gibt zurzeit richtig Gas. Zuerst war da der Zweisitzer GR Supra (siehe auch Kasten rechts), auf diesen folgte der GR Yaris und nun also der GR86. Warum ge-rade der weltweit größte Autobauer, der eher für vernünftige Hybridfahrzeuge bekannt ist, drei sportliche Spaßmacher mit komplett verschiedenen Motor­kon­zepten (Reihensechser, Dreizylinder mit Turbo, Vierzylinder-Saug-Boxer) in Verbin­dung mit Handschaltung anbietet? Weil genau wegen der konsequenten CO2-Einspa­rung durch die fast durchgängige Hybridisierung Spielraum für Unvernunft da ist. 

Zudem steht man aus wirtschaftlicher Sicht sehr gut da, das Engagement im Motorsport war in den letzten Jahren erfolgsgekrönt (Siege in Le Mans, in der WRC und auch bei der Rallye Dakar). Man könnte sagen, die Japaner haben einen Lauf. Und einen solchen darf man schon mal feiern. Zum Beispiel mit dem brandneuen GR86.

 

Noch selten bestand ein Segment aus einem einzigen Auto – doch uns fällt kein Sportler unter 40.000 Euro ein, dessen Merkmale dem Japaner auch nur nahekommen: groß­volumiger Boxer-Saugmotor, drehfreudig bis weit über 7000 Touren, knackige Sechsgang-Handschaltung (Automatik gibt es als 2000 Euro teure Option, ist aber durchaus als „Themenverfehlung“ zu verstehen) sowie Hinterradantrieb mit mecha­nischem Sperrdifferenzial – alles Zutaten, die viel versprechen.

Schon nach den ersten Haarnadelkurven auf unserer Testfahrt im Süden Spaniens ist klar: Hier wurde nicht nur versprochen, sondern auch gehalten – ein Umstand, der in der Marketing-orientierten Autobranche immer seltener wird. Die sportliche Sitzposition richtet einen optimal darauf aus, wofür dieses Auto gemacht ist, nämlich zum Fahren. Die Pedale sind ideal angeordnet und ermöglichen Zwischengas-Stöße beim Herunter­schalten, die Sechsgang-Box lässt sich problemlos bedienen, auch wenn sie in Sachen Präzision nicht an die allerbesten
herankommt. 

Der 234 PS starke 2,4-Liter hängt willig am Gas, dreht mühelos hoch und unterhält mit toller Klangkulisse (die zwar im Innenraum künstlich verstärkt ist, was aber nicht negativ auffällt). Traktion ist stets vorhanden, außer man will die Vorzüge eines hinterradge­triebenen Fahrzeuges erkunden: Dann lassen sich kontrollierte Drifts durch jeden beliebigen Kurvenradius ziehen – am besten natürlich auf der Rennstrecke.

Die Änderungen zum 2012 eingeführten Vorgänger GT86 erscheinen auf den ersten Blick nicht weltbewegend, fallen beim zweiten Hinschauen jedoch so umfassend aus, wie es nur die technik-verliebten Japaner bereit sind umzusetzen. Ans gesamte Fahrzeug wurde Hand angelegt: Gewichtstechnisch gibt es im Vergleich zum alten Modell trotz größeren Motors und erweiterter Sicherheits-Features keine Erhöhung, dafür wurde der Schwerpunkt tiefergelegt. 

Beim Motor hat man an etlichen Stell­schrauben gedreht, ebenso bei Kühlung, Getriebe, Abgasanlage, Fahrwerk, ­Lenkung und Bremsen.

 

Besonderes Lob verdient man sich bei Gazoo Racing auch für das Styling. Natürlich ist es immer Geschmacksache, doch die GR86-Linien nehmen klassische Design-Elemente japanischer Sportwagen gekonnt auf. Zudem ist jeder sichtbare Küh-lungs­schacht oder -schlitz auch mit einer Funktion betraut. Oft sagt man, ein Auto sei mehr als die Summe seiner Teile. Beim GR86 gilt hingegen: Dieses Auto ist genau die Summe seiner ­Teile – ehrlich sportlich, durchdacht und zweckorientiert, unterhaltsam, aber niemals überfordernd. 

Zwei Ausstattungs-Versionen sind verfügbar, die günstigere von beiden heißt „Pure“ und ist bereits mit LED-Scheinwerfern, Zweizonen-Klimaautomatik, 8 Zoll-Touchscreen, Apple CarPlay und Android Auto sowie Tempomat und Toterwinkel-Warner bestückt. Nur zehn Prozent der zukünftigen Käufer sollen sich für diese Variante entscheiden, lediglich 15 Prozent werden zur Automatik greifen, die nur im namenlosen Top-Trimm verfügbar ist – der unter anderem 18-Zöller mit Sport­reifen, Alcantara-Bezug, Sitzheizung sowie Matrix-Licht und mehr Assistenzsysteme bietet.

Die ersten Autos sind bereits im Lande, heuer werden es aber nicht mehr als 50 Stück werden. Wer einen will, sollte schnell sein – denn die Produktion ist auf zwei Jahre limitiert. 

Daten & Fakten

Basispreis in € 40.490,–
Zyl./Ventile pro Zyl. 4/4
Hubraum in ccm 2387
PS/kW bei U/min 234/172 bei 7000
Nm bei U/min 250 bei 3700
Getriebe 6-Gang-Getriebe
L/B/H, Radst. in mm 4265/1775/1310, 2575
Kofferraum/Tank in l 226 / 50
Leergewicht in kg 1264
0–100 km/h in sec 6,3
Spitze in km/h 226
WLTP-Normverbrauch in l (kombiniert) 8,7–8,8
CO2-Ausstoß in g/km 198–200
Basispreis in € 45.790,–
Zyl./Ventile pro Zyl. 4/4
Hubraum in ccm 2387
PS/kW bei U/min 234/172 bei 7000
Nm bei U/min 250 bei 3700
Getriebe 6-Gang-Automatik
L/B/H, Radst. in mm 4265/1775/1310, 2575
Kofferraum/Tank in l 226 / 50
Leergewicht in kg 1264
0–100 km/h in sec 6,8
Spitze in km/h 216
WLTP-Normverbrauch in l (kombiniert) 8,7–8,8
CO2-Ausstoß in g/km 197–199

Nur in Verbindung mit der besseren Ausstattungsline zu haben 

Kommentar abgeben