Audi: Horizontal liegende Elektromotoren ersetzen Teleskop-Stoßdämpfer

10. August 2016
1.918 Views
Aktuelles

Aktuelle Autos werben oft damit „effizient“ zu sein. Eigentlich, also vor allem wenn man sich in seiner Betrachtung nicht nur auf den Motor beschränkt, sind sie das aber gar nicht so wirklich – immer noch geht viel Energie in Luft auf. Natürlich wird aber fleißig daran gearbeitet, dass dieser Misstand korrigiert wird. Die neuste Idee von Audi: elektromechanische Rotationsdämpfer sollen die bisherigen hydraulischen Dämpfer ersetzen. Das Prinzip des Systems, das aktuell unter dem Codenamen eROT erprobt wird, ist schnell erklärt:

„Jedes Schlagloch, jede Bodenwelle, jede Kurve bringt Bewegungsenergie ins Auto, die in den aktuellen Dämpfern aufgenommen und in Form von Wärme verloren geht“, so Dr.-Ing. Stefan Knirsch, Vorstand Technische Entwicklung der AUDI AG. „Mit dem neuen elektromechanischen Dämpfersystem im 48-Volt-Bordnetz machen wir uns diese Energie nun zunutze. Zusätzlich haben wir und unsere Kunden ganz neue Möglichkeiten der Fahrwerksregelung.“

Audi verspricht, dass das eROT-System schnell und mit geringer Trägheit anspricht und sich durch die aktiv regelbare Dämpfung ideal an Fahrbahnunebenheiten und den Fahrstil des Fahrers anpassen kann. Wichtig dafür: ein über Software weitgehend frei definierbares Dämpferkennfeld. Entgegen konventionellen Fahrwerken besteht hier keine wechselseitige Abhängigkeit von Zug- und Druckstufe mehr. Es kann also die Druckstufe beim Einfedern komfortabel-weich ausgelegt werden, ohne Abstriche bei der straffen Dämpfung der Zugstufe beim Ausfedern zu machen.

Ein weiterer Vorteil: Dadurch, dass die Dämpfer horizontal angeordnet sind, wird über der Achse viel Platz frei, der zum Beispiel dem Kofferraum zu Gute käme. Vor allem aber ist das System natürlich effizienter als bisherige Lösungen. Es kann nämlich die kinetische Energie während des Ein- und Ausfederns in Strom umwandeln. Dafür werden die Bewegungen des Radträgers von einem Hebelarm aufgenommen. Dieser überträgt die Bewegungen über ein Getriebe auf eine E-Maschine, die sie in Strom umwandelt. Die Rekuperationsleistung beträgt im Testbetrieb auf deutschen Straßen im Mittel 100 bis 150 Watt – von drei Watt auf einer frisch asphaltierten Autobahn bis zu 613 Watt auf einer holprigen Nebenstraße. Audi rechnet entsprechend dieser Messwerte von einer CO2-Ersparnis von bis zu drei Gramm pro Kilometer.

 

Wie wahrscheinlich es ist, dass wir eine solche Technologie bald kaufen können? Nunja, Audi meint, dass die ersten Testergebnisse der eRot-Technologie vielversprechend sind und hält einen zukünftigen Serieneinsatz für „denkbar“. Voraussetzung ist aber ein 48-Volt-Bordnetz, welches aber ja ohnehin ein zentraler Baustein der Elektrifizierungsstrategie von Audi ist. In der für 2017 geplanten zweiten Ausbaustufe avanciert das 48-Volt-Netz in einem neuen Audi-Modell zum Hauptbordnetz und speist einen leistungsfähigen Mild-Hybridantrieb. Sein Einsparpotenzial an Kraftstoff reicht bis zu 0,7 Liter pro 100 Kilometer.

Kommentar abgeben