Erster Test: Mercedes GLB

17. Februar 2020
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Aktuelles

Wo genau die Kompakt-Liga endet und die Mittel-bis Oberklasse beginnt, bestimmt heute zunehmend das Marketing. Den GLB reiht es mit über 4,63 Metern Länge noch als Kompakt-SUV ein. Er unterbietet den GLC damit um gerade einmal zwei Zentimeter, beim Radstand sind es etwas mehr als vier.

Die fast identische Grundfläche nützt er aber besser: Weniger der Eleganz als dem Raumangebot verpflichtet ist aus dem seinerzeit als Mini-G angekündigten Benz-SUV ein ziem­licher Block geworden. Kantig und mit steiler, fast senkrechter Heckpartie, auch die Front eher ­bullig als sportlich.

Im Innenraum kommt wegen der fast senkrecht stehenden Seitenwände und des steilen Scheibenwinkels tatsächlich ein wenig G-Gefühl auf. Auch die waagrechten Dekor-Streben mit Alu-Optik entlang des Instrumen­tenträgers gehen als Offroad-Zitate durch. 

Das Cockpit-Layout wird von dem inzwischen Marken-ty­pi­schen XL-Display mit digitaler Instrumenten-Darstellung und zentralem Multimedia-Bereich bestimmt, natürlich mit Mer­ce­des’ redefreudigem Mbux-System ausgestattet. Ansonsten alles wie bei Benz gewohnt: hochwertiger Materialmix, tadellose Verarbeitung, ansprechende Details.

 

Eine Stärke des GLB ist zweifellos sein Platzangebot. Der Spagat zwischen Über­blicks-fördernder hoher Sitzposition, die im Fahrzeug selbst aber möglichst tief ausgelegt ist, schafft eine rekordverdächtige Kopf­freiheit von knapp 107 Zenti­metern, auch die Beinfreiheit im Fond erreicht Top-Niveau. 

Optional wird der GLB auch als Siebensitzer angeboten – in Reihe drei ist der Komfort zumindest für Erwachsene ein wenig eingeschränkt, man reist dort aber dennoch nicht unwürdig. Mit nur fünf Sitzen ist hingegen der Stauraum hitver­dächtig: 565 bis 1805 Liter fasst das massive Heck.

Motorisch gibt es keine Überraschungen – außer, dass schon mit der Markt­ein­führung im zweiten Quartal 2020 eine AMG-Variante mit 306 PS und 400 Nm aus dem Zweiliter-Vierzylinder angeboten wird. Das Topmodell überzeugt zwar mit ausgewo­gener Balance, präzisem, leichtfüßigem Handling und ansprechendem Antritt, wirkt bei allem Fahrspaß aber dennoch wie eine Themaverfehlung, weil nun einmal dem eigentlichen Sinn und Nutzen des Modells widersprechend. Immerhin: 0 auf 100 in 5,2 Sekunden ist schon eine An­sage.

Den Sinn der Sache trifft die zivile Motorenpalette mit zwei Benzinern zu 163 und 224 PS sowie drei Dieseln mit 116, 150 und 190 PS hingegen ausreichend. Die jeweils nur mit Vorder­rad­an­trieb erhältlichen Einstiegs-Versionen wirken bei stärkerer Beladung oder bergauf rasch ein wenig angestrengt. 

Für gepflegten Vortrieb empfehlen sich die weiteren Aggregate, wobei Benziner und stärkster Diesel serienmäßig mit Allrad ausgestattet sind. Beim mittleren Selbst­zünder kann 4MATIC für 2830 Euro Aufpreis geordert werden. Großzügig gibt sich Mercedes in Sachen Getriebe: Alle Varianten sind serienmäßig mit Doppel­kupp­lungs-Automa­tik bestückt.

Der neue Stuttgarter Allrounder überzeugt mit hohem Komfort, filtert Fahrbahn­ein­flüsse solide weg und zeigt trotz der Block-Karosserie keinerlei Anfälligkeit für Windgeräusche bei höherem Tempo. Wegen der etwas derben Fahrwerks-Straffung im Sportprogramm empfiehlt sich diese Einstellung allerdings nur auf wirklich guten Straßen­oberflächen. 

In flott angefahrenen engen Kurven setzt der GLB mit kurzem Untersteuern an, das ESP greift aber sofort und sanft ein. Der Allradantrieb verteilt die Traktion bis zu 50 : 50 zwischen Vorder- und Hinterachse, wobei seine Reaktionszeit neuerlich ver­kürzt wurde. Für wohldosierten Offroad-Einsatz reichen die 4WD-Qualitäten alle­mal, ihre Grenzen finden sie eher im Rampenwinkel von 14 Grad als im Grip. Ein G ist der GLB ­jedenfalls nicht.

Bestellbar ist der neue SUV (inklusive AMG-Version) schon, der Basispreis liegt rund 10.000 Euro unter dem des GLC. In Österreich war der ausgewachsene Kompakt-SUV übrigens erstmals auf der Vienna Auto­show im Jänner zu sehen. 

Daten & Fakten

Basispreis in € 40.940,–
Zyl./Ventile pro Zyl. 4/4
Hubraum in ccm 1950
PS/kW bei U/min 116/85 bei 3400–4400
Nm bei U/min 280 bei 1200–2600
Getriebe 8-Gang-Doppelk.
L/B/H, Radst. in mm 4634/1834/1663, 2829
Kofferraum/Tank in l 565–1805 / 52
Leergewicht in kg 1680
0–100 km/h in sec 11,3
Spitze in km/h 188
WLTP-Normverbrauch kombiniert 5,5
CO2-Ausstoß in g/km 145
Basispreis in € 51.190,–
Zyl./Ventile pro Zyl. 4/4
Hubraum in ccm 1950
PS/kW bei U/min 190/140 bei 3800
Nm bei U/min 400 bei 1600–2600
Getriebe 8-Gang-Doppelk.
L/B/H, Radst. in mm 4634/1834/1663, 2829
Kofferraum/Tank in l 565–1805 / 60
Leergewicht in kg 1735
0–100 km/h in sec 7,6
Spitze in km/h 217
WLTP-Normverbrauch kombiniert 5,8
CO2-Ausstoß in g/km 153
Basispreis in € 43.510,–
Zyl./Ventile pro Zyl. 4/4
Hubraum in ccm 1332
PS/kW bei U/min 163/120 bei 5500
Nm bei U/min 250 bei 1620–4000
Getriebe 7-Gang-Doppelk.
L/B/H, Radst. in mm 4634/1834/1663, 2829
Kofferraum/Tank in l 565–1805 / 52
Leergewicht in kg 1555
0–100 km/h in sec 9,1
Spitze in km/h 207
WLTP-Normverbrauch kombiniert 7,0
CO2-Ausstoß in g/km 159
Basispreis in € 52.610,–
Zyl./Ventile pro Zyl. 4/4
Hubraum in ccm 1991
PS/kW bei U/min 224/165 bei 5500
Nm bei U/min 350 bei 1800–4000
Getriebe 8-Gang-Doppelk.
L/B/H, Radst. in mm 4634/1834/1663, 2829
Kofferraum/Tank in l 565–1805 / 60
Leergewicht in kg 1670
0–100 km/h in sec 6,9
Spitze in km/h 236
WLTP-Normverbrauch kombiniert 8,0
CO2-Ausstoß in g/km 181

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