Immer weniger Cabrios auf dem Markt

5. April 2024
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Einst waren sie die Kirsche auf der Sahnetorte – besonders edel, schick und irgendwie auch überflüssig: Cabrios. Wer es finanziell geschafft hatte, besaß mehrere Autos und unter diesen befand sich bestenfalls ein Cabriolet für die Ausfahrt am sonnenreichen Wochenende. Kein Auto für die ganze Familie, sondern eher ein Ausbruch aus dem automobilen Alltag – allein oder allenfalls zu zweit. Egal war dabei, ob es sich um einen doppelsitzigen Roadster oder ein viersitziges Cabriolet der Luxusklasse handelte. Doch die Zeiten haben sich geändert, denn nachdem die Cabrios in den 1990er Jahren ihren Höhepunkt erlebten, ging es mit dem großen SUV-Trend abwärts mit den Cabrioverkäufen und der Umstieg auf die Elektromodelle lässt ebenfalls viele offene Modelle aus den Verkaufslisten verschwinden. Die Datenanalysten vom Marktforscher Jato Dynamics haben dazu die deutschen Zulassungszahlen der Cabrio- und Targa-Modelle aus den Jahren 2004 und 2023 miteinander verglichen. Zudem wollten sie wissen, welche Marken und Modelle noch immer gefragt sind und wie sich das Preisniveau entwickelt hat.

 

VW Käfer, VW Golf, Opel Kadett oder Mazda MX-5 – sie alle gab es in den 1980er und 1990er Jahren als erfolgreiche Cabrios. Jahrelang ging es mit den Zulassungszahlen ausschließlich auswärts – immer mehr Angebot brachte neue Verkaufsrekorde. Seit einigen Jahren geht der Absatz kontinuierlich zurück – und das nicht nur in Deutschland. Etablierte Hersteller wie Volvo, Opel, Nissan und Ford (außer in den USA) haben die Produktion der Sonnenanbeter längst eingestellt. Selbst Peugeot, lange Zeit europaweit Branchenführer mit Bestsellern wie Modellen 206cc, 207cc, 307cc und 308cc, nahm Abschied von der Fahrt unter freiem Himmel und wendete sich komplett den Volumenmodellen zu. Das neue Ziel sind klassenübergreifend Elektromodelle.

Immer weniger Cabriomodelle

In den letzten Jahren brach ein Cabriomodell nach dem anderen weg, sogar der ohnehin schwierige Trend zu SUV-Cabrios verebbte schneller als von vielen erwartet. Volkswagen klappt deshalb nach 75 Jahren endgültig das eigene Dach zu. Vom neuen T-Roc, der 2025 kommt, wird es keine offene Version mehr geben. Dabei war das erste T-Roc-Cabrio erst 2019 vorgestellt worden. Andere offene VW-Modelle wie New Beetle Cabrio oder Eos sind längst Geschichte, sogar die Produktion des Golf Cabrio ist mittlerweile ausgelaufen. Die Cabrio-Neuzulassungen sinken seit rund zwei Jahrzehnten kontinuierlich. Die größten Einbrüche gab es beispielsweise in Deutschland in den Jahren 2009 und 2020 – nach der Finanzmarktkrise 2008 und dann nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Auch wenn es immer mal wieder kleinere Aufschwünge zu verzeichnen gab, tendenziell hielt der Abwärtstrend bis heute an. Da die Elektromodelle in der Entwicklung teuer sind und nur eingeschränkt zu einem Cabriolet passen, das den emotionalen Motorsound vom Fahrtwind umschmeicheln lässt, wird die Luft für rollende Sonnenterassen immer dünner. Aktuell plant zumindest Mini mit seinem Cooper Cabrio eine elektrisches Cabriolet und auch MG will mit seinem elektrischen Cyberster Frischluft und surrenden Elektromotor kombinieren.

Nur leicht verändert hat sich im gleichen Zeitraum die Angebotsvielfalt. 2004 konnten die Kunden in Deutschland unter 60 verschiedenen Cabrio- und Targa-Modellen wählen, 2023 waren es etwas mehr. Besonders gefragt waren im letzten Jahr der Fiat 500, der offene Mini und der VW T-Roc. Doch der Fiat 500 C ist nur auf dem Papier ein Cabriolet – real eher eine Targaversion mit elektrischem Stoffdach. Dahinter folgt mit der 4er-Reihe von BMW das erste Premiummodell. Vor 20 Jahren nahmen die ersten drei Plätze der Mercedes SLK und die beiden Peugeot-Modelle 206 und 306 ein. Von allen drei gibt es schon länger keine Nachfolger mehr. Mercedes strich auch das luxuriöse S-Klasse Cabriolet und BMW plant wohl auch dem 8er Cabriolet keinen Nachfolger zu spendieren.

Doppelt so hoher Durchschnittspreis

Mehr als verdoppelt hat sich seit 2004 dagegen der Durchschnittspreis. Gehen die Verkaufszahlen zurück, lohnen sich meist die höheren Kosten für die Entwicklung von Cabrios nicht mehr. Und so verschwinden die günstigen Modelle zuerst vom Markt. Außer den Premiummarken gibt es deshalb kaum noch Anbieter von offenen Autos. Gab es 2004 mit Citroen C3, Daihatsu Copen, Ford Streetcar, Opel Tigra sowie den Smart-Modellen Cabrio, Roadster und ForTwo noch zahlreiche Angebote für unter 20.000 Euro, so werden heute vor allem Fahrzeuge für mehr als 50.000 Euro offeriert. Es geht aber auch richtig teuer, nach oben scheinen keine Grenzen gesetzt. Gegen Ferrari SP 90 oder Lamborghini Aventador ist ein aktueller Mazda MX-5 geradezu ein Schnäppchen – mit einem Durchschnittspreis von immerhin 37.000 Euro. „Cabriolets sind fast zu einem Nischenprodukt geworden. Offenbar ist die aufwendige Produktion bei geringen Stückzahlen nur noch für Premiumhersteller wirtschaftlich“, vermutet Eric Haase, Managing Director von Jato Dynamics in Deutschland.

Wer es noch relativ günstig haben möchte, kann bei Fiat die Targaversion des 500C kriegen, bei Smart mit dem offenen For Two zugreifen oder das Mini Cabrio ordern. Obwohl die Preise während der vergangenen 20 Jahre schon kontinuierlich gestiegen sind, legten die Hersteller nach der Corona-Pandemie noch einmal ordentlich zu, um den Umsatz zu stabilisieren. Unter den Top-10-Cabrios sind die Durchschnittspreise deutlich gestiegen, während die Zulassungszahlen seit 2004 zurückgingen. Dass Cabrios heute vollwertige Autos und nicht mehr als reine Zweit- oder Drittwagen anzusehen sind, scheint dabei nicht viele zu überzeugen. Eine rühmliche Ausnahme wird aber wahrscheinlich auch in Zukunft Mazda bleiben. Nachdem die Japaner mit dem MX-5 das Segment der kompakten Spaßroadster vor 35 Jahren wiederbelebten, hat der offene Zweisitzer auch in der vierten Generation noch einen festen Platz im Modellprogramm – und in jeder Cabrio-Jahresstatistik.