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Lotus ist wieder auf der Erfolgsspur. Vermutlich.

4. Dezember 2017
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Aktuelles

Irgendwann in den 60ern muss er gewesen sein – der Zeitpunkt, als Porsche und Lotus direkte Konkurrenten und dabei auch gleichwertig waren. Beide bauten kleine, sportliche, flinke und unglaublich direkte Sportautos. Wer einen roten europäischen Sportwagen wollte, kaufte sich einen Ferrari, wer einen guten europäischen Sportwagen wollte, landete bei Porsche oder Lotus. Doch diese Zeiten sind lang vorüber, denn während Porsche mit dem 911 einen absoluten Dauerbrenner im Programm hat und mit dem Cayenne abseits vom Markenkern Verkaufserfolge feierte, war der Frontantriebs-Ausflug im Elan der 90er die wohl mutigste Handlung der Briten. Einen Dauerbrenner hatte zwar auch Lotus mit dem Esprit, der von 1976 bis 2003 gebaut wurde, im Portfolio – nur erreichte er nie die Produktionszahlen des 911er und hatte gegen Ende seiner Bauzeit den Ruf, ein Dinosaurier zu sein. Ganz taufrisch sind aber auch die aktuellen Leichtbau-Raketen der Engländer nicht.

Doch all diese Probleme sollen der Vergangenheit angehören, denn mit dem neuen Eigentümer Geely ist wieder ordentlich Geld in der Kasse. Die Übernahme der britischen Traditionsmarke durch die Chinesen war immens wichtig. In den letzten Jahren machte Lotus nämlich mehr Schlagzeilen durch seltsame Managemententscheidungen, fehlende finanzielle Mittel und daraus resultierenden Problemen, neue Produkte zu entwickeln. Jetzt ist Lotus in festen Händen, hat ein scheinbar unbegrenztes Budget und mutmaßlich alle Freiheiten, um wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Kommt euch dieses Rezept bekannt vor? Volvo wurde von Geely ebenfalls als Baustelle übernommen, bekam eine Finanzspritze und ein funktionierendes Management und steht heute als strahlende Vorzeigemarke da. Wird die selbe Vorgehensweise bei Lotus funktionieren? Das ist gut möglich, denn neben den Steckenpferden Evora, Elise und Exige (und deren noch kompromissloseren Ablegern) sollen vor allem neue Karosserie- und Antriebskonzepte aus den Werkshallen in Hethel kommen. Geely besteht auf ein SUV, im besten Falle mit Elektroantrieb. Das klingt jetzt nicht wahnsinnig kreativ, sollte aber für eine weitere finanzielle Erleichterung sorgen.

Geely-Boss An Cong Hui sagt dazu: „Unsere neue Tochtergesellschaft ist sehr wichtig. Wir machen Pläne, um das Erbe von Lotus wieder aufleben zu lassen, um zu den Top-Performern im Sportwagensegment zu gehören. Lotus stand früher neben Ferrari und Porsche. Dorthin müssen wir wieder zurückkommen.“

Gut, diese Pläne hatten schon viele Menschen vor dem Geely-CEO. Besonders die Ideen des Lotus-Chefs von 2009 bis 2012, Dany Bahar, Lotus mit 5-Liter V8 Motoren und einem Leergewicht von rund 1400 Kilogramm wieder gegen Ferrari und Porsche antreten zu lassen, sorgten für Angst und Schrecken in der Fan-Community. Wäre es wirklich dazu gekommen, würde sich Firmengründer Colin Chapman bestimmt im Grabe drehen – mit 10.000 U/min.

Es scheint, als ob sich der Horizont über dem britischen Örtchen Hethel lichten würde und das schlechte Wetter langsam aber sicher davonziehen wird. Denn obwohl Geely der Marke ein gewaltiges Facelift unterziehen wird, wird der Markenkern, also Leichtbau und Kompromisslosigkeit, zumindest in den Sportautos von Lotus weiterleben – auch in der Zukunft, wenn sich die solvente Kundschaft vielleicht wieder zwischen Lotus und Porsche entscheiden muss.

 

 

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