Pandemie-Preisschlacht

18. Juni 2020
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Aktuelles

Rund 90.000 Neuwagen, Tageszulassungen und Vorführwagen stehen derzeit bei Österreichs Autohändlern und warten auf Käufer. Dazu kommen noch ­zigtausend junge Gebrauchte. Nach sechs Wochen Corona-Verkaufsstopp zwischen Mitte März und Anfang Mai wurde das für die Händler zum Problem, weil fast alle Autofabriken inzwischen wieder die Produktion aufgenommen haben und bereits neue Frischware anliefern. Viele Hersteller und Importeure unterstützen deshalb ihre Händler finanziell beim Abverkauf – und indirekt damit die Kunden, weil die Verkäufer die Stützung an diese weitergeben: Die Lagerware muss schleunigst weg!

Für alle, die trotz allem in nächster Zeit gerne ein Auto kaufen würden oder sogar müssen, weil ihr alter Wagen ausgedient hat oder der Leasingvertrag ausläuft, tut sich ein Schlaraffenland auf: Zu den seit Jahren satten Nachlässen von deutlich mehr als 20 Prozent auf die Lis­ten­preise (Rekordwerte bei manchen Marken und Modellen sogar um die 30 Prozent für Lager­fahrzeuge mit wenigen oder so­­gar null Kilometern) kommen bei einigen Firmen jetzt noch „Corona-Rabatte“ dazu, sie firmieren unter den verschiedensten Titeln und sind meist im Internet zu finden.

Ein paar Beispiele: Bei Audi und Skoda gibt es bis 30. Juni einen Online-Rabatt von 1000 Euro auf ohnehin bereits stark reduzierte Lagerfahrzeuge. Man bestellt also sein Wunschauto zu Hause, geht danach zum Händler und erhält den Tausender „on top“. Mercedes gewährt 5000 Euro Nachlass auf die bestellte Sonderausstattung, Ford schenkt bei Leasing die ersten drei Raten her und stundet die nächsten drei, Hyundai gibt hohe Online-Boni und stellt das Wunschauto fix fertig angemeldet vor die Haustür.

Auch etliche individuell konfigurierbare Neuwagen, die erst gebaut werden, kann man mit Nachlässen von 30 Prozent oder mehr erstehen. Auf der On­line-Autoplattform autogott.at etwa fanden wir frei konfigurierbare Peugeot 308 bis 34,7 Prozent günstiger, ebenso jede ­Menge (228 Stück!) Skoda Superb Combi mit bis 30,7 Prozent Nach­lass auf den Listenpreis oder Tageszulassungen, etwa für den Opel Astra, mit bis zu 46 Prozent Rabatt. 

Rabatt-Kaiser: Tageszulassungen des Opel Astra betreffen meist Modelle vor dem aktuellen Facelift (siehe Bild), sind aber mit Nachlässen von bis zu 46 Prozent zu haben.

Hinsichtlich der Lieferfristen bei noch zu produzierenden Neuwagen gibt es ­freilich Unsicherheitsfaktoren, weil noch nicht ganz klar ist, wie schnell die Bänder der Hersteller wieder auf vollen Touren laufen werden.

Unser Tipp: Machen Sie sich im Internet auf die Suche, geben Sie Marke, Modell, Angebote ein (Neuwagen, Tageszulassungen, Vorführwagen oder junge Gebrauchte) – einige Schnäppchen-Beispiele haben wir für Sie in der Tabelle unten angeführt.

Verblüffend, dass zahlreiche Fahrzeuge, speziell Tageszulassun­gen oder junge Gebrauchte, bei Fi­­nanzierung (Leasing oder Kredit) durch Partner des Händlers oder Importeurs günstiger zu ­haben sind als bei Barzahlung, manchmal in der Größenordnung von 1000 Euro oder mehr – der umgekehrte Effekt zur bisherigen Praxis, wonach der Barzahler den besten Preis kriegt.

Aber Achtung – die Medaille kann eine Kehrseite haben! Lassen Sie sich das Fahrzeug-Leasing daher auch von einer unabhängigen Bank bzw. einem Leasing-Unternehmen Ihres Vertrauens
(z. B. Erste Bank, Raiffeisen, Bank Austria, Bawag etc.) auf Basis der Gesamtbelastung – bestehend aus Anzahlung, Gebühren, allen Raten und dem Restwert – anbieten. Vielleicht erleben Sie eine Überraschung und Sie zahlen in Summe bei Ihrer Hausbank weniger.

Stromer-Wermutstropfen: Elektroautos, egal ob neu oder tageszugelassen, sind nicht nur beim Listenpreis teurer, auch die Prozent-Nachlässe sind vergleichs­weise mickrig. Den neuen Opel Corsa-e gibt es ab 27.929 Euro (6,9 Prozent unter Liste), den Peugeot e-208 ab 27.434 Euro (minus 14 Prozent). Nur der Renault ZOE sticht mit einem Rabatt von 22,9 Prozent für einen frei konfigurierbaren Neuwagen positiv heraus. 

Grund für die relative Zurückhaltung: Einerseits gibt es bei Elektroautos eine Förderung von 3000 Euro, zu gleichen Teilen getragen von Fiskus und Importeur, andererseits sind die Händler- und Importeurs-Spannen hier extrem gering, auch die Hersteller verdienen an Stromern (noch) nichts.

Ein bis zwei Jahre alte Jungwagen mit unterschiedlichsten Kilometerleistungen (5000 bis 50.000), vornehmlich Premium-Fahrzeuge der Marken Audi, BMW, Jaguar, Mercedes und Volvo, werden von einigen großen Gebrauchtwagenhändlern mit Nachlässen von über 50 Prozent angeboten. Beispiel: ­Jaguar XE 20d AWD, Baujahr November 2018, 5500 Kilometer, um 34.990 Euro. Großer Diesel statt kleiner Stromer? Alles eine Frage der Weltsicht. Und der Geldbörse.

Dieser Artikel erschien in der ALLES AUTO-Printausgabe 05/2020

Fotos: Niek Verlaan/Pixabay (1), Robert May (1)

 

2 Kommentare

  1. Das ist doch der gleiche Schmäh wie in den meisten anderen Branchen: xx % auf den Listenpreis. Klingt super. Aber wenn man sich ansieht, wie sich die Listenpreise in den letzten 5, 6 Jahren entwickelt haben… Einen Kompakt-Kombi mit 115-120 Diesel-PS gabs damals noch um ca. 23-25 k€ (Listenpreis) – heute kaum noch unter 30 k€. Klar, ein neuer Octavia zum Beispiel ist nochmals größer und bietet viel mehr Technik als der Vorgänger. Aber wenn ich den Schnickschnack nicht brauche? Und wie gesagt, auch wenn die Rabatte aktuell sensationell hoch scheinen – die Autos kosten immer noch mehr als damals – Rabatte gabs ja damals auch.

    • Sehe das nicht so. Auf neu erschienene VW-Modelle gab es bis vor ein paar Jahren nur einstellige Rabatte, jetzt schmeißen sie einen schon den neuen Golf 8 nach. Außerdem bieten die Autos heute wirklich viel mehr. Assistenzzeug, LED-Licht und Klimaautomatik ist jetzt fast überall dabei und Navigation auch immer öfter.
      Meine Wohnung wird immer älter und häßlicher, trotzdem steigt die Miete dauernd. Die Listenpreise der Autos werden zwar auch teurer, aber nie so sehr wie die Miete und sie bieten wenigstens auch immer mehr. Und daß die Rabatte hoch wie nie sind, ist kein Schmäh, sondern Tatsache. Entstanden aus wirtschaftlicher Not der Händler. Das weiß man doch, daß die an neuen Autos fast nichts mehr verdienen. Drum sperren auch immer mehr von denen zu.

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