† Georg Fischer (1949–2016)

23. November 2016
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Aktuelles

Georg war ein Mann der ersten Stunde bei ALLES AUTO. Als Fahrtechnik-Instruktor, dreifacher Rallye-Staatsmeister und unter anderem Fünfter bei einem WM-Lauf fungierte er anfangs als Spezialist für heiße Sportwagen, auf dessen Eindrücke wir gerne zurückgriffen. Später machte er daraus zur Freude der Redaktion seinen Hauptberuf: Von März 2003 an war Georg unser Testchef. Und das bis zu seiner Krebs-Diagnose Anfang 2014. Analytisch, wie er war, nahm er den Kampf auf, die schwierigste Sonderprüfung seines Lebens. Mit eisernem Willen, so wie auf den staubigen Rallyepisten Griechenlands, fightete er sich zurück ins Leben und war nach einem guten Jahr wieder fast der alte. Sein Comeback bei uns im März 2015 ging Georg ruhig an – „Aber fahren kann er noch wie früher“, wusste Fotograf Robert May zu berichten, als er mit den Bildern aus Pachfurth zurückkam, wo Fischer den ersten „Großen Test“ nach vierzehn Monaten Pause mit gewohnter Souveränität durchgeführt hatte.

Eine große Story pro Heft, dazu der eine oder andere Test bzw. internationale Fahrtermin – zuletzt war Georg für uns in der Oktober-Ausgabe im Einsatz: beim großen Vergleichstest und mit Hans-Karl Lange im Lexus von Namensvetter Heinz Fischer. Kurz danach gab es von den Ärzten eine ernüchternde Diagnose: Der Krebs war zurück. Mit grausamer Geschwindigkeit nahm die heimtückische Krankheit Evi den Mann und Stefanie den Vater. Die Lücke bei ALLES AUTO ist groß, doch sein Erbe bleibt: Der Aufbau unseres „Großen Tests“ ist ebenso das Werk des Diplomingenieurs Fischer wie das Bewertungssystem der Vergleiche und Dauertests. Trotz seiner hohen technischen, fahrerischen und analytischen Fähigkeiten waren seine Texte absolut lesenswert und nahezu fehlerfrei – kurz: eine Wohltat für den redigierenden Chefredakteur. Auch in der Branche galt Georg Fischer als kompetente, geradlinige und korrekte Instanz, stets freundlich in der Sache, aber klar und konsequent in der Kritik. Georg war ein Standbein unserer Reputation.

Doch nicht nur knallharte Fahrzeug-Bewertungen waren Georgs Sache, immer wieder konnten wir ihn für Exklusiv-Geschichten begeistern, etwa als er zwei seiner ehemaligen Rallye-Dienstwagen traf, den Audi 200 quattro von 1989 oder den VW Salzburg-Käfer aus 1973. Zu Einsätzen auf der Rennstrecke, wenn es galt, exklusive Boliden zu bewegen, mussten wir ihn natürlich nie lange überreden – das letzte Mal vor genau einem Jahr zum Treffen mit dem KTM X-Bow GT4 in Rijeka. Zuletzt musste Georg freilich einen Gang zurückschalten. Wir waren ihm nie böse, auch wenn wir ihn gerne mehr beschäftigt hätten. Doch er war bei jeder monatlichen Redaktionskonferenz dabei, diskutierte mit uns, welches Auto wir in einen Vergleich schicken oder in den großen Test. Seiner Freude am Fliegen sowie gutem Essen und Trinken konnte Georg zuletzt kaum mehr frönen, doch er hatte seine Familie stets um sich. Sie hat in Wahrheit den größten Verlust erlitten.

2 Kommentare

  1. Wahnsinn!

  2. Da ich Georg auch kennenlernen durfte – als ruhigen aber smarten, intelligenten und humorvollen Menschen – trifft mich diese Nachricht auch. Mein Beileid an die Familie – und die Alles-Auto-Familie.

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