Chapeau: PSA gibt ab 2016 im Straßenverkehr ermittelte Verbrauchswerte an!

25. November 2015
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Aktuelles

Kaum jemand, der sich einmal mit dem Kauf eines Autos beschäftigt hat, glaubt ernsthaft an die Verbrauchsangaben der Hersteller-Prospekte. Wie schlimm es um das Getrickse aber tatsächlich bestellt ist, führt uns schon eine ganze Weile der Abgas-Skandal des VW-Konzerns vor Augen. Während der VW-Konzern allerdings in letzter Zeit stets nur darum bemüht war, vergangene Fehler auszubügeln, ergreift ein anderer Konzern die Chance PR-wirksam an die Zukunft zu denken.

PSA, also die Dachmarke von Peugeot, DS und Citroën, will schon ab 2016 neben den Labor-Werten auch Verbrauchs-Werte für ihre Fahrzeuge angeben, die im realen Straßenverkehr ermittelt wurden. Dazu werde man die Autos in und um Paris testen, heißt es aus Frankreich, wobei man sich für die Messungen mit der Organisation „Transport & Environment“ zusammentun will. 2017 sollen dann auch so ermittelte Messwerte für Abgase (CO² und Stickoxide – also NOx) hinzukommen.

Ein kühner und bemerkenswerter Schritt. Eigentlich sollte etwas Ähnliches nämlich mit den kommenden WLTP-Verbrauchszyklen (Worlwide Harmonized Light Duty Test Procedure) reglementiert umgesetzt werden, der den aktuellen NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) ersetzen soll. Oft hatte man dabei aber den Eindruck, dass die Autohersteller es keineswegs eilig damit haben, dass hier etwas finalisiert wird. Dass Peugeot, Citroën und DS nun auf eigene Faust ihre Verbrauchskarten so offen auf den Tisch legen wollen, ist in der Tat bemerkenswert und ein echtes Novum in der Branche. Mutig ist das Ganze aber freilich auch. Immerhin könnte dieser PR-Stunt sobald die Werte einmal veröffentlicht wurden, auch ganz schön nach hinten losgehen …

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3 Kommentare

  1. Naja, liest sich ja „vorbildlich“, dieser Schritt. Allerdings würde man auch erwarten, dass exakte Angaben des Streckenprofils – und der jeweils herrschenden Verkehrssituation (etwa mit Aufzwichnung der Fahrgeschwindigkeiten während der Messfahrt) mitgeliefert werden, ansonsten ist die Aussagekraft dieser Werte genauso groß wie die aktuellen Normwerte realistisch sind.
    lg
    Rolex

  2. Gerade in den Unregelmäßigkeiten und Unberechenbarkeiten liegt doch der Unterschied zwischen Praxis- und Normverbrauch. Ich persönlich denke jedenfalls, dass selbst Tests, die bei unterschiedlichem und nicht näher definiertem Wetter, unterschiedlichem und nicht näher definiertem Verkehr und zu unterschiedlichen und nicht näher definierten Tageszeiten gemacht wurden, immer noch ein realistischeres Bild vermitteln als komplett realitätsfremde Labortests.

    Den Verbrauch wirklich für jeden Nutzer „vorhersagen“ kann man ja sowieso nicht … von wegen Fahrstil, Beladung, Routen, Gewohnheiten und so. 😉

  3. Fahrstil, Beladung (Aufbauten) und Gewohnheiten sind – vielen ist das nicht bewusst – sicher die größten Unterschieds-Faktoren. Für mich sind zum Beispiel eure Testverbräuche eine Aussage mit relativ hoher Zuverlässigkeit. Wetter, Reifen und Verkehrslage können aber freilich auch da Einfluss nehmen, Normrunde hin oder her.

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