Citroën OLI zu Besuch in Wien

1. Mai 2023
Keine Kommentare
1.346 Views
Aktuelles

Für Citroën steht die Bereitstellung erschwinglicher, individueller und zukunftsfähiger Mobilität im Mittelpunkt. Deswegen oli [all-ë]. Der Erfolg des Ami in den 60er und 70er-Jahren hat den Anstoß gegeben, das Unkonventionelle im Concept Car oli auf eine neue Ebene zu heben – ein auffälliges und innovatives „Labor auf Rädern“, das sich dem Branchentrend zu schwereren, komplexeren und teureren Elektroautos entgegenstellt.

Ein typisches Familienauto von Mitte der 70er Jahre hatte ein Gewicht von rund 800 kg, heutige Modelle wiegen teils mehr als 2.500 kg. Gesetzliche und sicherheitstechnische Anforderungen haben dazu beigetragen, aber wenn der Trend anhält und wir diese Fahrzeuge weiterhin 95% des Tages parken und 80% der Fahrten mit nur einem Insassen zurücklegen, wird der Konflikt zwischen der Notwendigkeit, unseren Planeten zu schützen, und dem Zukunftsversprechen einer nachhaltigen, elektrifizierten Mobilität nicht leicht zu lösen sein.

Zudem gibt es in der Elektromobilität einen Teufelskreis: Um mehr elektrische Reichweite zu erzielen, braucht man eine größere Batterie. Mehr Technologie erfordert mehr Leistung, was wiederum eine noch größere Batterie bedeutet. All das erhöht das Gewicht, die Komplexität und die Kosten, und je mehr ein Fahrzeug wiegt, desto weniger effizient ist es und desto mehr verkürzt sich wiederum seine Reichweite. Deshalb versucht es der 4,20 Meter lange, 1,90 Meter breite und 1,65 Meter hohe oli mit einem ganz anderen Ansatz: Er wirkt zwar wuchtig, vielleicht sogar martialisch, ist aber weder schwer noch sperrig – mit einem Fahrzeuggewicht von rund 1.000 kg ist er deutlich leichter als die meisten vergleichbaren Kompakt-SUV. Daher benötigt der vollelektrische Antriebsstrang nur eine 40-kWh-Batterie, um eine Reichweite von bis zu 400 km zu erreichen. Durch die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h zur Maximierung der Effizienz ist ein hervorragender Verbrauch von 10 kWh/100 km realistisch, und die Aufladung von 20% auf 80% dauert nur 23 Minuten.

Beim oli wurde die Ästhetik absichtlich übertrieben, um die Funktionalität und Vielseitigkeit zu verstärken. Wie der Ami zeigt er offen seinen einfachen und intuitiven Ansatz. Die flache Motorhaube, das Dach und die hintere Ladefläche, die für die einzigartige Silhouette des Fahrzeugs verantwortlich sind, wurden so entwickelt, dass sie ein geringes Gewicht, hohe Festigkeit und maximale Haltbarkeit gewährleisten. Sie bestehen aus recycelter Wellpappe, die zu einer wabenförmigen Struktur zwischen Glasfaser-Verstärkungsplatten geformt wurde, und wurden gemeinsam mit dem Partner BASF entwickelt. Sie sind mit Polyurethanharz beschichtet, das mit einer Schutzschicht aus zähem, strukturiertem Elastocoat überzogen ist (wird häufig für Parkdecks oder Laderampen verwendet), und mit innovativem, wasserbasiertem Lack lackiert. Die Platten sind sehr steif, leicht und tragfähig – so tragfähig, dass ein Erwachsener darauf stehen kann. Das Gewicht ist im Vergleich zu einer entsprechenden Stahldachkonstruktion um 50% reduziert.

 

Die Windschutzscheibe ist vertikal, weil sie so den kürzesten Abstand zwischen Ober- und Unterseite hat und die geringste Menge an Glas benötigt. Neben dem geringeren Gewicht und der geringeren Komplexität setzt die kleinere Scheibe die Insassen auch weniger der Sonneneinstrahlung aus. Es wird geschätzt, dass der Strombedarf der Klimaanlage des oli für die Batterien um bis zu 17% gesenkt werden kann. Weil diese Form der Windschutzscheibe naturgemäß aerodynamische Nachteile hat, wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h begrenzt. Die vorderen Türen sind auf beiden Seiten identisch, Gleiche gilt für die Mittelteile der vorderen und hinteren Stoßfänger.

Anstelle eines kompletten Armaturenbretts mit mehreren Bildschirmen und versteckten Computern verfügt der oli über einen einzigen symmetrischen Armaturenträger, der sich über die gesamte Breite des Fahrzeugs erstreckt. Auf einer Seite befindet sich die Lenksäule und das Lenkrad, auf der anderen Seite eine Smartphone-Dockingstation und in der Mitte fünf klar gekennzeichnete Kippschalter für die Klimaanlage. In diesem Bereich werden im oli nur 34 Teile verwendet, während in einem vergleichbaren kompakten Familienauto rund 75 Teile in Armaturenbrett und Mittelkonsole verbaut sind.

Im oli wird das gesamte Infotainment und die benötigte Kommunikation über das persönliche Smartphone des Kunden, das in der zentralen Steckdose am Träger angedockt ist, ins Fahrzeug gebracht. Sobald es eingesteckt ist, werden Telefoninformationen und Apps mit wichtigen Fahrzeugdaten wie Geschwindigkeit und Ladezustand zusammengeführt. Diese Informationen werden über ein „Smartband“-System angezeigt, das über die Breite der unteren Windschutzscheibe projiziert wird.

Die platzsparenden Frontsitze des oli benötigen um 80% weniger Teile als Sitze in einem vergleichbaren SUV – nur 8 statt bis zu 37 – und wiegen deutlich weniger. Die leuchtend orangefarbenen Vordersitze bestehen aus stabilen Rohrrahmen, auf denen ein bequemes Sitzkissen montiert ist. Die innovativen 3D-gedruckten Netz-Rückenlehnen haben eine integrierte Kopfstütze und sind von modernen Büromöbeln inspiriert. Sie sind schmal, aber hochgradig stützend, bequem und genau dort robust, wo erforderlich.

„Nicht jeder ist bereit zu akzeptieren, dass man bestimmte Dinge nicht braucht“, sagt Laurence Hansen, Direktorin Citroën Strategie und Produkt. „Wir werden nicht von heute auf morgen alles ändern, aber Citroën möchte eine Diskussion anstoßen, die Frage stellen, was genug ist. Gleichzeitig wollen wir zeigen, wie wir das Richtige tun und unsere Mission erfüllen können, verantwortungsvolle, erschwingliche und unbeschwerte Mobilität für alle zu bieten.“

Fotos: Christian Houdek