Das Diesel-Dilemma nimmt kein Ende

24. Mai 2017
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Aktuelles

Da staunten die Mitarbeiter von elf Mercedes-Niederlassungen nicht schlecht, als Ermittler mit einem Durchsuchungsbefehl in der Hand vor der Tür standen und nach Datenträgern und „beweiserheblichen“ Unterlagen Ausschau hielten. 23 Staatsanwälte und 230 Polizisten waren dafür im Einsatz. Das teilte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg am 23.Mai mit.

Der Autobauer hingegen weist jeden Vorwurf der Abgas-Manipulation zurück. Schon im März sagte ein Konzernsprecher, dass die Behörden keinen Verstoß gegen die geltenden Rechtsvorschriften bei ihren Messungen festgestellt haben. Darum kooperiere man bestmöglich mit den Behörden und steht in permanenten Kontakt.

Das Kraftfahrzeug Bundesamt hatte ja Abgas-Nachbesserungen von betroffenen Fahrzeugen der Marken Mercedes, VW und Opel genehmigt. Bei Mercedes handest es sich um den 1,5 Liter Dieselmotor der in der A-Klasse, dem GLA, CLA und der B-Klasse verbaut wird. Auch der 2,1 Liter der V-Klasse ist ein betroffenes Aggregat. Zur Umrüstung wurden bei Opel der 2,0 Liter des Insignia und bei VW die 2,0 Liter-Triebwerke des Amarok und Crafter zugelassen. Die Umrüstungen wurden im Zuge des „Diesel-Gate“ von Volkswagen genehmigt.

Warum ausgerechnet der Diesel so im Fokus ist, lässt sich leicht erklähren: Das Dieselabgas trägt mehr gesundheitsgefährdende Stickoxide in sich, als Benzinabgas. Diese Stickoxide kommen auch aus Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken und greifen die Schleimhäute des Menschen an. Das Dieselabgas fördet die Bildung von bodennahem Ozon, ist giftig für Blätter und versauert den Boden, wodurch auch Pflanzen zu leiden haben. Der EU-Grenzwert für Diesel-Abgase liegt bei 80 Milligramm pro Kilometer. Benziner dürfen 60 Milligramm ausstoßen.

Letzte Woche stand das Verhältnis von Diesel und Mercedes jedenfalls noch unter einem besserem Stern: Der Autobauer bekam an der TU Wien den Porsche-Preis für den innovativen Dieselmotor in der neuen E-Klasse, der wirkungsvoll die Stickstoff-Emissionen reduziert.

Auf die Mercedes-Aktie hatten die Razzien keine Auswirkungen.

1 Kommentare

  1. Ich meine diese Hausdurchsuchungen sind nichts anderes als Theaterdonner. Was soll das bringen, zwei Jahre nach Auffliegen der Dieselmanipulationen? Das niederländische Institut TNO hat vor einem Jahr einen C 220 cdi und einen 18 Tonnen LKW Mercedes Actros im realen Fahrbetrieb gemessen. Dabei hat der PKW mehr NOx ausgestoßen als der LKW. Bei den letzten Tests haben Mercedes-Diesel aber immer sehr gut abgeschnitten.
    Übrigens haben die US Behörden gestern beschlossen, FIAT-Chrysler zu verklagen und Italien hat ein EU-Verfahren am Hals weil das Land zu wenig gegen die behaupteten Manipulationen von FIAT unternommen hat. Das haben die Deutschen besser gemacht. Mutti und Dobrint haben zumindest so getan als wäre ihnen die Umwelt wichtiger als die Autoindustrie.

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