Fiat Croma 1,9 JTD 16V Emotion

22. August 2005
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Fiat
Klasse:Kombi
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:150 PS
Testverbrauch:6,9 l/100km
Modelljahr:2005
Grundpreis:27.040 Euro

Der neue Fiat Croma präsentiert sich als auffallend unauffälliger Mix aus Limousine, Kombi und Van. Wir testeten den stärkeren Vierzylinder-Diesel in Topausstattung

Eines ist sicher: Man fällt mit dem neuen Fiat Croma im Straßenverkehr nicht auf. Und das, obwohl es sich um Fiats erstes Mittelklasse-Modell seit fast einem Jahrzehnt Pause – der erste Croma wurde von 1985 bis 1996 gebaut – handelt.
Dabei fällt die Einordnung des Croma in eine Kategorie gar nicht so leicht. Comfort Wagon“ nennen die Italiener das Konzept und folgen damit dem Trend des so genannten Crossover, der mehrere Fahrzeug-Klassen umspannt.
Mit seiner rund gezeichneten Silhouette ist der Croma eigentlich eine Fünftür-Limousine, der Laderaum mit bis zu 2,70 Meter Länge und einem maximalen Fassungsvermögen von mehr als 1600 Liter machen ihn jedoch zum geräumigen Mittelklasse-Kombi. Die Fahrzeug-Höhe von fast 1,60 Meter, der bequeme Einstieg über die tief liegenden Türschweller sowie die ziemlich aufrechte Sitzposition wiederum entsprechen eher einem Van.
So wie Fiat mit dem Konzept des neuen Croma möglichst vielen Ansprüchen gerecht werden möchte, so ließ man auch von Altmeister Giorgio Giugiaro dessen äußere Form als weitest gehenden Kompromiss zeichnen. Mit dem Ergebnis, dass das unverbindliche Äußere des Croma wohl niemand hässlich finden kann – von der optischen Klasse früherer Fiat-Modelle blieb allerdings wenig übrig.
Anders geht es da schon unter der Blechhaut zu. Der Innenraum versprüht zeitlose Eleganz, das optionale Panorama-Glasdach verleiht ihm eine luftige Note. Die – ebenfalls aufpreispflichtige – Lederpolsterung unseres Testwagens wirkt relativ nobel, auch die verwendeten Kunststoffe schauen ganz gut aus und greifen sich angenehm an.
Der getestete 150-PS-Vierventiler bildet die Mitte des Diesel-Programms und ist ein guter, wenn auch nicht alter Bekannter. Sowohl die konzerneigene Marke Alfa als auch die ehemaligen Partner aus dem GM-Konzern Opel und Saab bedienen sich dieses Aggregats.
Ein weiteres Beispiel für die inneren Werte des Croma ist sein ESP. Neben der üblichen Stabilisierung mittels selektiver Bremseingriffe hält es eine Hill-Holder-Funktion bereit, die den Fahrer beim Anfahren an Steigungen unterstützt. Dabei wird der Druck der vorderen Bremszangen nach dem Lösen des Bremspedals noch eineinhalb Sekunden aufrechterhalten. Das gilt bergauf sowohl im ersten als auch im Rückwärtsgang.
Auf der Suche nach Kritikpunkten stolpert man am ehesten über einige nicht ganz optimale Lösungen rund ums Thema Bedien-Freundlichkeit. So liegen die beiden eigenartig gekröpften Lenkstockhebel für Licht und Wischer zu hoch und außerdem weit weg vom Lenkrad. Die Radio-Fernbedien-Tasten hingegen sitzen zu weit unten am Volant. Und der Platz für den Schlüssel tief unten in der Mittelkonsole mag durch den Knieairbag nötig geworden sein – praktisch ist er jedenfalls nicht.
Zu einem echten Highlight in Sachen innere Werte zählen die Tarife des Croma. Und so steht der große Italiener im Vergleich mit eingesessenen Mittelklasse-Kombis wie Ford Mondeo, Citroën C5, Honda Accord oder Opel Vectra auf jeden Fall preislich attraktiv da.

TECHNIK
R4, 16V, Turbo, 1910 ccm, 110 kW (150 PS) bei 4000/min, max. Drehmoment 320 Nm bei 2000/min, Sechsgang-Getriebe, Vorderradantrieb, vorne: Dreiecksquerlenker, Federbeine, Stabilisator, hinten: Mehrlenkerachse, Schraubenfedern, Teledämpfer, Stabilisator, Scheibenbremsen v/h (bel.), ABS, L/ B/H 4756/1775/1597 mm, Radstand 2700 mm, 5 Sitze, Wendekreis 10,9 m, Servo, Reifendimension 215/50 R 17, Tankinhalt 62 l, Reichweite (bis Tankreserve) 810 km, Kofferraumvolumen 500-1610 l, Leergewicht 1530 kg, zul. Gesamtgew. 2050 kg, max. Anh.-Last 1500 kg, 0-100 km/h 9,6 sec, 60-100 km/h (im 4./5. Gang) 8,7/15,9 sec, Spitze 210 km/h, Steuer (jährl.) EUR 567,60, Normverbrauch (Stadt/ außerorts/Mix) 8,2/4,9/6,1 l, Testverbrauch 6,9 l Diesel
Preis: EUR 27.040,-

Serienausstattung: adaptive Front-, vordere Seiten- und durchgehende Kopfairbags, Fahrer-Knieairbag, ABS, Bremsassistent, ESP, fünf Dreipunktgurte und Kopfstützen, Isofix, Klimaautomatik, vier E-Fensterheber, FB-Zentralsperre, CD-Radio, beheizbare E-Außenspiegel, Multifunktions-Lederlenkrad, Bordcomputer, Tempomat, Einparkhilfe hinten, Nebelscheinwerfer, Dachreling, Fondlehne 2:1 umklappbar, verstellbarer Ladeboden etc.
Extras: Seitenairbags hinten, Navigationssystem, Lederpolsterung, E-Vordersitze mit Memory, Sitzheizung vorne, Außenspiegel el. anklappbar, Xenon-Licht, Panorama-Glas-Schiebedach, Metallic-Lack etc.

FAHREN & FÜHLEN
Der gut gedämmte 1,9-Liter-Vierventil-Diesel zeigt erst ab 2000 Touren Temperament, liefert dann aber gute Fahrleistungen. Schaltung exakt, doch etwas hakelig und weit geführt. Optimal platzierter Schalthebel, die sehr lange Getriebe-Übersetzung senkt Autobahn-Geräusch und Verbrauch. Lenkung schwergängig, nicht besonders zielgenau, wenn auch nicht indirekt. Federung weich und komfortabel, jedoch Schaukel- und auf kurzen Wellen auch Stucker-Neigung. Leichtes Untersteuern im Kurven-Grenzbereich, die ausgeprägte Lastwechselreaktion hält das abrupt einsetzende ESP sicher im Zaum. Bremsen standfest und gut dosierbar. Ausreichend dimensionierte, komfortable Sitze mit guter Schenkelauflage, aber wenig Seitenhalt. Teilweise ungewöhnliche, doch simple und effektive Verstellung.

PLATZ & NUTZ
Reichlich Platz für fünf Erwachsene, nur die mächtige Mittelkonsole schränkt den vorderen Beinraum seitlich etwas ein. Großer Kofferraum mit verstellbarem, doppeltem Ladeboden und 2:1 vorklappbaren Fondlehnen. Verzurrösen und Dachreling serienmäßig, Gepäcknetz gegen Mehrpreis. Ausreichend Ablagen vorne wie hinten. Klar gegliederte, gut ablesbare Instrumente, doch zu hoch liegende Lenkstockhebel sowie schlecht positionierte Lenkrad-Fernbedientasten. Angenehm: vorklappbare und einrastende Beifahrer-Sitzlehne, Licht erlischt beim Abdrehen der Zündung, kühlbares Fach in der vorderen Mittelarmlehne, Berganfahr-Hilfe. Störend: manchmal unmotiviert heftig blasende Klimaautomatik, etwas geringer Lenkrad-Längsverstellbereich.

Wohnlich-gefälliges Ambiente im Croma-Innenraum – Leder und Navigation kosten jedoch Aufpreis

DRAN & DRIN
Die gut bestückte Topversion „Emotion“ hält unter anderem Klimaautomatik, CD-Radio mit Lenkrad-Fernbedienung, Bordcomputer, Tempomat und Einparkhilfe bereit. Navigation, Lederpolsterung, Xenon-Licht u.s.w. gibt es gegen Aufpreis (Details siehe Liste Seite 53). Verarbeitung klapperfrei, doch manche unsaubere Verklebungen sowie scharfe Kunststoff-Kanten an unsichtbaren Stellen. Aufpreis-Lederpolsterung nobel, Stoffe strapazfähig, (reichlich verwendeter) Kunststoff weich und recht hochwertig. Design außen unauffällig, innen ansprechend elegant.

SICHER & GRÜN
Nur die aufpreispflichtigen hinteren Seitenairbags fehlen zur vollständigen serienmäßigen Kissen-Bestückung, ein Fahrer-Knieairbag ist mit an Bord. Fünf Dreipunktgurte und Kopfstützen (reichen vorne bis 1,90, hinten allerdings nur bis 1,65 Meter Körpergröße), Isofix sowie ABS, Bremsassistent und ESP sind ebenfalls Serie. Umwelt-Check bestanden, inklusive Euro-IV-tauglichem Dieselmotor mit Serien-Partikelfilter und (in Anbetracht des Wagengewichts) günstigem Verbrauch.

PREIS & WERT
Einzig die schwächeren Mazda6 Sport Combi und Peugeot 407 SW sowie der gleich motorisierte Opel Vectra Caravan bewegen sich in derselben Preisregion. Citroën C5 Break, Honda Accord Tourer, Ford Mondeo Traveller und Audi A4 Avant liegen deutlich darüber. Zwei Jahre Fahrzeug-Garantie inklusive Mobilitäts-Schutz, gegen Aufzahlung auf bis zu fünf Jahre erweiterbar, zwölf Jahre Antidurchrost-Versprechen. Service alle 20.000 Kilometer, dichtes Werkstatt-Netz. Werthaltung schwer einschätzbar, als Vierzylinder-Diesel aber sicher vernünftig.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL :
Komfortable, sparsame und geräumige Mittelklasse-Limousine zum günstigen Preis.


Fotos: Len Vincent

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 6/2005

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