Höllenmaschine: Mopar 1967 Plymouth II Hellvedere

6. September 2019
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Aktuelles

Der Plymouth Belvedere II aus dem Jahr 1967 ist schon ein ziemlich cooles Auto. Ein Manifest aus der Hochzeit der legendären Muscle Cars. Achtzylinder Power und mehr als 400 PS – mit so einem Gerät war man damals der „King of the Road“. Beim Einsteigen in den Mopar Belvedere fühlen wir uns sofort in diese grandiose Zeit zurückversetzt. Der Schlüssel, schlicht ohne großen Smart-Device-Tamtam, ein klassisches Radio, bei dem man noch die Sender erdrehen muss, analoge Rundinstrumente und ein storchenbeiniger Ganghebel. Doch als uns der Hosenträgergurt in den Sitz presst, kommt uns der kleine Drehzahlmesser auf dem Armaturenbrett doch so langsam spanisch vor. Zumal da auch „Mopar“ in Mitte der Skala steht. „Mopar“ ist die Aufmotz-Division bei Chrysler, Jeep und Dodge. Uns schwant Böses.

Der Name des Gefährts, ein Wortspiel (aus „Belvedere“ wurde kurzerhand Hellvedere), ist nicht dazu geeignet, die Nerven zu beruhigen. Das amerikanische Buchstabenwürfeln geschieht nicht ohne Grund. Unter der mächtigen grünlich schimmernden Motorhaube wartet ein 707 PS „Hellcat“-Ungetüm, um auf die Umwelt losgelassen zu werden. Kaum dreht man den Schlüssel, schreit das Monster so laut auf, dass sogar die Mörder-Motorsound gewöhnten Amerikaner zusammenzucken. Mütter bringen die Kinder weg, Männer halten sich einfach die Ohren zu.

 

Wir legen den ersten Gang ein. Geht ganz locker, wie von selbst. Wenn wir geahnt hätten, das Anlass-Getöse nur die Ouvertüre zu dem Akustik-Inferno war, das nur wenig später, wie ein Verbrennungs-Tsunami über uns hereinbrechen sollte, hätten wir Ohrenstöpsel eingepackt. Kaum kommt der Hellvedere auf Touren, macht er seinen Namen akustisch alle Ehre: Der kompressoraufgeladene 6.2 Liter Hemi V8 kreischt so markerschütternd auf, dass die Autos vor uns verschreckt die Spur wechseln wollen und anfangen zu schlingern. An diesem Klang ist die zweiflutige Mopar-Auspuffanlage mit den verlängerten Rohren sicher nicht ganz unschuldig.

Eine Unterhaltung ist sowieso nicht möglich, nur Anschreien. Aber auch das lassen wir bald sein. Denn der Mopar 1967 Plymouth II Hellvedere ist kein Papiertiger: Die Hinterachse ist mit einer Übersetzung von 3.73 und einem Dana 60 Sperrdifferenzial durchaus in der Lage, die Kraft des maximalen Drehmoments von brutalen 881 Newtonmetern auf den Asphalt zu bringen. Allerdings gibt es da nur ein Problem: Die Servolenkung ist nicht zwingend ein Muster an Direktheit und Präzision, auch das riesige Lenkrad mit seinem dünnen Kranz verursacht eher Schwielen an den Händen, als Vertrauen. Dafür beißen die Bremsen kraftvoll zu. Wir genießen die unbändige Kraft des Hellvedere und lassen die Höllenmaschine bei knackigen Zwischenspurts martialisch aufheulen. Der Klang macht einfach süchtig, dazu kommt noch die unbändige Beschleunigung. Gut, dass das Tremec Magnum-Sechsganggetriebe trotz des archaischen Aussehens sich präzise führen lässt, so macht das Runterschalten, inklusive Zwischengas und erstarrender Passanten, doppelt so viel Spaß.

 

Der Clou hinter dem Über-Belvedere ist der Hellcat-Motor, der in diesem Fall „Hellcrate“ heißt. Denn dieses Aggregat ist eine Nachrüstlösung, sozusagen Plug ‚n‘ Play für moderne und klassische Muscle Cars. Der Preis: rund 20.000 Dollar. Um das Triebwerk an die neue Umgebung anzupassen, gibt es gegen Aufpreis noch ein Steuergerät, verschiedene Sensoren (unter anderem für Sauerstoff und Temperatur), den passenden Kabelbaum, das Kontrollmodul für die Benzinpumpe und ein Gaspedal. Genau so ein Einbau-Set haben die Mopar-Tuningspezialisten für den Umbau des Plymouth Belvedere II verwendet. Für die Kühlung sorgt ein Modul des „Hellcat“-Motors, uns wurde trotzdem ganz schön warm.

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