Kaufberatung zum VW Polo (2009-2017)

22. November 2017
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Aktuelles

Kleinwagen – was bedeutet das heutzutage eigentlich? Der letzte Polo war ein schönes Beispiel dafür, in welchen Dimensionen wir uns mittlerweile bewegen. Die fünfte Generation des Wolfsburger Vertreters dieser Klasse wuchs auf die Maße des alten Golf II an, also knapp vier Meter lang und gut 1,7 Meter breit. Und mehr noch – in der Höhe überragt der Kleine den alten Kompakten gar um vier Zentimeter. Der Typ 6R ging definitiv als vollwertiges Automobil durch.

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Schaut fast aus wie ein Golf – und ist auch fast so groß wie einer. Der Polo 6R setzte Maßstäbe bei Fahrkomfort und Wertigkeit. Die Fondpassagiere bekamen davon aber nicht viel mit.

Schaut fast aus wie ein Golf – und ist auch fast so groß wie einer. Der Polo 6R setzte Maßstäbe bei Fahrkomfort und Wertigkeit. Die Fondpassagiere bekamen davon aber nicht viel mit.

 

Das Größenwachstum schaffte nicht nur Platz für eine neue Modellreihe darunter, den up!, es erlaubte dem 1975 eingeführten Polo auch, ein wenig mehr in Richtung Premium zu gehen. Das bemerkte man vor allem am Innenraum: Im Vergleich zum Vorgänger waren die Materialien deutlich schöner und fühlten sich feiner an. Und weil ein VW nun mal ein VW ist, passt die Ergonomie vom ersten bis zum letzten Hebelchen.

Gleiches gilt für die Sitzposition, die dank längs- und höhenverstellbarem Lenkrad (damals in diesem Segment noch keine Selbstverständlichkeit) sogar für groß Gewachsene auch auf langen Strecken komfortabel ausfällt. Zumindest, wenn nicht die Standardsitze verbaut sind, die viel zu flach und viel zu straff gepolstert sind.

Nichts zu meckern gibt es beim Platzangebot in der ersten Reihe, sehr wohl aber bei jenem des Fonds. Dort haben es Mitfahrer nach wie vor ziemlich eng, und auch der Kofferraum ist mit gerade einmal 280 Litern nicht besonders groß.

Ergonomie und Verarbeitung ließen beim Polo keine Wünsche offen. Sitzposition tadellos, die Standardsitze zu straff gepolstert. Navi­gation war optional erhältlich.

Ergonomie und Verarbeitung ließen beim Polo keine Wünsche offen. Sitzposition tadellos, die Standardsitze zu straff gepolstert. Navi­gation war optional erhältlich.

 

Umso größer dafür die Aufrüstung bei der Ausstattung: Ab dem Facelift 2014 gab es sogar diverse Assistenzsysteme, zum Beispiel den City-Notbrems­as­sis­­tenten und sogar einen Ab­­standsregel-Tempomaten. Auch ein adaptives Fahrwerk konnte optional geordert werden, wobei bereits das normale Setup keinen Grund zur Beschwerde lieferte. Die unnötige Härte des Vor­gängers war zum Glück Vergangenheit, alles dämpfte und federte nun wieder im alltagstauglichen Bereich.

Enorm war auch die Bandbreite an Motoren, die es im Laufe der acht Jahre Bauzeit ge-geben hat. Vom asthmatischen 60 PS-Saugbenziner bis zum li­mitierten Homologations-Mo­dell mit 220 PS tummelten sich insgesamt dreizehn Benziner und sieben Diesel in den Preislisten, wobei Letztere immer 75, 90 und 105 PS hatten, und je nach aktueller Abgasnorm und Baujahr zwischen 1,2 und 1,6 Liter Hubraum variierten.

Ergonomie und Verarbeitung ließen beim Polo keine Wünsche offen. Sitzposition tadellos, die Standardsitze zu straff gepolstert. Navi­gation war optional erhältlich.

Ergonomie und Verarbeitung ließen beim Polo keine Wünsche offen. Sitzposition tadellos, die Standardsitze zu straff gepolstert. Navi­gation war optional erhältlich.

 

Besonders interessant sind die Benziner mit 1,2 Litern Hubraum und Turboaufladung, die solide 90 Pferde abliefern, was für einen kleinen Wagen ab­­so­­­lut ausreicht. Wenn, ja wenn es da nicht das ewige Problem mit den Steuerketten geben würde. Bei den Baujahren bis 2012 konnten sich einzelne Glieder längen und die Kette zum Überspringen oder – noch schlimmer – zum Reißen bringen, was einen kapitalen Motorschaden nach sich ziehen kann.

Und um das Thema GTI ab­zu­handeln: Die ersten Modelle mit 180 PS bis 2014 verfügten über den per Turbo und Kompressor doppelt aufgeladenen 1400er-Vierzylinder, der immer etwas angestrengt wirkte und mit dem Sprit nicht gerade züchtig um­­ging. Der facegeliftete GTI ab 2014 bekam den 1800er-Turbo aus dem Audi A3 verpasst, und dessen 192 PS verhalfen dem Giftzwerg endlich zum nötigen Punch, den dieses legendäre Kürzel einfach verlangt.

Spar-Versionen wie der 1,2 TDI BlueMotion sollten dank spezieller Reifen und verfeinerter Aero­dy­­namik beim Spritsparen helfen. Die Erfahrung zeigt: Die Un­terschiede rechtfertigten den Auf­preis nicht.

Spar-Versionen wie der 1,2 TDI BlueMotion sollten dank spezieller Reifen und verfeinerter Aero­dy­­namik beim Spritsparen helfen. Die Erfahrung zeigt: Die Un­terschiede rechtfertigten den Auf­preis nicht.

ModelleTechnik

modellepreise

220 PS-Hammer. Der limitierte Polo R WRC kam mit dem Zweiliter-Turbo aus dem Golf GTI daher – als Rallye-Homologa­tionsmodell hat er definitiv das Po­­tenzial zum Klassiker.

220 PS-Hammer. Der limitierte Polo R WRC kam mit dem Zweiliter-Turbo aus dem Golf GTI daher – als Rallye-Homologa­tionsmodell hat er definitiv das Po­­tenzial zum Klassiker.

Reparatur & Wartung / ERSATZTEILE ohne Einbau

Stoßfänger vorne

€ 309,60
(ohne Lackierung)

Kotflügel vorne

€ 180,60
(ohne Lackierung)

Scheinwerfer

€ 211,80
(inkl. Lampen)

Heckleuchte

€ 109,68
(inkl. Lampen)

Frontscheibe

€ 255,60

Bremsscheiben

€ 128,40
vorne (2 Stk.)

Stoßdämpfer

€ 137,40
vorne (1 Stk.)

Auspuff-Endtopf

€ 254,40

Batterie

€ 103,08

Getriebe (Tauschteil)

€ 3078,00

Wasserpumpe

€ 57,42

Lichtmaschine

€ 330,00

Anlasser

€ 331,20

Wartung

alle 30.000 km

Stundenverrechnungssatz

Für den Ersatzteile-Einbau ist dieser von Händler zu Händler unterschiedlich, der Österreich-Durchschnitt liegt bei ca. € 82,31 exkl. MwSt.

Mängel & Schwächen

  • Motor: Steuerkette kann sich längen und reißen (TSI)
  • Elektronik: Ausfälle aufgrund defekten Kabelbaums
  • Getriebe: ruckelnde DSG-Schaltboxen

Rückruf-Aktionen

  • Kraftstoffsystem: Treibstoffverlust durch Riss im Filterdeckel (nur 1,2 TDI 2012 bis 2014).
  • Ladedrucksystem: Leistungsverlust durch fehlerhaften Ladedrucksteller (nur 1,2 TSI 2010 bis 2012)
  • Heizung: reduzierte Leistung aufgrund falschen Kühlmittels (nur 2011)
  • Airbags: fehlerhafter Sensor im Steuergerät (Feb. 2014 bis Sept. 2014)
  • Airbags: fehlerhaftes Fahrerairbag-Modul (nur Juni 2015)
  • Kindersicherung: möglicherweise defekt (Nov. 2015 bis April 2016)
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