Neue schon gefahren: BMW 7er

29. Oktober 2015
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Aktuelles

Auf dem Touchscreen bestätigen, den Knopf gedrückt halten, schon löst sich wie von Zauberhand die Feststellbremse, der Retourgang wird eingelegt und der neue 7er parkt aus der engen Parklücke aus – ganz von alleine. Dass der Fahrer daneben steht und zusieht, wie sein 100.000 Euro-BMW selbstständig fährt, wenn auch nur ein paar Meter in Schrittgeschwindigkeit, oder dass allein der Schlüssel so viele Funktionen bietet, dass er neben besagtem Knopf eben auch einen Touchscreen benötigt, zeigt unmissverständlich, worum es den Münchnern bei ihrem neuen Flaggschiff geht: Technologieführerschaft in allen Bereichen. Hier geht es nicht nur um die Neuauflage einer Baureihe. Es geht um die Königsklasse des Automobilbaus. Und je besser das Topmodell, desto heller leuchten in dessen Strahlkraft auch die leistbareren Modelle.

Dass Innovationen zuerst hier ihren Einstand feiern, ist zwar nichts neues. Die Fülle an diesen Dingen ist es aber, die die sechste Siebener-Generation so hervorstechen lässt. So besteht die Karosserie aus vier Materialien: Stahl wird kombiniert mit Alu, Magnesium und Kohlefaser-Verbundwerkstoff, bekannt von den i-Modellen. Das erhöht nicht nur die Steifigkeit, sondern spart bis zu 130 Kilogramm Gewicht, was den BMW zum Leichtesten im Segment macht.

Leicht hat es auch der Fahrer, denn ihm stehen gleich vier Bedienvarianten zur Auswahl. Über Tasten am Lenkrad und Armaturenbrett, dem iDrive-System, dem zentralen Display, das nun auch als Touchscreen ausgeführt ist, oder aber – ebenso eine Premiere im Autozirkus – über Gestensteuerung. Fünf Funktionen, Lauter, Leiser, Senderwechsel, Telefonat annehmen oder beenden, lassen sich mit der rechten Hand gestikulieren. Ein Sensor im Armaturenbrett erkennts und verwurstet die Fuchteleien des Fahrers absolut souverän in die richtigen Befehle um. Wobei hier die größte Herausforderung war, nicht die Technik zum laufen zu bringen, sondern fünf Handbewegungen zu finden, die weltweit keine negative Bedeutung haben.

 

Und überhaupt, diese kleinen Nettigkeiten sind es, mit denen BMW versucht hat, es so gemütlich wie möglich zu machen: Da schwarze Stellen im Innenraum trist wirken, hat man sogar den USB-Slot metallisch-silbern ummantelt, oder das Klimabedienteil durch eine flächiges Display ersetzt, um ein paar unschöne Spalte einzusparen. Ultrahelle LEDs in den Schwellern strahlen geschwungene Linien auf den Boden, die  wie ein Wegweiser in Richtung Innenraum wirken. Induktives Laden ist für den Schlüssel und für Smartphones in der Mittelkonsole möglich. Die Rücksitze haben neben der Massage- auch eine Trainingsfunktion, mit der man die Schultern trainieren kann. Und weil es hinten so gemütlich ist, werden die Bedienung von Navi, Klima und anderen Funktionen über ein herausnehmbares Tablet bedient. Dass bei den Materialien nicht gespart wurde und alles perfekt sitzt, braucht nicht extra erwähnt zu werden, ebenso die lupenreine Ergonomie und Sitzposition. Und auch die Premiere von Laser-Scheinwerfern, also taghellen, absolut blendfreien Lichtern, geht in der Menge an Innovationen schon ein wenig unter. Ja und dann gibt es noch das System “Remote Parking”, mit dem das Auto selbstständig ein und ausparkt, und derzeit das Maximum darstellt, was rechtlich an autonomem Fahren möglich ist. Wie lange das Audi und Mercedes auf sich sitzen lassen? So oder so war BMW der erste am Markt.

Und wie fährt er sich? Natürlich quicklebendig, aber das war ja fast nicht anders zu erwarten. Natürlich ist er groß, und die 5,2 Meter lange Stretch-Variante sogar der längste BMW aller Zeiten. Aber auf der Straße merkt man davon nicht viel. Die adaptive Regelung des Luftfahrwerks bekam neben Komfort, Sport und Eco noch eine vierte Stufe verpasst: Advanced. Da passen sich die Regelsysteme an den Fahrstil des Fahrers an. Je nach Situation, und zwar innerhalb weniger Sekunden, agieren die Dämpferkontrolle und aktive Wankstabilisierung sofort straffer, sobald man flotter am Lenkrad kurbelt. Zudem hat der 7er eine wohltuende Art von Grundstille. Um das zu erreichen, hat man zum Beispiel nur bestimmte Teile der Motoren in Dämmmaterial eingewickelt, damit nur der Sound durchdringt, der auch gut klingt.

Zum Marktstart Ende Oktober gibt es vorerst einen Diesel und einen Benziner, wobei selbstredend ist, dass die Mehrheit der heimischen Käufer sich für den Dreiliter-Selbstzünder entscheiden wird. Bevorzugt mit Allradantrieb, der nun auch erstmalig mit der Integrallenkung kombinierbar ist. Im Schnitt sollen die Motoren um 5 KW stärker und fast 20 (!) Prozent sparsamer sein. Gearbeitet wurde mit allen Tricks, zum Beispiel einer erstmalig sichtbaren Luftklappensteuerung in den sehr breiten Nieren (einen Kühlergrill gibt es nicht mehr), die sich nur dann öffnen, wenn erhöhter Kühlluftbedarf herrscht. 2016 kommt neben dem 740i mit Sechszylinder-Doppelturbo-Benziner auch der 740e: Also der erste Hybrid-7er, der dank Vierzylinder-Benziner (auch das gab es beim BMW-Flaggschiff noch nie) und E-Motor auf 326 PS kommt, aber nur 2,1 Liter Benzin verbrauchen soll.

Daten & Fakten

Basispreis in € 96.000,– (112.000,–)
Zyl./Ventile pro Zyl. 6/4
Hubraum in ccm 2993
PS/kW bei U/min 265/195 bei 4000
Nm bei U/min 620 bei 2000–2500
Getriebe 8-Gang-Aut.
L/B/H, Radst. in mm 5098/1902/1478, 3070 (5238/1902/1485, 3210)
Kofferraum/Tank in l 515/78
Leergewicht in kg 1755 (1795)
0–100 km/h in sec 6,1 (6,2)
Spitze in km/h 250
Normverbrauch in l (Mix) 5,3/4,0/4,5 (5,5/4,1/4,6)
CO2-Ausstoß in g/km 119 (122)

(Werte in Klammer für Langversion)

Basispreis in € 133.000,– (140.000,–)
Zyl./Ventile pro Zyl. 8/4
Hubraum in ccm 4395
PS/kW bei U/min 450/330 bei 5500
Nm bei U/min 650 bei 1800–4500
Getriebe 8-Gang-Aut.
L/B/H, Radst. in mm 5098/1902/1478, 3070 (5238/1902/1485, 3210)
Kofferraum/Tank in l 515/78
Leergewicht in kg 1870 (1915)
0–100 km/h in sec 5,7 (5,8)
Spitze in km/h 250
Normverbrauch in l (Mix) 11,4/6,2/8,1 (11,6/6,3/8,3)
CO2-Ausstoß in g/km 189 (192)

(Werte in Klammer für Langversion)

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