Neue, schon gefahren: Toyota Yaris GRMN

3. April 2018
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Aktuelles

Japaner neigen prinzipiell nicht dazu, Dinge zu überstürzen. Die europäische Tra­dition, Baureihen mit sportlichen Top­modellen zu krönen und zugleich das Marketing mit nachhaltigen Kürzeln wie ti, HF, GTI oder OPC zu bewaffnen, erachtet Toyota nun nach einer Beobachtungsphase von zirka 60 Jahren ebenfalls für praktikabel. Mit dem Toyota Yaris GRMN wurde nun ausgerechnet der brave Kleinwagen im Sortiment zum Fahnenträger erkoren, der bisher in maximal 111 PS Spitzenleistung gipfeln durfte.

Die höchstens 147 PS, die das hauseigene Vierzylinder-Sortiment sonst hergibt, wären für so ein Projekt immer noch dürftig – aber das Toyota-Universum ist groß, und irgendwie gehört auch Lotus dazu. Zumindest als Kunde, der die soliden japanischen ­Motoren bezieht, um sie großzügig aufzurüsten und in die kleine feine Elise und ihre Schwestern zu pflanzen. Genau das, was ein wirklich sportlicher Yaris braucht, befanden die Toyota-Mannen. Feig sind sie halt auch nicht, die Japaner.

Der Yaris GRMN ist Toyotas Leuchtturm- Projekt zur Etablierung eines hauseigenen Sport-Labels. Mit Kompressor-Power watscht er die deutsche GTI & OPC- Konkurrenz in allen Performance-Daten ab, beim puren Fahrspaß lässt er sie sogar richtig alt aussehen.

Der Yaris GRMN ist Toyotas Leuchtturm-Projekt zur Etablierung eines hauseigenen Sport-Labels. Mit Kompressor-Power watscht er die deutsche GTI & OPC-Konkurrenz in allen Performance-Daten ab, beim puren Fahrspaß lässt er sie sogar richtig alt aussehen.

 

Das Reinknöpfeln des von Lotus mit einem Kompressor veredelten 1,8 Liter-Aggregats in den engen Yaris-Motorraum passiert im französischen Toyota-Werk Valenciennes und grenzt schon ans Feinchirurgische. Die restlichen Zutaten des Gesamtkunstwerks „Toyota Yaris GRMN“ lesen sich wie der Weihnachts-Wunschzettel eines Motorsport-Fans: Sachs-Sportfahrwerk ohne elektronischen Verstell-Firlefanz, Lenkung mit ­zweieinviertel Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag, mechanisches Torsen-Differenzial, knackige Sechsgang-Handschaltung, Vierkolben-Festsattel-Bremsen, Schalensitze vom Feinsten, Auspuffanlage mit zentralem Endrohr und ergreifendem Röhren in allen Tonlagen, Kriegsbemalung rundum.

GR allein, für das werkseigene Rennteam Gazoo Racing stehend, wäre als sportliches Kürzel so selbsterklärend wie ausreichend. In der Comic-Sprache ist es außerdem der international anerkannte Knurr-Laut, was auch passt. Das noch drangehängte MN wäre verzichtbar gewesen – aber weil für die meisterliche Abstimmungsarbeit des kleinen Rennhobels der Nürburgring hergehalten hat, befand jemand ganz im Ernst, Master of the Nürburgring oder eben kurz MN, sei eine ansehnliche Ergänzung. Japaner sind manchmal eben auch ernsthaft verspielt.

Das Herrliche am Toyota Yaris GRMN ist seine völlig unerwartete Radi­kalität. Der Polo GTI mit seiner verbeamteten Fünftürigkeit wird daneben zum biederen Kompromiss, selbst der athletischere Corsa OPC kann ihm nicht das Wasser reichen. Im Yaris heißt es starten und sofort pur genießen. Der GRMN nervt nicht mit variablen Fahrprogrammen, sein Motor liefert immer sein Maximum an Leistung und er hält sich auch nicht mit Öko-Peinlichkeiten auf, die ihm eh keiner abnehmen würde. Schub ist vom Stand weg satt da und reißt bis knapp an die 7000 Umdrehungen nicht ab – dem Kompressor sei dank, auch für seinen Sound-Bonus.

 

Die wahre Musi spielt aber am Auspuff-Ende, heiser, räudig und schön. Für Lenkung und Handling darf der Begriff Direktheit neu definiert werden, das Differenzial arbeitet sauber und ­kalkulierbar, wie es mechanische Komponenten nun einmal tun, und nimmt auch die Zugkräfte an der Vorderachse zu einem guten Teil auf. Kurze Schaltwege und fühlbares Einrasten machen jeden Gangwechsel zum tadellosen Quickie, samt Vorfreude auf den ­nächsten. Das Fahrwerk ist hart, aber herzlich und so perfekt auf Last und Balance abgestimmt, dass jede Kurve zu einem freundschaftlichen Shakehands mit der Fahrphysik wird. Der Toyota Yaris GRMN ist purer Genuss, fast schon retro, weil weitgehend unverwässert von Elektronik. Und es fühlt sich echt seltsam an, das über einen Toyota Yaris zu schreiben.

Als wäre das alles noch nicht genug, hat es ihm außerdem seinen berechtigten Platz in unserem Exklusiv-Teil eingebracht, dass er bedauerlicherweise in limitierter Stück­zahl gefertigt wird, die bereits 72 Stunden nach der Eröffnung der Online-Bestellung ausverkauft war. 400 werden es insgesamt sein, überschaubare 25 davon dürfen künftig auf österreichischen Straßen zum Spielen raus. Leider sind sie hier auch etwas knauserig, die Japaner.

Das ist ein Yaris, wie wir ihn schon immer gern gehabt hätten: knackig, röhrend, straff und sauschnell. Bei 230 km/h wird elektronisch abgeriegelt, vom Drehzahlband her wären sonst über 250 drin.

Das ist ein Yaris, wie wir ihn schon immer gern gehabt hätten: knackig, röhrend, straff und sauschnell. Bei 230 km/h wird elektronisch abgeriegelt, vom Drehzahlband her wären sonst über 250 drin.

Daten & Fakten

R4, 16V, Kompressor, 1798 ccm, 212 PS (156 kW) bei 6800/min, max. Dreh-moment 250 Nm bei 4800/min, Sechsgang-Getriebe, Vorderradantrieb, Scheiben-brem¬sen v/h (v. bel.), L/B/H 3945/1695/1510 mm, Radstand 2510 mm, 5 Sitze, Reifendi¬men¬sion 205/45 R 17, Tankinhalt 42 l, Kofferraum¬vo¬lumen 286 l, Wend-ekreis 10,2 m, Leergewicht 1135 kg, 0–100 km/h 6,4 sec, Spitze 230 km/h, Normverbrauch Mix 7,5 l ROZ 95, CO2 170 g/km
Preis: € 33.940,–

Platzbedingte Änderungen an Ansaugtrakt und Krümmer ergeben hier 212 PS statt der 220 Pferde in der Elise S – genug, um den Yaris GRMN das Fliegen bei- zubringen.

Platzbedingte Änderungen an Ansaugtrakt und Krümmer ergeben hier 212 PS statt der 220 Pferde in der Elise S – genug, um den Toyota Yaris GRMN das Fliegen beizubringen.

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