Neuer Audi A8: von Lasern, E-Motoren im Fahrwerk und anderen Vorsprüngen in der Technik

11. Juli 2017
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Aktuelles

Audi ist der „Vorsprung durch Technik“ schon vor einer Weile abhanden bekommen – dann kam da noch der Dieselskandal, in dem man nun ebenfalls drinsteckt. Höchste Zeit also für einen mutigen Blick nach vorn – weit vorn. Audi will mit dem A8 nichts anderes als das fortschrittlichste Auto der Welt bauen und hat dafür auch tatsächlich tief in die Trickkiste gegriffen. #

Von außen ist davon allerdings weder bei der 5,17 Meter langen Normalversion, noch beim A8 L mit 13 Zentimeter längerem Radstand allzu viel zu sehen. Das Design ist, vielleicht abgesehen vom wirklich sehr selbstbewussten, neuen Singleframegrill, eher zurückhaltend – für die Klasse und Käuferschicht vermutlich „zum Glück“. Einzig die scharf gezeichneten und mit LED, OLED und Laser-Technologie bestückten Leuchtelemente geben recht unmissverständlich Aufschluss darüber, dass man es hier mit einem top-modernen Auto zu tun hat.

Noch deutlicher wird das freilich beim Blick in den Innenraum. Eingebettet in ein stark reduziertes, modernes Design (der Wagen verzichtet fast gänzlich auf die Dreh- und Drückregler oder Touchpads bisheriger Audi-Modelle) schlummert ein 10,1 Zoll-Touch-Display in der Mittelkonsole das die meisten Funktionen in sich bündelt. Zusätzlich wartet im Mitteltunnel ein weiteres Touch-Display für die Steuerung der Klimatisierung und als Möglichkeit zur Texteingabe. Zudem stellt Audi seinen A8-Fahrern ein besonders intelligentes Bordsystem zur Seite: Nicht nur soll die Spracherkennung ein ganz neues Niveau erreichen, das System ist zudem selbstlernend. Merkt sich also Muster im Verhalten des Fahrers und macht auf Basis dessen Vorschläge wo es hingehen könnte (bzw. übernimmt Tischreservierungen und anderes).

In Sachen Eigenständigkeit natürlich auch ein großes Thema: das pilotierte Fahren. Audi bietet hier als erster Hersteller ein System, das dem Fahrer in zähflüssigem Verkehr (bis 60 km/h) tatsächlich zur Gänze das Fahren abnehmen kann ohne von ihm nach einer gewissen Zeit automatisch zu verlangen, die Hände ans Lenkrad zu legen. Technisch ermöglicht wird das durch die Kombination von Radarsensoren, einer Frontkamera, Ultraschallsensoren und – hier übertrifft Audi sodann die gesamte Konkurrenz – einem Laserscanner. Der „Haken“: Vielerorts ist Audi damit der Legislatur voraus. Audi selbst dazu:

Die Einführung des Audi AI Staupilot erfordert für jeden einzelnen Markt neben der Klarheit über die gesetzlichen Rahmenbedingungen eine landesspezifische Applikation und Erprobung des Systems. Dabei gilt auch für das hochautomatisierte Fahren der hohe Qualitätsanspruch der Marke. Darüber hinaus sind weltweit unterschiedliche Zulassungsverfahren und ihre entsprechenden Fristen zu beachten. Aus diesen Gründen wird Audi den Staupilot im neuen A8 Schritt für Schritt in Serie bringen.

Von Beginn an zur Verfügung stehen wird hingegen die Ein- und Ausparkautomatik des A8. Diese – auch hier wird die Konkurrenz übertroffen – kann erstmals auch auf größere Entfernungen ausgeführt werden. Der Fahrer muss nicht einmal im selben Raum sein. Über die App hat er nämlich Zugriff auf die Rundum-Kameras des Autos und kann so auch aus größerer Entfernung den perfekten Überblick über das Manöver behalten.

Ebenfalls neue Maßstäbe setzen will Audi beim Fahrwerk und Antrieb. Dinge wie eine Allradlenkung und intelligente Differenziale kennt man schon (quattro-Antrieb ist übrigens Serie), das vollaktive Federungssystem mit E-Motoren an jedem Rad aber noch nicht. Diese sind in der Lage jedes Rad individuell nach oben zu ziehen oder nach unten zu drücken. So kann der Wagen sein Fahrwerksetup gemeinsam mit der Luftfederung auf bisher unerreichte Art an die Straßenbedingungen anpassen.

Auch bei den Motoren geht man neue Wege: Jeder A8 wird ein Hybrid sein – ein Mild-Hybrid nämlich. Jeder Motor ist mit einem Riemen-Starter-Generator gekoppelt, der Segelbetrieb bei ausgeschaltenem Motor ebenso ermöglicht wie besonders komfortable Start/Stopp-Systeme. Etwas später soll mit dem A8 L e-tron quattro auch noch ein Plug-In-Hybrid folgen, dessen für 50km reichender Akku optional auch induktiv über eine Platte unter dem Auto geladen werden kann. Doch das ist Zukunftsmusik. Zum Start – im Spätherbst 2017 übrigens – kommt der A8 erst einmal mit einem 3.0 TDI und einem 3.0 TFSI-Motor auf den Markt. Der Diesel leistet 210 kW (286 PS), der Benziner 250 kW (340 PS). Zwei Achtzylinder – ein 4.0 TDI mit 320 kW (435 PS) und ein 4.0 TFSI mit 338 kW (460 PS) folgen später.

Zu den Preisen für Österreich schweigt sich Audi noch aus. Diese sollen näher zum Verkaufsstart hin bekannt gegeben werden. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass er deutlich teurer wird als sein Vorgänger. In Deutschland etwa liegt der Startpreis bei 90.600 Euro – für den Vorgänger waren bzw. sind es hingegen noch „nur“ 84.000 Euro.

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