Neuer Porsche 911 erwischt – alles was wir wissen

20. Februar 2018
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Aktuelles

Der neue Porsche 911 (992) wurde vollkommen ungetarnt abgelichtet. Dafür brauchte es aber nicht einmal einen der zahlreichen, professionellen Carspotter – also quasi die Paparazzi des Autosektors – sondern schlicht eine (anscheinend) junge Instagramerin, die vielleicht nicht einmal wusste, was genau sie da postete. Jetzt scheint es ihr jedenfalls klar zu sein – denn das Posting ist bereits gelöscht worden. Aber wie es halt so spielt … was einmal im Netz landet, ist aus diesem nicht mehr so leicht raus zu bekommen. Somit können nun auch wir euch das Foto des vollkommen ungetarnten Hecks des nächsten Elfers zeigen. Bzw auch dessen Front. Denn wer genauer hinsieht, entdeckt auf den Rundspiegeln an der Decke auch die Nase des nächsten Vorzeige-Porsche.

Die Designfrage scheint also geklärt: Die Endrohre werden stärker ins Schürzen-Design gerückt und auf Wunsch mit schwarzem Lack „versteckt“, die Heckleuchten formen sich zur ausdrucksstarken Lichtbahn quer übers ganze Heck – ganz wie beim aktuellen Panamera oder Cayenne. Zudem können wir mit diesem Bild nun endgültig bestätigen, dass das ausfahrbare Flügelwerk ausladender wird – es reicht bis in die Flanken. Sonst bleiben aber freilich noch viele Fragen offen. Hier alles, was wir aktuell wissen:

PORSCHE-992-INSTA

Generation acht des 911, die 2018 und damit 55 Jahre nach dem Stammvater startet, wird im Radstand zulegen, in der Länge aber nur geringfügig wachsen. Dem im Volkswagen-Konzern offenbar unverändert anhaltenden Drang zu weitestgehender Plattform-Vereinheitlichung folgend kommt erstmals die neue Sportwagen-Basis zum Einsatz, die später auch von ­Audi und Lamborghini für ihre Mittelmotor-Boliden genutzt wer­den soll.

Ob die VW’sche Plattformitis hier nicht wieder einmal über ihr Ziel hinausschießt, ist allerdings fraglich. Audi wurde von den Buchhaltern mit modularem Querbaukasten, VW-Motoren und Pseudo-Allrad schon erfolgreich um praktisch alle Alleinstehungs-Merkmale erleichtert. Ganz so hart wird der Konzern-Kamm aber nicht über den 911 scheren: Die Plattform ist hinsichtlich der Aggregate-Position von Mittelmotor bis zum Heck-Murl flexibel. Zwar dürften die Boxer noch einmal ein paar Zentimeter nach vorne rutschen, rein rechnerisch wird die Balance der Motor/Getriebe-Einheit aber die Bezeichnung Heckmotor nach wie vor rechtfertigen.

Die gute Nachricht dazu: Die Häferl-Zahl wird – zumindest vorerst – erhalten bleiben. Der Dreiliter-Sechszylinder mit Turboaufladung wird als Einstiegsmotorisierung auf etwa 400 PS erstarken. Der Leit-Hengst, der nicht nur Turbo hat, sondern auch so heißt, soll erstmals beim Serienmodell die 600 PS-Grenze knacken. Allradlenkung und Doppelkupplungsgetriebe erhalten weiteres Feintuning, der Vierradantrieb wird als Option weiter über die Palette gestreut.

Ein großes Fragezeichen steht nach wie vor hinter dem Faktor Elektrifizierung. Ein Plug-In-Hybrid scheint bereits seit längerem fix – allerdings dürfte er die kommende 911-Palette erst im Laufe der Zeit bereichern. Platz- und Gewichts-Probleme warten zur Zeit noch auf eine serientaugliche Lösung. Die Chance, eine praktische Verschränkung von Verbrennungs- und E-Technologie in Form ­eines 48 Volt-Bordnetzes mit ­integrierter Starter-Gene­rator-Tech­nik zu schaffen, wie Mer­cedes es z.B. in seinen neuen Reihensechsern verwirklicht hat, dürfte Porsche verpasst haben: Auch der kommende 911 wird mit konser­vativer 12 Volt-Architektur auskommen müssen. Entwarnung gibt es für die bedrohte Art der Sauger: Zumindest der GT3 wird nach wie vor ohne Zwangs­beatmung durch Turbos auskommen.

Das Cockpit wird sich äußerlich weniger verändern als die Struktur darunter. Digi­tal- plus Online-Funktionen auf dem letzten Stand und selbst teilautonomes Fahren soll die Sportwagen-Ikone künftig beherrschen. Die Instrumenten-Dreifaltigkeit mit zentralem Drehzahlmesser, links davon Tacho und rechts Kombi-Anzeige bleibt unverändert. Allerdings können verspielte Kunden eventuell optional eine auf 911-Umfeld zugeschnittene Variante des virtuellen Cockpits von Audi wählen.

Zuletzt bleibt die Preisfrage. Einen später nachgereichten Hybrid-911 könnte der Wegfall der heimischen Neid-Steuer ­NoVA zu ungeahnter Attrak­­ti­vität verhelfen, wie sie bereits ­die gleichwertig bestückten Brü­der Cayenne und Panamera dank des Steuervorteils genießen. Den­noch: Ein 911 zum Preis ­eines Boxster oder Cayman wird sich nicht einmal ansatzweise ausgehen.

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