SUV-Reifen: Preisfrage

22. November 2018
461 Views
Aktuelles

SUV sells – kein Fahrzeug-Segment wächst seit Jahren schneller als das der Hochsitze, ob sie nun mit oder ohne Allradantrieb ausgestattet sind, echter Offroader oder erhabener Cruiser. Ebenso vielseitig ist das Angebot an Reifen für die neue Lieblings-Gattung: Street Terrain oder kurz ST heißt vornehmlich für den Straßen-Gebrauch bestimmt, All Terrain oder AT für 4×4-Gerät mit Eignung für Asphalt bis mittelschweres Gelände, Mud Terrain mit grobstolligem ­Profil für den harten Off­road-Einsatz auch auf felsigem Untergrund und sogenannte Super ­Swamper für extreme Anwendung in jeder Art Gelände.

Zumindest für die letzten beiden Kate­gorien gilt grundsätzlich das Gesetz von Angebot und Nachfrage sowie die Stückzahlen-Regel: wenig Bedarf, geringe Produktionvolumina, und daher meist ein ­verhältnismäßig hoher Preis.

Die breite Masse der SUVs mit einer oder zwei angetriebenen Achsen ist ab Werk mit Street Terrain Reifen ausgerüstet, deren Profil dem herkömmlicher Pkw-Pneus entspricht. Allerdings sind sie an das Gewicht der Fahrzeuge und ihren höheren Schwerpunkt angepasst: Die Karkasse, also der Unterbau der Lauffläche, auf den die Gummi-Mischung aufgebracht wird, ist daher tragfähiger ausgeführt. Bei einigen Herstellern wird sie, ähnlich wie bei Hochgeschwindigkeits-Reifen, zusätzlich glasfaserverstärkt.

Schwarz und rund sind sie alle –  doch SUV-Reifen unterscheiden sich durch zahlreiche Konstruktionsdetails von herkömmlichen Pkw-Pneus, auf die sich vom Profil allein nicht schließen lässt.

Schwarz und rund sind sie alle – doch SUV-Reifen unterscheiden sich durch zahlreiche Konstruktionsdetails von herkömmlichen Pkw-Pneus, auf die sich vom Profil allein nicht schließen lässt.

 

Auch Wulst und die Seitenwand sind massiver gefertigt, weil wegen des höheren Schwerpunkts in den Kurven stärkere Querbeschleugigungskräfte wirksam werden, die ansonsten erhöhtes Walkverhalten verur­sachen würden. Weil einige Rei­fen­hersteller davon ausgehen, dass die Kunden die Fahrzeuge zumindest öfter als einen klassischen Pkw auf unbefestigtem Untergrund bewegen, verstärken sie die Seitenwände zusätzlich zum Schutz gegen scharfkantige Steine – was als prakti­schen Nebeneffekt auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber bösartigen Gehsteig­kanten erhöht. Bei leistungsstarken Premium-SUV kommt zu diesen Anforderungen noch die preistreibende eines Hochgeschwindigkeits-Standards mit thermo­mechani­schen Belastungs-Limits bis gut 250 km/h.

Die Kategorie All-Terrain ergänzt die speziellen Eigenschaften der Street Terrain Reifen mit denen eines Profils mit erweiterten Anwendungsmöglichkeiten: auf der Straße keine Komfort- oder Sicherheits-Einbußen, im Gelände aber erhöhter Grip auf trockenem und nassem Untergrund und zusätz­liche Tragfähikeit – der Zula­dungs- und Zuglast-Tauglichkeit der meist mit Allrad aus­­-
gestatteten Fahrzeuge wegen, für die sie verwendet werden.

Der Preisunterschied zu den hauptsächlich für den Straßengebrauch bestimmten Gummis hält sich den­noch in Grenzen, weil die AT-Pneus werks­seitig meistens mit schmalerer Lauffläche vorgesehen sind, ­womit sie etwa zum gleichen ­Tarif erhältlich sind wie die breiteren STs.

Wer von denen auf All Terrain-Gummis wechseln möchte, sollte dafür unbedingt die Herstellerangaben beachten. Es können auch zusätzlich Kosten für den Kauf eines zweiten Satzes Felgen anfallen, die den geänderten Dimensions-Anforderungen entsprechen.

On- oder Offroad? Wer regelmäßig im Gelände unterwegs ist und dabei auch anspruchsvollere Passagen zu meistern hat, wird mit All-  Terrain-Reifen besser bedient sein als mit Street Terrain-Modellen.

On- oder Offroad? Wer regelmäßig im Gelände unterwegs ist und dabei auch anspruchsvollere Passagen zu meistern hat, wird mit All-Terrain-Reifen besser bedient sein als mit Street Terrain-Modellen.

 

Die meisten Kompakt-SUV fahren auf Rädern ab 16 Zoll, wogegen die Basis-Dimension bei gleich großen PKW meist immer noch bei 15 Zoll liegt – ebenfalls ein Preisfaktor. Bisher wurden die ehemals geringeren Stückzahlen in der Fertigung von SUV-Reifen abgesehen von den anforderungsbedingt höheren Produktionskosten selbst oft als Rechtfertigung für die Preisgestaltung angeführt – mit dem Boom dieser Fahrzeug-Gattung muss dieses Argument freilich entfallen.

Bei kleineren SUV können sich die Reifendimensionen mit denen von Pkw überschneiden, die aus den genannten Gründen aber eventuell güns­tiger angeboten werden. Auch hier gilt in jedem Fall die ­Hersteller-Angabe: Wenn ausdrücklich SUV-Kategorien vorgeschrieben sind, droht bei der Verwendung herkömmlicher Pneus – abgesehen vom Sicherheitsrisiko – auch der Verlust des Versicherungsschutzes, selbst wenn die korrekte Dimension aufgezogen wurde.

Auch die Idee, mit dem griffigeren Profil eines AT- oder gar MT-Reifens wäre man im Winter fein raus, sehen Gesetzgeber und Versicherungen anders: Nur, was ein M&S-und/oder Alpin-Logo trägt, gilt als Winterreifen – wobei die Gummi-Mischung hier ausschlaggebender ist als das augenscheinliche Profil.

Als Leitsatz gegen Knausern am falschen Platz gilt auch hier: Die Sicherheit einiger hundert Kilo Stahl plus die eigene hängen von einer Kontaktfläche ­etwa in der Größe von vier Postkarten ab, auf denen die Reifen den Boden berühren. Ausgerechnet bei der zu sparen, zahlt sich am Ende nie aus.

Kommentar abgeben