Toyota Auris 2,0 D-4D 125 High Premium-Paket

28. April 2007
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Toyota
Klasse:Kompaktwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:126 PS
Testverbrauch:6,9 l/100km
Modelljahr:2007
Grundpreis:24.999 Euro

Toyotas neuer Kompakter: der Auris, Nachfolger des Welt-Bestsellers Corolla

In 40 Jahren verkaufte Toyota unter dem Namen Corolla fast 35 Millionen Fahrzeuge. Ein einsamer Weltrekord – weit vor dem Golf mit 25 und dem Käfer mit 20 Millionen. Dennoch tauften die Japaner ihren neuen Kompakten überraschend Auris“.
Den meisten Kunden in Europa sei nämlich der Name „Corolla“ zwar geläufig, sie verbinden damit aber ein (laut Toyota-Marktstrategen: allzu) braves und biederes Auto. Um den Klassen-Bestsellern Golf, Astra und Focus die Stirn zu bieten, müsse eine Image-Korrektur her. Der Name „Auris“ soll die phonetische Brücke zu anderen Modellen schlagen (Yaris, Avensis) und eine junge, dynamische Note ins Programm bringen. Die Assoziation zu Aurum (lateinisch für Gold) kommt dabei nicht von ungefähr.
Wir schnappten uns einen Testwagen in mittlerer Diesel-Motorisierung (2,0 D-4D mit 126 PS) und in der Top-Version „Premium“. So stürzten wir uns ins Wiener Stadtgewühl. Zur Image-Prüfung sozusagen. Die fiel ernüchternd aus: Niemand drehte sich nach dem brandneuen Japaner um, keiner fragte uns danach. Was für ein Gegensatz zur Woche davor, wo halb Rom sich enthusiastisch um den Fiat Bravo, Italiens neuen Beitrag zum heißumkämpften Kompakt-Segment, gedrängt hatte.
Dabei ist der Auris keinesfalls unhübsch. Die runden Formen sind flott gezeichnet, die Proportionen trotz langer Schnauze – ein Muss in Zeiten erhöhten Fußgänger-Schutzes – durchaus gelungen. Allerdings hebt ihn nur wenig vom alten Corolla und dem kleinen Bruder Yaris ab.
Die wahren Werte der neuen Karosserie liegen unterm Blech. Im NCAP-Crashtest erlangte der Auris beim Insassenschutz das Maximum von fünf Sternen und lässt gegenüber dem Vorgänger auch Passanten im Ernstfall deutlich glimpflicher davonkommen. Damit liegt er an der Klassenspitze, gleichauf mit Citroën C4 und VW Golf.
Auch der Geräuschdämmung widmeten die Japaner großes Augenmerk. Anders als bei manchen anderen Konzern-Modellen – wir haben noch das vernehmliche Brummen früherer Avensis und RAV4 im Ohr – werkt der Zweiliter-Selbstzünder im neuen Kompaktmodell zurückhaltend leise.
Dafür geriet der (geringfügig größere) Auris deutlich schwerer als der Corolla. Für den 126 PS-Diesel ist das kein Problem. Der ist ohnehin ein idealer Partner, harmonischer und weniger giftig als die 177 PS-Version, dabei von den Fahrleistungen her absolut ausreichend.
Kein Problem auch für das Fahrwerk, obwohl mehr als 67 Prozent des Gewichts auf der Vorderachse lasten. Unebenheiten schluckt der Auris geschmeidig, zu hohen Kurven-Speed quittiert er mit kräftiger Seitenneigung und gutmütigem Untersteuern.
Den Innenraum beherrscht eine brückenartige Mittelkonsole. Unüberwindbar trennt sie die Sphären von Fahrer und Beifahrer. Weit oben liegt ideal der kurze Schaltknüppel, darunter dominiert die Handbremse. Leider vergibt Toyota mit dieser eigenwilligen Konstruktion wertvollen Stauraum. Ein kleines, schwer zugängliches Fach ist alles, was der Auris in diesem Bereich zu bieten hat.
Sonst geht es im Cockpit praktisch zu. Die Rundinstrumente im 3D-Look sind bei jedem Licht gut ablesbar. Auch mit Klimaanlage sowie Radio kommt man auf Anhieb zurecht. Und endlich hat auch Toyota ein automatisches Tagfahrlicht.
Bemängeln könnte man die fehlende permanente Zeitanzeige (es gibt nur entweder Uhr oder Bordcomputer), Keyless-Go (Sperr-Funktion nur an der Fahrertür) und Fensterheber (One-Touch nur links vorne) sowie eine oft unlogische Gangwechsel-Empfehlung durch grüne Pfeilchen im Drehzahlmesser (sträubt sich hartnäckig gegen sparsame, niedertourige Fahrweise). Den hohen Kostendruck in der Kompaktklasse verraten der harte, nicht ganz kratzfeste Cockpit-Kunststoff und der filigrane, mancherorts etwas locker verlegte Dachhimmel.
Bleibt nur zu hoffen, dass der in England, Japan und der Türkei produzierte Auris die legendäre Zuverlässigkeit seines Vorgängers geerbt hat. Die anderen Attribute zur Fortsetzung des Verkaufserfolges hat er jedenfalls – jugendliches Image hin oder her.

Fesch, praktisch und logisch: neu gestyltes Auris-Cockpit

MOTOR & GETRIEBE
Bis 2000 Touren denkt der Zweiliter-Diesel kurz nach, dann schiebt er bis etwa 3500 brav an. Ruhiger Lauf, ausgezeichnete Geräuschdämmung. Schaltung kurzwegig, manche Gänge hakeln gelegentlich.

FAHRWERK & TRAKTION
Hoher Fahrkomfort. Im Grenzbereich gutmütig untersteuernd, im Ernstfall greift die Stabilitätskontrolle (laut piepsend) ein. Starke Seitenneigung in flott angegangenen Kurven, Heckschwenks sind dem Auris fremd. Präzise Lenkung, rasche Richtungswechsel erfordern Kraftaufwand. Gute Traktion, standfeste Bremsen.

COCKPIT & BEDIENUNG
Komfortable, gut konturierte Sitze. Lenkrad in Höhe und Reichweite verstellbar, Sitzposition OK. Erstklassig ablesbare Instrumente, Schalter & Hebel griffgünstig platziert und logisch zu bedienen. Schlüsselloser Zugang und Fensterheber-Automatik nur für die Fahrertür.

INNEN- & KOFFERRAUM
Gute Bewegungsfreiheit für vier Passagiere, eng wird es nur zu dritt im Fond. Ausreichend Ablagen, trotz Platz raubender Mittelkonsole. Großer, glattflächiger Kofferraum. Beim Vorklappen der 2:1-Fondlehnen senkt sich die Sitzfläche selbsttätig ab, die Kopfstützen können dabei dranbleiben. Minus: schlechte Karosserie-Übersicht.

DRAN & DRIN
Als „Premium“ reichlich bestückt (siehe Liste rechts), aber nur wenige Extras im Angebot. Einparkhilfe als Zubehör, Sitzheizung nur in Verbindung mit Leder. Strapazfähige Polsterung, optisch ansprechender, doch stellenweise harter und kratzanfälliger Kunststoff. Saubere Verarbeitung.

SICHER & GRÜN
Komplette aktive und passive Sicherheits-Mitgift, Top-Ergebnisse im NCAP-Crashtest. Diesel-Partikelfilter serienmäßig, Verbrauch leicht überm Klassenschnitt.

PREIS & KOSTEN
Preislich und leistungsmäßig zwischen Golf 1,9 TDI und 2,0 TDI, günstiger sind der schwächere Mazda3 und der magerer bestückte Opel Astra. Citroën C4, Honda Civic und Peugeot 307 sind stärker und teurer. Fernost-übliche Garantie, kurze Service-Intervalle. Werthaltungs-Prognose positiv.

FAZIT:
„Ob Toyota mit dem unauffälligen Auris den angestrebten Imagewechsel schafft, bleibt abzuwarten. Das technische Rüstzeug zu einem Bestseller hat der kompakte Japaner jedenfalls.“

MOTOR-BAUART:
Vierzylinder Reihenmotor vorne quer liegend, Abgasturbolader mit Ladeluftkühler. Fünffach gelagerte Kurbelwelle, zwei oben liegende Nockenwellen mit Kettenantrieb, vier Ventile pro Zylinder, betätigt über Gleitrollen-Kipphebel. Elektronische Diesel-Einspritzung nach Commonrail-Prinzip. Abgasreinigung mittels Oxidations-Katalysator und Rußpartikelfilter.

MOTOR-DATEN:
Hubraum 1998 ccm, Bohrung x Hub 86,0 x 86,0 mm, Verdichtungsverhältnis 16,8:1, Max. Leistung 93 kW 126 PS) bei 3600/min, Spez. Leistung 46,5 kW/l (63,1 PS/l), Max. Drehmoment 300 Nm bei 2000-2800/min, Ölinhalt 6,3 l, Kühlwasserinhalt 8,0 l

KRAFTÜBERTRAGUNG:
Vorderradantrieb, Fünfgang-Getriebe.
Übersetzungen: I. 3,538, II. 1,913, III. 1,218, IV. 0,860, V. 0,790, VI. 0,673, R. 3,83
Achsantrieb I. bis IV. 3,777, V. und VI. 3,238

FAHRWERK:
Vorne: Doppelquerlenker, McPherson-Federbeine, Drehstabilisator. Hinten: Torsionslenkerachse, Schraubenfedern, Teleskop-Stoßdämpfer. Radstand 2600 mm, Spurweite vorne/hinten 1525/1525 mm. Zahnstangen-Lenkung mit drehzahl- und geschwindigkeitsabhängiger Servounterstützung, Lenkübersetzung 14,27:1. Hydraulische Zweikreisbremse mit Bremskraftverstärker, vier Scheiben (vorne innenbelüftet). Feststellbremse mit Trommeln auf die Hinterräder wirkend. Reifen & Räder: 205/55 R 16 91T Firestone Winterhawk auf Leichtmetall-Felge 6,5 J x 16.

KAROSSERIE:
5 Türen/5 Sitze, Luftwiderstandsbeiwert cw 0,29, Stirnfläche A 2,28 m2, Luftwiderstandsindex A x cw 0,66, Länge/Breite/Höhe 4220/1760/1515 mm, Wendekreis 11,0 m, Tankinhalt 55 l, Eigengewicht 1420 kg, max. zul. Gesamtgewicht 1890 kg, max. zul. Dachlast 75 kg, max. zul. Anhänge-Last 1500 kg, Kofferraumvolumen (VDA-Norm) 354-1335 l

VERBRAUCH:
Norm (Stadt/außerorts/ Mix) 7,2/4,9/5,7 l, Testverbrauch 6,9 l Diesel, Reichweite (bis Tankres.) 730 km

FAHRLEISTUNGEN:
Werksangaben: 0-100 km/h 10,3 sec, Spitze 195 km/h
ALLES AUTO-Messwerte: 0-80 km/h 7,8 sec, 0-100 km/h 11,0 sec, 60-100 km/h (im 4./5. Gang) 7,9/11,4 sec, 80-120 km/h (im 4./5. Gang) 9,6/12,5 sec

WARTUNG:
Service/Ölwechsel alle 15.000/15.000 Kilometer, 162 Vertrags-Werkstätten in Österreich

GARANTIE:
3 Jahre Garantie (maximal 100.000 km), 12 Jahre Garantie gegen Durchrosten, 3 Jahre Mobilitätsgarantie (bei vorschriftsmäßiger Wartung)

PREIS UND AUSSTATTUNG:
Basispreis 5tg: EUR 24.999,-
Serienausstattung: Front-, vordere Seiten-, durchgehende Kopfairbags, Fahrer-Knieairbag, ABS, elektron. Stabilitätskontrolle, Bremsassistent, fünf Dreipunktgurte (Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer v), fünf höhenverstellbare Kopfstützen, Isofix, Klimaautomatik, CD-Radio mit 6 LS, beheizbare E-Außenspiegel, vier E-Fensterheber, aut. abblendender Innenspiegel, Multifunktions-Lederlenkrad, Bordcomputer, Tempomat (inkl. Begrenzer), Licht- und Regensensor, Tagfahrlicht, Fahrersitz höhenverstellbar, schlüsselloser Zugang, Aluräder, Nebelscheinwerfer etc.
Extras: Xenon-Licht EUR 1027,-, Elegance-Paket (Lederpolsterung, Sitzheizung v, Xenon-Licht) EUR 2375,-, Travel-Paket (Navigationssystem, Freisprech-Einrichtung) EUR 2568,-, Metallic-Lack EUR 449,-
Zubehör: Einparkhilfe EUR 228,-


Fotos: Robert May

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 3/2007

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