VW zeigt mit der Studie I.D. einen Blick in die Zukunft des Konzerns

30. September 2016
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Aktuelles

Als sei man aus einem viel zu langen Albtraum viel zu plötzlich aufgewacht – so oder so ähnlich wirkt der derzeitige Wandel, den Volkswagen gerade durchmacht. Vor einem Jahr noch breit und bequem auf der weichen Diesel-Sänfte unterwegs, lechzt man nun nach Ideen, die mit allem zu tun haben, nur nicht mit diesen Selbstzündern, die den Konzern fast an den Rand des Ruins trieben. Ob da jemand geschummelt hat oder nicht, ist irrelevant – eine Alternative zu diesem Treibstoff wird nun einfach gefordert.

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Und das erfordert ein grundsätzliches Umdenken der gesamten Fahrzeug-Architektur, weswegen die Wolfsburger sogar früher als gedacht die Studie I.D. präsentieren: Ein Blick in die Zukunft der Marke, wie umfassend und vernetzt dessen Autos sein werden, oder zumindest sollten. Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen: „Im Jahr 2020 werden wir beginnen, eine ganze Familie elektrischer Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Alle werden auf einer neuen Fahrzeugarchitektur basieren, die speziell und ausschließlich für rein elektrische Fahrzeuge entwickelt wurde. Nicht für Verbrenner, nicht für Plug-In Hybride. Der I.D. steht für diese neue Ära von Elektroautos, für ein neues automobiles Zeitalter: Elektrisch, vernetzt, automatisch fahrend.”

db2016au00780_largeHört sich also sehr nach einem Neubeginn an, für den man sich schön langsam vorbereitet. Diese neue Plattform nennt sich MEB (Modularer Elektrifizierungsbaukasten), und der I.D. sticht in die Kompaktklasse, läuft also parallel zu Golf, Tiguan und Co. Als Antrieb fungiert ein 170 PS starker Elektromotor, der für eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern gut sein soll. Wie gesagt, noch ist es ja nicht so weit. Und gehen wir mal davon aus, dass es bis zur Markteinführung 2020 bei den Batterien einen entsprechenden Entwicklungssprung geben wird.

Preislich soll der I.D. auf dem Niveau eines vergleichbar stark motorisierten Golf liegen, was jetzt etwa wage ist, weil es keinen Golf mit dieser Leistung gibt. Am nähesten kommt der GTD mit 184 PS für wohlfeile 32.000 Euro.

Auch wichtig: Die neue Formensprache des I.D.. Von einem neuen Design allein kann man also nicht sprechen, denn das so genannte Open-Space-Concept ist ziemlich clever konzipiert: Etwas kürzer als ein aktueller Golf soll der I.D. im Innenraum das Platzangebot eines Passat bieten. Das gelingt dank des neuen Antriebskonzepts mit dem Elektromotor an der Hinterachse und einer Hochvoltbatterie im Fahrzeugboden. Und weil zum Elektroauto das autonome Fahren einfach dazu gehört (und weil es derzeit einfach in aller Munde ist), ist die Studie vom Pariser Salon natürlich auch vollautomatisch unterwegs. Aktiviert wird „I.D. Pilot“ durch das Berühren des VW-Zeichens im Lenkrad, das daraufhin in das Armaturenbrett eintaucht und so dem Fahrer ein ungewohnt luftiges Raumgefühl vermittelt. Aber, so VW weiter, soll dieses System nicht nur der Studie vorbehalten bleiben. Ab 2025 kommt „I.D. Pilot“ dann auch in die Serie.

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Der Schlüssel für die Zukunft könnte für VW aber auch im Weglassen des Fahrzeugschlüssels liegen. Als „Digital Key“ soll künftig das Smartphone dienen, mit dem man den VW öffnen oder startbereit schalten kann. Und weil das Handy so viele Möglichkeiten bietet, geht für VW die Aufgabe des neuen Autoschüssels noch weit darüber hinaus. Man könne sich eine „Volkswagen ID“ vorstellen, in der Dinge wie Sitz- und Klimaeinstellungen, Radiosender oder auch Kontaktdaten gespeichert sein können. Egal in welchen I.D. man also auch einsteigt, dank dieser in der Volkswagen Automotive Cloud gespeicherten Informationen ist alles für einen bereits vorjustiert.

 

UPDATE // Live-Eindrücke aus Paris:

Der I.D. ist ein Konzeptauto wie es im Buche steht: Jede Menge LEDs drücken Emotionen aus um das Auto menschlicher zu machen, Ergonomie und Funktionalität werden weit hinter des Design gereiht, dass nur noch durch den Faktor “Kosten” unterboten werden kann und an Technik und Ideen wurde an keiner Ecke gespart. Klar ist, dass es also wohl nur sehr wenig von dem hier zu sehenden jemals in die Serie schaffen wird – weder die aus kleinen Screens bestehenden “Tasten” in den Türen, noch die erst bei Berührung aus- und einfahrenden Türgriffe, die Kameras statt Rückspiegeln oder aber das stylisch geformte Lenkrad, das ebenfalls auf “Hand auflegen” reagiert und sich so aus und einfährt. Auch bei den gegenläufig öffnenden Türen sind wir skeptisch.

Dennoch hat uns das Auto gefallen. Vor allem weil eines sicher scheint: Das Versprechen “außen kompakt, innen groß” dürfte auf jeden Fall gehalten werden können. Schon jetzt ist der in Natura sehr kompakt wirkende Stromer innen unglaublich luftig. Auch die Designrichtung gefällt. Nicht nur wegen dem riesigen VW-Logo ist der futuristische E-Wagen durchaus als Konzernprodukt erkennbar und vereint Nutzen (viel Platz innen, niedriger Luftwiderstand) gut mit einem ansehnlichen Äußeren.