Alfa 156 Crosswagon 1,9 JTD M-Jet Progression Q4

29. Juli 2005
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Alfa Romeo
Klasse:Kombi
Antrieb:Allrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:150 PS
Testverbrauch:8,5 l/100km
Modelljahr:2005
Grundpreis:35.200 Euro

Höher gelegt und optisch auf Offroad getrimmt: Allrad-Kombi Alfa Crosswagon

Acht Jahre ist es her, dass Alfa zuletzt ein Allrad-Fahrzeug im Programm hatte. Das Topmodell der 164er-Baureihe mit 231 PS starkem V6 trug schon den Zusatz Q4, bis ein Jahr vor dessen Produktionsende 1997 gab es auch noch den kleineren 155 Q4 – dieser wurde vom legendären Turbo-Motor des Lancia Integrale befeuert und leistete bis zu 190 PS. Es waren also immer Spitzen-Motorisierungen, die mit 4×4 verfeinert wurden. Nicht so heute: Alfas Allrad-Renaissance wird im Jahr 2005 mit 150-PS-Diesel-Triebwerk und Kombi-Kleid eingeleitet.
Während die Fachwelt schon entzückt auf die eben enthüllten Brera (Coupé) und 159 (Nachfolger des 156) blickt, debütieren beim 156er die Q4-Versionen. Die Quattratur des Greises, könnte man spöttisch sagen, läuft diese Baureihe doch schon seit fast acht Jahren.
Neben dem Sportwagon Q4 gibt es auch den um weitere 45 Millimeter (gegenüber dem Frontantriebs-Kombi um 65 Millimeter) höher gelegten und auf Off-road getrimmten Crosswagon. Um 1800 Euro Aufpreis hat dieser unter anderem breitere Räder, schicke Karosserie-Anbauteile und einen Unterfahrschutz. Dennoch: In Sachen Straßen-Tauglichkeit und Offroad-Untauglichkeit orientiert er sich eher an Allrad-Kombis & Soft-SUV denn an klassischen Kraxlern. Und obwohl der 156 schon etwas in die Jahre gekommen ist: Es gibt wohl kaum ein Auto, das Gatsch-Spritzer eleganter trägt als der Crosswagon.

TECHNIK
R4, 16V, Turbo, 1910 ccm, 110 kW (150 PS) bei 4000/min, max. Drehmoment 305 Nm bei 2000/min, Sechsgang-Getriebe, Allradantrieb, vorne: doppelte Querlenker, Stabilisator, Federbeine, hinten: Querlenker, Stabilisator, Federbeine, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 4441/1765/1497 mm, Radstand 2595 mm, 5 Sitze, Wendekreis 11,0 m, Servo, Reifendimension 225/55 R 17, Tankinhalt 50 l, Reichweite (bis Tankres.) 530 km, Kofferraumvol. 360-1180 l, Leergewicht 1530 kg, zul. Gesamtgew. 2025 kg, max. Anh.-Last 1450 kg, 0-100 km/h 10,5 sec, 60-100 km/h (im 4./5. Gang) 7,5/9,9 sec, Spitze 192 km/h, Steuer (jährlich) EUR 567,60, Normverbr. (Stadt/außerorts/Mix) 9,3/5,8/7,1 l, Testverbrauch 8,5 l Diesel
Preis: EUR 35.200,-

Offroad-Daten: permanenter Allradantrieb mit zentralem Torsen-Differenzial (Grund-Aufteilung v:h 42:58), Differenzialsperre via Bremseingriff, Böschungswinkel v/h 17,6°/24,4°, Rampenwinkel 17,7°, max. Bodenfreiheit 180 mm, sonst keine Angaben

FAHREN & FÜHLEN
Der durchschnittlich laufruhige, gut gedämmte Commonrail-Diesel legt nach kurzer Anfahrschwäche bullig los. Schaltung: gut gestuft, etwas langwegig, perfekt platzierter Hebel. Lenkung: direkt und präzise, agiles Handling. Komfortable Federung, dennoch keine starke Seitenneigung in schnellen Kurven – diese werden ohne Lastwechsel-Tücken durchfahren. Top-Traktion. Vordersitze: groß, bequem, guter Seitenhalt, mühsame Lehnen-Verstellung.

PLATZ & NUTZ
Abgesehen von der guten Ellbogenfreiheit liegen alle Innen-Maße bestenfalls im Klassenschnitt. Sehr klein und über eine hohe Ladekante zu beladen: der Kombi-Kofferraum, immerhin mit weit aufschwingender Heckklappe. Erweiterbar ist er via Ski-Durchreiche oder 2:1 umlegbarer Fondbank, die Kopfstützen müssen dazu runter, der Ladeboden bleibt eben. Minus: kleiner Tank, Lenkrad nicht weit genug in Reichweite verstellbar, wenig Ablagen. Aufpreis-Einparkhilfe empfehlenswert.

DRAN & DRIN
Die Basis-Ausstattung Progression“ bietet schon viel Feines, unter anderem. Klimaautomatik, Tempomat, CD-Radio inkl. 6 LS und Lenkrad-Fernbedienung, Bordcomputer und Aluräder. Attraktiv kalkuliert: das „Distinctive“-Paket um 2300 Euro, es enthält Xenon, Einparkhilfe, Lederpolsterung und Sitzheizung. Weitere Extras: Holz-Lenkrad, Navigation, CD-Wechsler, Regensensor, E-Schiebedach etc. Nicht mit Automatik zu haben. Hochwertige Materialien, gelungenes Styling innen wie außen, Verarbeitung relativ sauber.

SICHER & GRÜN
Serie: sechs Airbags, Bremsassistent, elektronisches Stabilitätsprogramm, Isofix-Halterungen, fünf Dreipunktgurte und ebenso viele Kopfstützen (reichen vorne bis zu einer Körpergröße von 1,90 Meter, hinten bis 1,80 Meter). Umwelt-Patzer: Lacke nicht auf Wasserbasis, kein Partikelfilter erhältlich, Motor schafft nur Euro-3-Abgasnorm. Sprit-Verbrauch überland recht hoch.

STOCK & STEIN
Permanenter, leicht hecklastiger Allradantrieb, Kraftverteilung über zentrales Torsen-Differenzial, Traktionskontrolle über rad-selektiven Bremseingriff. 18 Zentimeter Bodenfreiheit taugen nur für Feldweg & Co., ebenso die Böschungs- und Rampenwinkel. Kein Untersetzungs-Getriebe, mit Einzelradaufhängung geringe Verschränkungen möglich.

PREIS & WERT
Ein Blick ins Segment der 4×4-Diesel-Kombis: Skodas Octavia ist billiger und schwächer, VW Passat und v.a. Audi A4 sind teurer & stärker. Ebenfalls teurer: BMW X3 und der größere Volvo XC70. Zwei Jahre Garantie inklusive Mobilitäts-Schutz, acht Jahre Antidurchrost-Versprechen. Gute Wiederverkaufs-Chancen. Inspektion und Ölwechsel alle 20.000 Kilometer, ausreichend Service-Stellen.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL :
Schicke Mischung aus Soft-SUV und Allrad-Kombi.


Foto: Len Vincent

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 4/2005

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