Autonomes Auto überfährt und tötet Fußgängerin

20. März 2018
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Aktuelles

Im US-amerikanischen Bundesstaat Arizona ist es in der Nacht auf Montag zum ersten, bekannten Unfall mit Todesfolge gekommen, an dem ein autonom fahrendes Auto beteiligt war. Der Testwagen von Uber – ein Volvo XC90 – überfuhr in der Stadt Tempe eine Frau beim Überqueren der Straße. Diese erlag später ihren Verletzungen und starb.

Laut Angaben der US-Polizei – so der Bericht der New York Times – befand sich das Auto im Selbstfahrmodus. Der menschliche Fahrer, der zu diesem Zeitpunkt der Testfahrten von Uber immer noch aus Sicherheitsgründen hinterm Steuer sitzt, hatte nicht die Kontrolle übernommen. Über den genauen Unfallhergang ist noch wenig bekannt. Sgt. Ronald Elcock, Polizeisprecher in Tempe, sagte während einem ersten Interview, dass der Wagen nach aktuellem Stand wohl mit 40 Meilen pro Stunde unterwegs war (rund 64 km/h) und nicht bremste als er die Fußgängerin, die ihr Rad über die Straße schob, erfasste. Das Wetter war gut, die Straße trocken.

Sowohl die US-Verkehrssicherheitsbehörde (NHTSA), die Unfallermittlungsstelle (NTSB) und Uber selbst kündigten an, den Fall genau untersuchen zu wollen. Zudem stellte Uber, wie schon nach dem Unfall im März 2017, die weiteren Tests ein. Diese fanden bis dato in Tempe, Pittsburgh, San Francisco und Toronto statt.

Durch diesen Unfall beginnen sich nun einige der vorab schon klar gewesen Fragen mit trauriger Härte tatsächlich zu stellen. Vor allem: Wer ist schuld wenn ein Roboter-Auto einen Menschen tötet. Der Mensch an Bord? Der Hersteller? Niemand? Klar: Noch ist nicht geklärt wer von den Betroffenen aller durch eventuelles Fehlverhalten tatsächlich Schuld oder Mitschuld an der Tragödie trägt. Doch allein davon ausgehend, dass erst am selben Tag ein anderes, autonom fahrendes Uber-Testauto, dabei gefilmt wurde wie es bei Rot über eine Kreuzung fuhr, lässt zumindest nicht ausschließen, dass die Elektronik die Fußgängerin schlicht übersehen hat.

Dadurch wird der weitere Verlauf dieses Prozesses nicht nur für Uber selbst überaus spannend, sondern natürlich auch für die gesamte, restliche Branche. Immerhin forschen neben Uber und anderen Robotik-Firmen wie Waymo auch viele Autohersteller selbst an autonom fahrenden Autos. Die Politik jedenfalls lässt bereits klar erkennen, in welche Richtung es geht. Senator Richard Blumenthal, Demokrat in Connecticut, sagte:

“This tragic incident makes clear that autonomous vehicle technology has a long way to go before it is truly safe for the passengers, pedestrians, and drivers who share America’s roads,”

Der Fall und die daraus folgenden Fragen wecken freilich die Erinnerung an den Todesfall eines Tesla Model S-Fahrers aus 2016, dessen via “Autopilot” gesteuerter Wagen in einen Sattelschlepper raste. Auch er kam ums Leben. Die Frage der “Schuld” war auch hier nicht leicht zu klären – gerade im US-Justizsystem, wo es dann bald schon um die Feinheiten der Benennung “Autopilot” und den Fakt ging, dass der Fahrer während des Unfalls wohl eine Harry Potter-DVD eingelegt hatte und sich den Film ansah statt auf die Straße zu achten.