Chrysler Grand Voyager 2,5 CRD Limited

30. April 2001
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Chrysler
Klasse:Van
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:141 PS
Testverbrauch:9,1 l/100km
Modelljahr:2001
Grundpreis:48.479 Euro

Österreichs Lieblings-Van Chrysler Grand Voyager: ein Riese wie eh und je, im Detail aber stark verbessert

Der neue Chrysler Voyager sieht nur auf den ersten Blick wie eine Facelift-Version des Vorgängers aus, der man bloß den bösen Scheinwerfer-Blick ausgetrieben hat. Zwar änderte sich nichts an der bewährten Silhouette, trotzdem ist das ab sofort erhältliche 2001er-Modell eine völlige Neukonstruktion, die um ein paar Zentimeter länger und breiter als der Vorgänger geriet. Das mehr als präsente Erscheinungsbild ist dem Voyager – vor allem als siebensitziger und für UnternehmerInnen wie gewohnt vorsteuer-abzugsfähiger Grand Voyager – also geblieben, im Detail ging Chrysler aber nach der „Wir-eliminieren-Fehler-Punkt-für-Punkt“-Taktik vor.

Punkt eins: Raumangebot. An Platz mangelte es ja schon dem Vorgänger nicht, das aktuelle Modell hat trotzdem um einige Zentimeter zugelegt. Vor allem die beiden Passagiere der zweiten Reihe können sich über ausufernde Bein- und Ellbogenfreiheit freuen – auch über den um fast acht Zentimeter gewachsenen Kopf-Raum und die geräumige, bei Bedarf entfernbare Mittelkonsole. Die Dreier-Bank im Fond entert man sehr kommod, für drei ausgewachsene Kerle ist sie allerdings zu schmal. Aber schwergewichtig: Wer diese 40-Kilo-Bank ausbauen will, hat entweder ein paar Jahre lang Kraft-Dreikampf trainiert – oder jemanden zur Hilfe. Immerhin besitzt das Sofa Rollen, die das Rangieren im Auto erleichtern.

Der Voyager schluckt wahlweise sieben Passagiere oder eine halbe Wohnzimmer-Einrichtung.

Punkt zwei: Sicherheit. Hier hat Mutter Daimler ihre Tochter Chrysler besonders streng beäugt. Ergebnis: Die zu weiche Karosserie-Struktur wurde verstärkt, was Komfort und Crash-Sicherheit gleichermaßen nützt. Vorne gibt es jetzt je nach Unfall-Schwere adaptiv auslösende Airbags und Seitenairbags mit Kopfschutz, die ehemals schwächelnden Bremsen wurden wesentlich großzügiger dimensioniert und kriegen Wirkung beziehungsweise Dosierbarkeit nun brav hin. Nur auf die Frage nach ESP antworten nach wie vor bloß die Vans der VW-Gruppe positiv.
Punkt drei: Motor. Zur von uns getesteten Version „langer Radstand mit Dieselmotor“ greifen gut zwei Drittel aller Voyager-Kunden. Das dürfte sich künftig kaum ändern, denn der 2,5-Liter-Vierzylinder von VM Motori (eine italienische Motorenschmiede, die Detroit Diesel und damit DaimlerChrysler gehört), erhielt ein komplett neues Köpfchen mit vier Ventilen pro Zylinder und Common-Rail-Einspritzung. Das bringt ihm satte 25 PS mehr (jetzt 141) und 320 statt 280 Newtonmeter Maximal-Drehmoment. Bei gleichzeitig stark verringerten Geräuschen und Vibrationen sowie gesenktem Verbrauch. Weniger gut steht dem topmodernen Aggregat, dass man lange vorglühen muss, dass in der Kaltlauf-Phase wenig Leistung zur Verfügung steht und dass man im unteren Drehzahl-Bereich in ein ausgewachsenes Turboloch plumpst, aus dem sich der Motor erst bei 2000 Touren wieder herausrappelt – wohl auch ein Verdienst des hohen Eigengewichts und der langen Spritspar-Übersetzung.
Punkt vier: Handling. Hier machte Chrysler nachhaltig Schluss mit Bus. Die Sitzposition ist angenehm pkw-haft, das Lenkrad steht steil, wie es sich gehört. Die Lenkung ist gleichermaßen präzise wie direkt, die Federung straff, das Fahrverhalten gutmütig, die Wank-Neigung nicht vorhanden. Fast möchte man meinen, der Riesen-Van schrumpfte in Bewegung um einen guten Meter, so handlich fährt er sich. Doch diese aufkeimende Unsicherheit übers Voyager-Format erledigt sich gleich beim nächsten flotten Einpark-Manöver. Dann wird der Grand Voyager nämlich blitzartig wieder zum 5,10 Meter langen Reise-Riesen.

TECHNIK
Chrysler Gr. Voyager 2,5 CRD Ltd.
4-Zylinder-Reihe, 4-Ventil-Technik, Turbo, 2499 ccm, 104 kW (141 PS) bei 4000/min, max. Drehmoment 320 Nm bei 2000/min, Fünfgang-Getriebe, Vorderradantrieb, vorne: Federbeine mit Gasdruck-Stoßdämpfern, Querstabilisator, hinten: Starrachse, Blattfedern, Panhardstab, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 5094/1803/1997 mm, Radstand 3030 mm, 7 Sitze, Wendekreis 12,0 m, Servo, Reifendimension 215/65 R 16, Tankinhalt 75 l, Reichweite (bis Tankreserve) 740 km, Kofferraumvolumen 440-4680 l, Leergewicht 2040 kg, zul. Gesamtgewicht 2620 kg, 0-100 km/h in 12,6 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 11,5 sec, Spitze 185 km/h, CO2-Emission 210 g/km, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 9,7/6,5/7,7 l, Testverbrauch 9,1 l Diesel
Preis: 664.100,-
Serienausstattung: Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Seitenairbags m. Kopfschutz vorne, ABS, sieben Dreipunktgurte (vorne mit Straffern und Gurtkraftbegrenzern), Lederpolsterung, Klimaanlage, Fernbedien-Zentralsperre, vier E-Fensterheber, el. Fond-Ausstellfenster, beheiz- und anklappbare E-Außenspiegel, Heckklappe und beide Schiebetüren öffnen bzw. schließen elektrisch, Fahrersitz el. verstellbar, Sitzheizung vorne, (Leder-) Lenkrad höhenverstellbar, Einzelsitze in 2. Reihe sowie Dreier-Sitzbank in 3. Reihe (verstell- vorklapp- und entfernbar), autom. Niveauregulierung, Isofix-Kindersitzhalterung, CD-Radio inkl. 10 LS, CD-Wechsler, Tempomat, Außentemperaturanzeige, Bordcomputer, Alarmanlage, verchromte Alufelgen, Nebelscheinwerfer, Dachreling, Laderaumabdeckung, Scheinwerfer-Reinigungsanlage, dunkel getönte Fondscheiben etc.
Extras: Metallic-Lack S 4966,-

FAHREN & FÜHLEN
Der neu entwickelte Common-Rail-Diesel brummt zwar selbst im Kaltlauf angenehm leise, dafür braucht er viel Vorglüh-Zeit und weist ein unzeitgemäßes Turboloch bis etwa 2000 Touren auf. Die lange Übersetzung und das hohe Fahrzeug-Gewicht (zwei Tonnen) sind am Temperaments-Manko nicht ganz unbeteiligt. Die Schaltung: exakt, durchaus kurzwegig, aber hakelig. Dicke Pluspunkte gibt´s für die präzise, im richtigen Maß leichtgängige Lenkung, das verblüffend agile Handling und das ausgewogen straff-komfortable Fahrwerk, das den Riesen-Van bei (zu) flotter Fahrt bloß gutmütig untersteuern lässt. Ebenfalls OK: fein dosierbare, wirkungsvolle Bremsen, kaum Wind- und Abroll-Geräusche, wuchtig-bequeme, easy verstellbare Vordersitze.

PLATZ & NUTZ
Mehr als genug Passagierraum in den Reihen eins und zwei, die Dreier-Bank im Fond ist knapper geschnitten, die Kopffreiheit hält sich dort ebenfalls in Grenzen. Der glattflächige Laderaum setzt mit seinem Maximal-Volumen von 4680 Liter den Klassen-Rekord. Transport-Plus: riesiges, weit aufschwingendes Heck-Tor, niedrige Ladekante. Variabilität: Sitze der zweiten Reihe sowie Fond-Bank beliebig verstell-, vorklapp- oder entfernbar. Dank großer Schiebetüren angenehmer Zustieg in die dritte Reihe. Gelungen: recht kompakter Wendekreis, gute Rundum- und Übersicht nach hinten, große Außenspiegel. Unpraktisch: eigenes Schloss für den Tankdeckel, gewichtige Fond-Bank, One-Touch-Fensterheber nur fahrerseitig, relativ bescheidene Zuladung.

DRAN & DRIN
In der Top-Ausstattung „Limited“ voll gestopft mit Luxus à la Lederpolsterung oder Klimaanlage sowie US-typischen Gimmicks (die Heckklappe öffnet und schließt wie die Schiebetüren elektrisch). Metallic-Lack als einziges Extra, Automatik nicht erhältlich. Hochwertig-robuste Material-Anmutung, gute, aber nicht bis ins kleinste Detail – Passungen, Spaltmaße – perfekte Verarbeitung.

SICHER & GRÜN
Die Safety-Beigabe: Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Seitenairbags mit Kopfschutz vorne, ABS, Isofix-Kindersitzhalterung, Dreipunktgurte (vorne mit Straffern und Gurtkraftbegrenzern) und Kopfstützen für alle sieben Sitzplätze – vorne bis zu einer Körpergröße von 1,85 Meter, in der Mitte bis 1,80, hinten nur bis 1,65 einstellbar. Nicht erhältlich: ESP. Keine Umwelt-Patzer, brav beim Verbrauch.

PREIS & WERT
Als Grand Voyager „Limited“ einer der teuersten Vans in Österreich, als „SE“ ohne Show-Schnockes, aber mit Klima, E-Fensterhebern und E-Spiegeln bereits um 487.500 Schilling zu haben – und damit voll auf Konkurrenz-Höhe. Zwei Jahre Fahrzeug- und Mobilitäts-Garantie, sieben Jahre Anti-Rost-Gewährleistung, Ölwechsel und Service alle 20.000 km. Minus: dünnes Werkstatt-Netz, eher schwache Werthaltung – möglicherweise wirkt da noch das Pannen-Image des in den USA gebauten Voyager I nach.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL:
In Bewegung ein flotter Mittelklassler, bei Ladevolumen und Parkraum-Bedarf allerdings ein ausgewachsener Bus.

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