Erster Test: Dacia Jogger

6. Juli 2022
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Aktuelles

Zwanzig Zentimeter Bo­­denfreiheit haben längst nicht alle SUV, der Dacia Jogger schon. Allrad gibt es bei ihm nicht, aber selbst das ist mittlerweile nicht untypisch im Segment der Gehsteig-Kraxler. Mit mehr als 4,5 Metern ist er aktuell das längste Modell der rumänischen Renault-Tochter, da gehen sich nicht nur knapp 2,9 Meter Radstand aus, sondern gegen 800 Euro Aufpreis sogar zwei Klappstühle in Reihe drei – 40 Prozent der Kunden werden damit abfahren. 

Damit ist der Jogger der billigste Siebensitzer am Markt, los geht es mit Fünfer-Bestuhlung und riesigem Laderaum bereits bei knapp 15.000 Euro – wobei den Preislisten-Lockvogel kaum jemand kaufen wird, weil ohne Klima, Tempomat und auch in Tiefe verstellbarem Volant. Das alles hat der „Comfort“ um 1900 Euro Aufpreis sowie unter anderem noch Einparkhilfe hinten, elektrische Außenspiegel, elektrische Fensterheber auch im Fond, 8 Zoll-Touchscreen, Bluetooth und Regensensor.

 

Wer noch einen Tausender übrig hat, greift zum „Extreme“ und kann sich dann an Alurädern, schlüssellosem Zugang, Smartphone-Anbindung, Klima-automatik und Rückfahrkamera erfreuen. Bei den Assistenzsys­temen muss man freilich mit ­einem Mindestmaß das Auslangen finden, gegen Aufpreis gibt es einen Toterwinkel-Warner. Was allen Varianten gemein ist: der massive Hartplastik-Einsatz und eine wenig liebevolle (wenn auch klapperfreie) Verarbeitung mit vielen unverkleideten Elementen – der Wagenheber ist ­etwa gut sichtbar an der linken Kofferraumwand aufgespannt. 

Dazu gibt’s bestenfalls mittelmäßige Variabilität, die 2:1-Bank in Reihe zwei ist unverrückbar, und deren Lehnen-Neigung lässt sich nicht verstellen. Die zwei Sitze ganz hinten kann man ­immerhin ausbauen, sie sind
mit je zehn Kilo auch nicht zu schwer. Und das Platzangebot? Gar nicht so schlecht – selbst ganz hinten halten es Erwach­sene eine Weile aus. Das Ladevo­lumen wird freilich gar knapp bei voller Personal-Besetzung.

 

Keine Wunder darf man sich dann auch vom einzig verfügbaren Triebwerk erwarten. Der Dreizylinder-Benziner ist nicht unkultiviert und profitiert vor allem vom niedrigen Fahrzeuggewicht. Automatik ist keine erhältlich – die gibt es erst nächstes Jahr, wenn die Hybrid-Version mit 140 PS Systemleistung folgt. Dank rund 100 Gramm CO2 wird sich hier wohl eine NoVA-Befreiung ausgehen.

Schon jetzt gefällt der Jogger mit seiner komfortablen Abstimmung (auch dank hoher Reifenflanken), dennoch wankt er in flotten Kurven nicht zu sehr. Wie schon beim Plattform-Bruder Sandero könnte man sich die Schaltung exakter vorstellen, dafür liefert die Lenkung gutes Fahrbahn-Feedback.

Stichwort Sandero: Der Kleinwagen schaffte es im Vorjahr erstmals in die Top Ten der Neuzulassungen, bei Privatkunden lag die Marke Dacia in Österreich auf dem sensationellen dritten Platz. Mit der  Rucksack-Variante Jogger wird die Erfolgsstory wohl weitergehen.  

Daten & Fakten

Basispreis in € 16.890,– (17.890,–)
Zyl./Ventile pro Zyl. 3/4
Hubraum in ccm 999
PS/kW bei U/min 110/81 bei 5000–5250
Nm bei U/min 200 bei 2900–3500
Getriebe Sechsgang-Getriebe
L/B/H, Radst. in mm 4547/1784/1691, 2897
Kofferraum/Tank in l (160) 607–1819 / 50
Leergewicht in kg 1233 (1261)
0–100 km/h in sec 10,5 (11,2)
Spitze in km/h 180
WLTP-Normverbrauch in l (kombiniert) 5,6–5,7
CO2-Ausstoß in g/km 127–130

Werte in Klammer für Version mit sieben Sitzen

1 Kommentare

  1. Habt ihr – als Fachpresse – eigentlich Infos darüber, warum der Jogger nicht mit Automatik angeboten wird?
    Bei den ersten Meldungen zu dem Auto (nicht bei der offiziellen Vorstellung!) war zu lesen, dass der 110 PS-Motor wahlweise mit CVT-Getriebe lieferbar sein würde.
    Der Hybrid wiederum dürfte wohl den Preisrahmen sprengen, den viele Interessenten für einen Dacia akzeptieren würden.
    MFG J

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