Erster Test: Kia EV6

16. Dezember 2021
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Aktuelles

Wenn die ersten EV6 auf unseren Straßen zu sehen sein werden, könnte das für Aufsehen sorgen, das zeigte unsere erste exklusive Ausfahrt. Elegant, dennoch bullig und sportlich, dazu mit interessanten De­­tails wie hinteren Blinkleuchten in Chromleisten – Kias Crosso­ver kann was in Sachen Design.

Doch auch bei der Ladetechnik zeigt Koreas neuester Strom-Streich auf: 800 Volt Spannung findet man sonst nur in der Oberklasse. So wie einen Radstand von 2,9 Metern, der für fürst­liche Beinfreiheit sorgt. Mittelmaß spielt es durch die Akkus im Fahrzeugboden und die flache Form dagegen in Sachen Kopffreiheit. 

Die lässt sich in Reihe zwei durch die neigungsverstellbaren Fondlehnen entschärfen – klappt man sie vor, bleibt die Ladefläche des familientauglichen Kofferraums eben, sofern der doppelte Boden in der höheren der beiden Positionen montiert ist. Bei den maximalen Lade-Litern kann der EV6 nicht punkten – die flotte Heck-Form verschenkt eindeutig Platz. Immerhin: Mit großem Akku dürfen Anhänger bis 1600 Kilo gezogen werden.

 

Der Fahrer freut sich dank vielfach verstellbarem Möbelstück über eine ­Top-Sitzposition, auch die Ergonomie passt. ­Dazu gibt es einige echte Knöpfe und Schalter – wobei sich die klas­sischen Versionen am Lenkrad besser bedienen lassen als die Softtouch-Pendants (etwa für die Sitzklimatisierung) an der Mittelkonsole.  

Auffallend: wie leise Kias neuer Stromer unterwegs ist. Gerade bei einem Elektroauto treten ja Fahrgeräusche abseits des Motors gerne in den Vordergrund. Nicht so hier. Gut funktioniert die automatische Rekuperation (als Alternative zu den fix einstellbaren Stufen via Lenkrad-Paddels), allerdings benötigt man dazu ein vorausfahrendes Fahrzeug.   

Und die restlichen Fahr-und-Fühl-Komponenten? Die Aufhängungs-Abstimmung zeigt ­einen guten Kompromiss aus Komfort und Dynamik, die Bremsen lassen sich gut dosieren, die Lenkung ist präzise und aus­reichend direkt, wenngleich etwas künstlich im Feedback. Fein: Das große Headup-Display kann Augmented Reality-Infos in die Windschutzscheibe spiegeln, auch das kennt man eher nur von Oberklasslern. 

Drei Version stehen zum Marktstart im Oktober zur Verfügung, die mittlere Variante (großer Akku, Heckantrieb) bietet in Sachen Reichweite natürlich das Optimum: laut Werk deutlich über 500 Kilometer (siehe Tabelle rechts).

 Die Ladezeiten sind an entsprechenden potenten Stationen höchst attraktiv, bei 50 kW Gleichstrom ist der große Akku in 73 Minuten wieder zu 80 Prozent voll (der kleine 10 Minuten früher), bei 350 kW gelingt dieselbe Übung in jeweils 18 Mi­nuten. An einer 11 kW-Wallbox braucht man dagegen Geduld, 7:20 bzw. 5:55 Stunden lautet hier die Auffüll-Dauer. 

Interessant: Der EV6 kann auch als Stromquelle zum Laden anderer E-Autos genutzt werden bzw. zum Betrieb von Elektrogeräten wie etwa Griller, TV oder Beamer, anzapfen lassen sich bis zu 3,6 kW. Zumindest bis die Akkus unter 20 Prozent Ladestand fallen. 

Los geht es bei Kias neuem Strom-Star knapp unter 44.000 Euro, und selbst das Ba­­sismodell kommt schon mit ­Navigation, Adaptiv-Tempomat, einigen Assistenzsystemen, ­Zentral-Airbag, Wärmepumpe, Rückfahrkamera, schlüssellosem Zugang und Sitzheizung. Über Ausstattungslinien lässt sich der EV6 zum Luxusartikel aufrüsten, unter anderem mit Kunstleder oder Alcantara, elektrischen Sitzen, E-Heckklappe, Rundumkamera, Sitzklimatisierung, Sitzheizung auch hinten, Matrix-LED-Licht oder Glasdach sowie der vollen Armada an Sicherheits- Assistenten.

Richtig fett wird es im Spätherbst 2022: Dann startet das Topmodell mit 585 PS und 740 Nm, in nur 3,5 Sekunden soll es einen darin auf Tempo 100 reißen, Schluss mit dem Vortrieb ist erst bei 260 km/h. Trotz Vollausstattung werden hier „nur“ knapp 70.000 Euro am Preiszettel stehen – eine echte Ansage an etablierte Premium-Anbieter. 

Daten & Fakten

Basispreis in € 43.990,–
Motortyp Synchronmotor
Leistung PS/kW 170 (125)
Drehmoment Nm 350
Batterie netto in kWh 58
Getriebe Eingang-Automatik
L/B/H, Radst. in mm 4680/1880/1550, 2900
Kofferraum 520–1300
Leergewicht in kg 1870
0–100 km/h in sec 8,5
Spitze in km/h 185
WLTP-Normverbrauch in kWh/100 km 16,0
WLTP-Reichweite 394
Basispreis in € 49.890,–
Motortyp Synchronmotor
Leistung PS/kW 229 (168)
Drehmoment Nm 350
Batterie netto in kWh 77
Getriebe Eingang-Automatik
L/B/H, Radst. in mm 4680/1880/1550, 2900
Kofferraum 520–1300
Leergewicht in kg 1910
0–100 km/h in sec 7,3
Spitze in km/h 185
WLTP-Normverbrauch in kWh/100 km 16,5–17,2
WLTP-Reichweite 504–528
Basispreis in € 53.790,–
Motortyp Synchronmotor
Leistung PS/kW 325 (239)
Drehmoment Nm 605
Batterie netto in kWh 77
Getriebe Eingang-Automatik
L/B/H, Radst. in mm 4680/1880/1550, 2900
Kofferraum 490–1260
Leergewicht in kg 2015
0–100 km/h in sec 5,2
Spitze in km/h 185
WLTP-Normverbrauch in kWh/100 km 17,2–18,4
WLTP-Reichweite 472–506

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