Im Rückspiegel: Alles Auto vor zehn Jahren, KW 26

29. Juni 2016
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Allgemein

Falls Sie es noch nicht wissen sollten: Es kommt eine neue Giulia! Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit tauchen die Mailänder Autobauer wieder auf. Doch fragt sich eigentlich jemand, warum sie eigentlich weg waren? Die Antwort darauf findet sich im Fotoarchiv. Denn vor genau zehn Jahren kamen wir in den, ja, Genuss, diesen 159 3,2 V6 ausprobieren zu dürfen.

Schön war er ja, keine Frage. Und ich weiß noch, wie das bei der Abholung war, als ein knallrotes Tuch vom knallroten Alfa gezogen wurde. Es fehlte nur mehr Trommelwirbel und zwei Nebelmaschinen, dann wäre die Inszenierung unerreicht gewesen. Und weil es ja wirklich schon so lange her ist und der Neuanfang quasi auf der Fußmatte die Reifen wetzt, können wir ja im Sinne der Vergangenheitsbewältigung mit der ganzen Wahrheit rausrücken.

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Also: Es gab immer Dinge, die bei den Alfas nicht gepasst haben. Meist waren es sympathische Unpässlichkeiten, wie etwa die Warnmeldung im Bordcomputer, dass man die Handbremse vor dem Losfahren nicht gelöst hatte: „Sie haben Handbremse einschalten!“ Es war auch nicht schlimm, wenn sich Verkleidungsteile im Armaturenbrett bewegen ließen, das war immer eine nette Ablenkung im Stau, wenn man was zum rumdrücken hatte. Aber die Technik, die hat halt leider auch nicht immer gepasst. „Dieses mal aber schon, weil der ist präpariert“, hat uns der (mittlerweile nicht mehr bei Alfa tätige) Verantwortliche vorzeitig den Wind aus den Segeln genommen. Und tatsächlich, der Alfa lief sensationell.

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Der Motor war fühlte sich sowieso immer wie ein großvolumiger Landwein während eines Sommerurlaubs in der Toskana an – vollmundig, wohlschmeckend, aber keinesfalls bitter im Abgang. Klangtechnisch zwischen Meeresrauschen und Opernsaal angesiedelt, und ich muss zugeben, das war so beeindruckend, dass man über manche Unpässlichkeiten schlicht hinweggehört hat. Das Getriebe zum Beispiel, wo kein Gang reinging, ohne zu kratzen.

Oder das Navi, das zwar den Weg lotste, aber zu einem Ziel, das keiner eingegeben hatte. Sagen wir, es
war damals schon absehbar, dass es so irgendwie nicht mehr IMG_0643aweitergehen konnte. Die GM-Fiat-Powertrain-Wahnsinnskombination war eh im Begriff, sich aufzulösen, da mussten es nicht auch die Autos tun. Also lieber einen Rückzug aus dieser Klasse, bevor der nächste Hobel ein totaler Rohrkrepierer wird. Ob die neue Giulia in die Reifenspuren des 159 schlüpfen wird, oder doch alles besser macht? In zehn Jahren werden wir genau an dieser Stelle darüber berichten.

 

 

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