Leasing-News: Diesel-Problematik, Flotten-Fahrzeuge und Elektroauto-Leasing

17. Juli 2017
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Aktuelles

Österreich ist ein Leasing-Land – der Anteil an „gemieteten“ Autos beträgt insgesamt fast 40 Prozent, bei Unternehmern sind es sogar mehr als 51 Prozent. Besonders beliebt sind das Ope­rating-Leasing und das Restwert-Leasing. Ersteres ist vor ­allem ein Thema für Firmen und Selbstständige. Hier kann man die Leasingraten 1:1 als Betriebsausgabe geltend machen, weil es rein auf die Nutzung abzielt und dabei nach außen kein Restwert kommuniziert wird.

Im Hintergrund gibt es den Restwert sehr wohl, doch er muss den Kunden nicht in­teres­sieren, weil das sogenannte Verwertungsrisiko allein bei der Leasingfirma liegt. Ein großer Vorteil, falls sich innerhalb der Leasing-Periode ein signifikanter Wertver­lust ergeben sollte. Etwa, weil ein Diesel-Skandal die Auto-Welt erschüttert hat, oder weil es sich um ein Elektrofahrzeug handelt und inzwischen ein Modell mit weit hö­he­rer Batteriekapazität zum fast gleichen Preis auf den Markt gebracht wurde.

Leasing steigt nach wie vor in seiner Beliebtheit. Autos mit alternativen Antrieben sind bei Privaten eher eine Herzensangelegenheit, bei Flottenmanagern müssen sie sich schlichtweg rechnen

Leasing steigt nach wie vor in seiner Beliebtheit. Autos mit alternativen Antrieben sind bei Privaten eher eine Herzensangelegenheit, bei Flottenmanagern müssen sie sich schlichtweg rechnen

Klassisches Restwert-Leasing wird hingegen vor allem von Privatkunden gewählt. Hier wird der Restwert offengelegt, ebenso leistet man zu Beginn ­eine Anzahlung. Diese (eigentlich eine Depotzahlung) beträgt üblicherweise 30 Prozent des Fahr­zeugpreises und kann zur Senkung der monatlichen Raten aufgezehrt werden. Oder sie bleibt bestehen und wird am ­Ende des Leasings verzinst zurückgezahlt – um sie etwa zum Ankauf des Autos oder zur Anzahlung des Nachfolgers zu ver­­­­­­­­­­­wen­den. Die meisten Kunden wollen freilich niedrige Monatsraten und wählen daher ein auf­zeh­rendes Depot.

Beim Restwert-Leasing wäre man voll betroffen, würde der Wiederverkauf aufgrund der ­erwähnten äußeren Umstände spürbar erschwert. Hier schützt die Restwert-Ga­rantie, die manche Autohersteller-eigene Leasing-Firmen anbieten. Aber Vorsicht: Sie ist kein Freibrief ­dafür, das Auto rundum ver­­­­­schrammt zurückzugeben.

Elektroautos sind aufgrund ihres unsicheren Restwerts vor allem ein Thema für Operating-Leasing, bei dem die Leasing-Anbieter das Verwertungsrisiko tragen­

Elektroautos sind aufgrund ihres unsicheren Restwerts vor allem ein Thema für Operating-Leasing, bei dem die Leasing-Anbieter das Verwertungsrisiko tragen­

Elektroautos sind derzeit aufgrund der von Fiskus und Auto-Importeuren gemeinsam aufgestellten Prämie von bis zu 4300 Euro besonders interessant, deren Restwert ist aber weitgehend unabsehbar und wird daher meist niedriger angesetzt als bei Autos mit klassischem Verbrennungsmotor. Michael Osinger, Leasing-Experte bei der Erste Bank, hält Leasing im Bereich der Elektro-Fahrzeuge daher für alternativlos: „Das Mit­­tel der Wahl ist hier zweifellos Operating-Leasing, auch für Private. Ansonsten trägt der Kunde nämlich das Restwertrisiko, das durch die schnelle Weiterent­wickl­ung der (Batterie-)Technologie bei E-Mobilen für die Zukunft schwer abschätzbar ist.“Sind Elektro-Fahrzeuge beim Leasing daher zusehends gefragt? Jein. Hannes Mau­rer, Vorstand der Porsche Bank: „Ein Außendienstmitarbeiter, der 60.000 Kilometer im Jahr fährt, wird derzeit mit einem Elektroauto seiner Arbeit nicht effizient nach­gehen können. Derzeit finden wir E-Fahrzeuge vorwiegend als Poolfahrzeuge in Firmenfuhrparks.“

Die Elektrofahrzeug-Förderung ist dabei natürlich ein Thema. Maurer erläutert: „Die Förderung ist abhängig vom Zu­lassungsbesitzer. Ist dieser eine Privatperson, steht ihm eine För­­­derung in Höhe von 4300 Euro zu. Der Förderanteil des Importeurs (1800 Euro) wird ­sofort bei Vertragsabschluss in Abzug gebracht und reduziert den Fahrzeugpreis und somit auch das Leasingentgelt. Der Anteil des Bundes (2500 Euro) muss vom Leasingnehmer zunächst in Form einer Eigenleistung in den Lea­singvertrag eingebracht werden. Nach Zulassung des e-Autos beantragt der Kunde selbst die Rückerstattung des Bundesanteils.“

„Hybrid-Modelle werden vor allem im höherpreisigen Segment – BMW 5er aufwärts – nach- gefragt. Man de- monstriert damit eher, dass man Geld hat, als dass man es sparen will.“ Michael Osinger, Leasing-Experte der Erste Bank

„Hybrid-Modelle werden vor allem im höherpreisigen Segment – BMW 5er aufwärts – nachgefragt. Man demonstriert damit eher, dass man Geld hat, als dass man es sparen will.“
Michael Osinger, Leasing-Experte der Erste Bank

Wem die Zeit für ein Elektroauto noch nicht reif erscheint, der könnte in der wach­senden Zahl an Hybriden und Plug-In-Hybriden (größere Elektro-Reich­­­­weite, externe Lade-Möglichkeit) eine Alternative finden.

Was sagen die Leasing-Experten dazu? Michael Osinger: „Obwohl das Thema durchaus diskutiert wird, werden nach wie vor Diesel-Fahrzeuge angeschafft. Hybrid-Modelle werden vor allem im höherpreisigen Segment nachgefragt.“ Gerade Plug-In-Hybride würden zwar eine sensationell niedrige NoVA von oft sogar null Prozent aufweisen, absolut gesehen seien sie aber noch immer teuer.

Diesel-Fahrzeuge sind im Leasing-Bereich also wie gehabt das Gebot der Stunde, Abgas-Skandalen und angedrohten ­City-Fahrverboten zum Trotz. Dass deren Rest­werte unter Druck geraten seien, kann Porsche-Bank-Chef Hannes Maurer nicht be­stätigen: „Zwar werde von Flottenmanagern zunehmend nach Benziner-Alter­­­na­tiven gefragt, letztlich entscheiden aber die TCO (Total Cost of Ownership, also Gesamt­kosten über die Laufzeit) über die Fahrzeugwahl.“

Was Privatkunden angeht, beo­bachtet Erste-Bank-Experte Michael Osinger sogar, dass Diesel-Fahrzeuge geordert würden, obwohl aufgrund der geringen Zahl an gefahrenen Kilometern ein Benziner-Modell wirtschaftlich sinnvoller wäre.

„Im Flottenbereich werden zunehmend Benzin-Modelle als Vergleichskalkulation zum Dieselfahrzeug- Leasing angefragt. Letztlich entscheiden aber die Gesamt- kosten über die Fahrzeugwahl.“ Hannes Maurer, Vorstand der Porsche Bank

„Im Flottenbereich werden zunehmend Benzin-Modelle als Vergleichskalkulation zum Dieselfahrzeug-Leasing angefragt. Letztlich entscheiden aber die Gesamt-kosten über die Fahrzeugwahl.“
Hannes Maurer, Vorstand der Porsche Bank

Auch was die Motorleistung betrifft, sind Privatkunden generöser als Flottenkunden. Während Erstere gern bei SUV mit kräftigen Motoren zuschlagen, ist für Letztere der Verbrauch und damit der CO2-Ausstoß ein ganz großes Thema. Schließlich erhöht sich der Sachbezug bei Dienstfahrzeugen (also die steuerliche Belastung für die Pri­vat­nutzung) von 1,5 Prozent auf zwei Prozent, falls das Auto mehr als 127 g/km an CO2 emittiert.

Osinger: „Aufgrund der hohen finanziellen Nachteile für Dienst­wagen­nutzer bei Überschreiten der CO2-Grenze scheiden Autos, die darüber liegen, prak­tisch aus.“ Maurer fügt an, dass dies vor allem bei „User chooser“-Fuhrparks, bei de­nen der Dienstwagen-Fahrer selbst die Auswahl trifft, verstärkt zum Entsche­i­dungs­­kriterium werde.

In jedem Fall ist der Leasing-Markt heiß umkämpft, weshalb sich die Firmen immer neue Zuckerln einfallen lassen. Die ­Erste Bank wartet etwa seit neuestem mit einem Reifen-Leasing auf: Dabei gibt es ab 10 Euro pro Monat je einen Satz Som­mer- und Winterreifen samt Montage zum Fahrzeug dazu – bei freier Reifenwahl.

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