Opel Signum 3,2 V6

24. September 2003
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Opel
Klasse:Kombi
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:211 PS
Testverbrauch:12,1 l/100km
Modelljahr:2003
Grundpreis:39.888 Euro

Mit flexiblem Raumkonzept und ausgefallener Form möchte der Opel Signum auch Kunden aus der Oberklasse ködern. Ob er das Zeug dazu hat, zeigt der große Test

Opel will wieder auffallen. Diesmal aber nicht allein durch intelligentes Raumkonzept, sondern wieder durch mutiges Design – ganz im Unterschied zum etablierten Kompaktvan Zafira oder dem vor kurzem eingeführten Meriva (siehe auch Test in Heft 4/2003). Beide punkten mit vielseitiger und durchdachter Variabilität, treten beim Styling aber zurückhaltend auf. Der neue Signum bringt beides unter einen Hut, er vereint gekonnt die Optik-Merkmale von Limousine und Kombi. Die Front trägt das Gesicht des um vier Zentimeter kürzeren Bruders Vectra, der um 13 Zentimeter verlängerte Radstand schafft noch mehr Platz im Inneren. Unter dem steil abfallenden Glaskuppel-Heck mit der tief in den Stoßfänger gezogenen Klappe – die übrigens weit nach oben schwingt und eine große Öffnung freigibt – warten in der Grund-Konfiguration wenig aufregende 365 Liter Ladevolumen. Damit ist aber nicht Schluss, denn hier beginnt der eigentliche Variabilitäts-Clou des Rüsselsheimers. Ähnlich wie bei einem Van verfügt der Signum über drei Einzelsitze im Fond. Diese können je nach Bedarf um bis zu 13 Zentimeter in Längsrichtung verschoben werden, zusätzlich dazu kann man auch die Lehne in der Neigung justieren. Vier Personen finden jedenfalls jede Menge Platz, vom schmalen und dünn gepolsterten Mittel-Sitz darf man allerdings keinen Komfort erwarten. Sind die Stühle ganz nach vorne gerückt (dann gibt´s noch immer passable Beinfreiheit), wächst das Kofferraum-Volumen auf beachtliche 550 Liter. Klappt man alle drei Sessel schließlich um – per einfachem Handgriff verschwinden sie einzeln komplett eben im Ladeboden -, entsteht ein maximaler Stauraum von 1410 Litern. Sind die aufgestellten Sitze in der hintersten Position, erreicht man für die Fondpassagiere eine Kniefreiheit, die selbst den Vergleich mit ausgewachsenen Oberklasse-Modellen nicht zu scheuen braucht.Und genau in diese Fahrzeug-Klasse schielt Opel. Das untermauert die gute Verarbeitungs-Qualität, die verwendeten Materialien wirken aber nicht durchgehend nobel, das beim getesteten Topmodell Cosmo“ obligate Holz-Dekor im Leoparden-Look etwa scheint ziemlich billig.Für ungleich mehr Wohlfühl-Atmosphäre sorgen die ebenso kommoden wie langstreckentauglichen Vordersitze. Darüber hinaus finden sich im Signum aber auch viele Ablage-Lösungen, die in ihrer Fülle fast schon zu viel des Guten sind, zum Beispiel die Dachkonsole mit ihren fünf (Brillen-)Fächern. Auch der aufpreispflichtige „Travel Assistent“, eine zwischen den beiden hinteren Fondsitzen montierte Box mit Klapptischen, Kühlfach, Getränkehalter, 12V-Steckdose, separater Audio-Bedienung und Halterung für einen portablen DVD-Player wirkt bei aller Gefinkeltheit ziemlich überfordernd.Herhalten muss der neue Opel Signum natürlich auch als familien-freundliches Reiseauto. Trotz seiner üppigen Ausmaße gelang den Rüsselsheimern dank guter Lenkung und ausgewogener Fahrwerksabstimmung ein agiles Handling à la Vectra, einzig die zu träge Automatik und der auffallend hohe Stadt-Verbrauch des Top-Triebwerks, einem 3,2-Liter-Sechszylinder, stören den positiven Gesamteindruck.Auffallen ist also eine wichtige Prämisse des Signum – allerdings nicht um jeden Preis. Denn mit einem Tarif von knapp 40.000 Euro fürs getestete Spitzenmodell unterbietet er die Kombi-Konkurrenz von Audi, BMW und Mercedes deutlich – und in Sachen Variabilität sowie Platzangebot lässt der Neue die etablierten Premium-Produkte sogar noch älter aussehen. TECHNIK V6, 4-Ventil-Technik, 3175 ccm, 155 kW (211 PS) bei 6200/min, max. Drehmoment 300 Nm bei 4000/min, Fünfgang-Automatik mit Tipp-Funktion, Vorderradantrieb, vorne: Dreiecksquerlenker, Stabilisator, Federbeine, hinten: Querlenker, Längslenker, Stabilisator, Schraubenfedern, Stoßdämpfer, Scheibenbremsen v/h (bel.), ABS, L/B/H 4636/1798/1466 mm, Radstand 2830 mm, 5 Sitze, Wendekreis 12,0 m, Servo, Reifendimension 215/55 R 16, Tankinhalt 60 l, Reichweite (bis Tankreserve) 450 km, Kofferraumvolumen 365-1410 l, Leergewicht 1613 kg, zul. Gesamtgewicht 2150 kg, 0-100 km/h 8,5 sec, Spitze 235 km/h, Steuer (jährl.) EUR 864,60, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 15,7/7,8/10,7 l, Testverbrauch 12,1 l ROZ 95Preis: EUR 39.888,- FAHREN & FÜHLEN Der sportlich-sonor klingende 3,2-Liter-V6 bietet ansprechende, jedoch keineswegs überragende Fahrleistungen. Der 24V dreht gleichmäßig hoch und bleibt selbst bei höheren Drehzahlen kultiviert. Plus: geringe Wind- und Abrollgeräusche. Straffes, dank langem Radstand speziell auf langen Wellen komfortables Fahrwerk, unangenehm hartes Abrollen nur bei langsamem Tempo auf schlechten Straßen. Weitgehend sicheres und neutrales Eigenlenkverhalten, leichtes Übersteuern nur bei abrupten Lastwechseln, sanft und effektiv korrigiert vom ESP. Gut: Traktion und Spurstabilität. Im richtigen Maß direkte und präzise Lenkung mit zarten Antriebseinflüssen, griffiges Volant. Sanft und ausreichend spontan schaltende Fünfgang-Automatik. Plus: wirkungsvolle, standfeste und fein dosierbare Bremsen. Ordentlich dimensionierte Sitze mit tadelloser Schenkelauflage und genug Seitenhalt sowie einfacher Verstellung. PLATZ & NUTZ Der gut 4,6 Meter lange Signum bietet bei Vierfach-Besetzung üppige Platzverhältnisse, speziell die Kniefreiheit im Fond überzeugt. Geräumiger, glattflächiger und gut nutzbarer Kofferraum mit großer Öffnung und niedriger Ladekante, via geteilt umlegbarer Rücksitze einfach erweiterbar. Die drei Fondsessel können umgeklappt, einzeln verschoben oder in der Neigung justiert werden und verschwinden nach Umklappen komplett im ebenen Ladeboden. Unverständlich: bei Lederpolsterung keine umklappbare Beifahrersitz-Lehne. Plus: Der mittlere Fondsitz kann zur praktischen Ablage umfunktioniert werden, zahlreiche brauchbare Fächer, One-Touch-Fensterheber rundum, längs- und höhenverstellbares Lenkrad. Minus: großer Wendekreis, mäßige Karosserie-Übersicht, gewöhnungsbedürftiger Blinker-Hebel.

Das unspektakuläre Innen-Design wurde praktisch 1:1 von der Bau-Basis Vectra übernommen: Signum-Cockpit

DRAN & DRIN In der Top-Version „Cosmo“ mit vielen Komfort-Features bestückt, u. a. Lederpolsterung, CD-Radio inkl. 9 LS und Lenkrad-FB, E-Vordersitze inkl. Memory für Fahrer und Sitzheizung (siehe auch Ausstattungs-Kasten auf Seite 57). Eine Klimaautomatik findet sich unverständlicherweise erst in der umfangreichen Extra-Liste, und zwar neben typischen Aufpreis-Posten wie Navigation, Sitzheizung hinten, Einparkhilfe oder Xenon-Licht. Ab Herbst stehen außerdem Kurven-Licht und klimatisierte Multikontur-Vordersitze in der Extra-Liste. Verarbeitung bis auf kleine Patzer o.k. Überzeugend: ordentliche und strapazfähige Materialien. Übersichtlich-ergonomisches Interieur, unauffällig gestylt. Auch mit manuellem Fünfgang-Getriebe kombinierbar. SICHER & GRÜN Aufpreisfreie Sicherheits-Features: (adaptive) Front- und Seitenairbags vorne, durchgehender Kopfairbag-Vorhang, ABS, Bremsassistent, ESP, fünf Dreipunktgurte (Straffer und Gurtkraftbegrenzer auch auf den äußeren Fondplätzen), fünf höhenverstellbare Kopfstützen (reichen vorne bis 1,90 m, hinten bis 1,85 m Körpergröße), Isofix-Verankerungen. Optional: Reifendruck-Kontrolle. Nicht erhältlich: Seitenairbags im Fond, integrierte Kindersitze. Komplett positiv abgehakter Umwelt-Check, aufgrund von Leistung und Fahrzeug-Gewicht angemessener Verbrauch. PREIS & WERT Echte Mitbewerber sind schwer auszumachen, Eroberungen erwartet Opel vornehmlich bei den deutlich teureren, aber auch leistungsstärkeren Konkurrenten Audi A4 Avant, BMW 3er Kombi oder Renault Vel Satis. Eine günstigere Alternative gibt´s im eigenen Haus: Der fünftürige Vectra GTS kostet 4768 Euro weniger, der in Kürze folgende Kombi (siehe auch Seite 18) hat ebenfalls die verlängerte Plattform. Zwei Jahre Neuwagen-Garantie inklusive Mobilität, zwölf Jahre Antidurchrost-Versprechen. Als Top-Modell nur mäßig wertstabil, in Sachen Zuverlässigkeit sollte es keine bösen Überraschungen geben, für alle Fälle gibt´s ein dichtes Werkstatt-Netz. Service & Ölwechsel alle 30.000 Kilometer. ALLES-AUTO-TESTURTEIL :Ungewöhnliche Annäherung an die Oberklasse, aber eine praktische und vergleichsweise günstige Reise-Limousine. Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 7-8/2003

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