Technik: Touchscreen, Knöpfe oder Sprache – was bedient am besten?

20. März 2024
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Aktuelles

Immer mehr Knöpfe haben sich in den vergangenen Jahren aus den Cockpits der Autos verabschiedet. Designer und Autohersteller feiern dies als neuen Purismus des Tablets auf Rädern. Doch viele Autofahrer wollen ihre geliebten Bedienmodule zurück – zumindest einige.

Tesla als Trendsetter

Tesla hat es mit seinem Model S vor rund einem Jahrzehnt vorgemacht. Nahezu alle Schalter, mit denen sich das Elektrofahrzeug bedienen lässt, befinden sich auf dem 17-Zoll-Bildschirm in der Mitte des vermeintlichen Armaturenbretts. Im Gegensatz zum kleineren Model 3 gab es immerhin noch Instrumente hinter dem Lenkrad, das sich über die Jahre nach oben öffnete. Eine Handvoll Taster am Lenkrad und dazu die altbekannten Lenkstockhebel – das war es auch schon. Einst sah das Cockpit eines Pkw völlig anders aus. Noch nicht allzu betagte Modelle wie ein Opel Insignia, der Porsche Panamera oder ein Volvo V70 zeigten, wie viele Taster und Schalter in einem Cockpit unterzubringen waren, um eine sichere Bedienung zu gewährleisten.

Designer wollen Minimalismus

Doch die Designer wollten schon lange Cockpits, die ebenso „sleek“ wie „puristisch“ sind und so dann erkannten die Autohersteller die Möglichkeit, die Armaturenbretter von den zumeist teuren Tastern zu befreien, die einen in Design und Fertigung allzu sehr einschränkten. Einmal mehr waren die Autohersteller aus Asien hier Vorreiter, denn sie etablierten immer größer werdende Touchscreens, die weit mehr boten, als nur den Eingriff von Musikprogramm oder Navigation. Per Fingerberührung ließen sich je nach Modell immer mehr Funktionen bedienen: Klimaanlage, Komfortfunktionen und Soundsystem waren nicht mehr als der vielversprechende Anfang.

Je neuer das Fahrzeug, desto weniger haptische Schalter bietet der Innenraum speziell in der ehemaligen Armaturentafel oder der einst so gefeierten Mittelkonsole, die gerade bei sportlichen Modellen mit zahllosen Schaltern und Drehreglern jahrzehntelang vermeintliche Rennsport- oder Rallyegefühle verbreitete. Doch die immer größer werdenden Bildschirme wurden bei modernen Fahrzeugen nicht zur einzigen Bedienmöglichkeit. Es bleibt das Lenkrad – schlimmstenfalls auch mit allzu berührungsempfindlichen Touchflächen übersäht – dazu Sprache oder Geste.

Erfolgsrezept Gestensteuerung?

Die kurzzeitig von Herstellern wie BMW oder Volkswagen gefeierte Gestensteuerung wurde schnell zum Rohrkrepierer – zu wenige Funktionen, zu verschrobene Gesten und viel zu wenig Akzeptanz auf internationaler Ebene. Immer wichtiger wird seither die Sprachbedienung, denn immer mehr Fahrzeuge neuester Bauart lassen sich mehr oder weniger problemlos mit natürlicher Sprache bedienen. „Mir ist kalt“ bedeutet, dass Klimaautomatik, Sitz- oder Lenkradheizung für wohlige Atmosphäre sorgen, „spiele Earth, Wind and Fire“ lässt musikalisch die Historie auferstehen und selbst Emails oder Kurzmitteilungen lassen sich längst via Sprache und mit beiden Händen am Lenkrad sicher beantworten.

 

Doch die Kundenkliniken von Meinungsforschern und Autoherstellern selbst sind unerbittlich, ehrlich, offen. Immer öfter kommt in den vergangenen zwei bis drei Jahren bei der Begutachtung von Modellen der Zukunft die Rückmeldung, dass die wichtigsten Fahrzeugfunktionen über haptische Direkttasten zu bedienen sein sollen. Darüber können auch riesige Displays, Head-Up-Bildschirme oder Touchflächen nicht hinwegtäuschen. Die Hersteller rümpfen darüber die Nase, denn das macht dem puristischen Design der kommenden Modelle einen schmerzhaften Strich durch die Rechnung, lässt das Cockpits oftmals komplizierter in der technischen Umsetzung werden. Zudem ist ein echtes Update der Bedienung – am besten drahtlos „over the Air“ – bei haptischen Tastern und Drehreglern schlicht unmöglich. Gerade das ist jedoch eine der Einnahmequellen der kommenden Jahre, denn solche Auffrischungen wollen sich die Autohersteller zumindest teilweise bezahlen lassen und das Fahrzeug so zumindest technisch frisch halten.

 

Jetzt werden die Stimmen lauter, dass einige Hersteller überlegen, die Flut an Touchfunktionen auszudünnen und zumindest Basisbedienungen an Direkttaster zu koppeln. Dabei geht es um Module wie Klimafunktionen, die Sitzverstellung, Radio / Soundsystem oder frei programmierbare Taster, wie diese seit längerem bei verschiedenen Autoherstellern angeboten werden. BMW beispielsweise hat sich mit seinen neuen Modellen der 5er- oder 7er-Generation von der eingängigen Bedienung vergangener Generationen verabschiedet. Mercedes erntet für sein gigantisches Glascockpit des Hyperscreens nicht nur Applaus und Marken die Kia und Hyundai bekommen mehr denn je zu spüren, dass sich viele Nutzer die einfachen Direkttasten zurückmelden. Volkswagen hat diesen Trend erkannt, beleuchtete in der neuen Generation die einst so viel diskutierten Slider für Sound und Temperatur.

Gute Kombi

Wie es perfekt kombiniert funktionieren kann, zeigt nicht nur Audi mit seinem neuen Q6 Etron, Skoda mit den Superb, sondern auch Peugeot mit einem neuen Modell wie dem 5008 oder Alfa Romeo mit seinem Tonale. So einfach kann Bedienung sein. Volkswagen verspricht für seinen kommenden ID2 die Rückkehr zu einigen Knöpfen und eine „selbsterklärende Bedienung“ – na dann können die Kunden wieder aufatmen.