VW Golf R32 4Motion DSG

29. April 2006
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:VW
Klasse:Kompaktwagen
Antrieb:Allrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:250 PS
Testverbrauch:11,6 l/100km
Modelljahr:2006
Grundpreis:40.516 Euro

Mit V6-Power, Allrad und DSG bietet der VW Golf R32 in seiner Klasse einen sportlichen Wirkungsgrad, der seinesgleichen sucht

Schon bei den beiden vorigen Golf-Generationen hat VW dem Top-Modell GTI eine V6-Allrad-Variante draufgesetzt, das Label R32 als Überdrüber-Version kam allerdings erst beim Golf IV anno 2002. Besonders große Erwartungen hatte man daran aber nicht geknüpft: In Österreich tummeln sich lediglich 75 Stück der ersten R32-Generation – nicht jedoch aufgrund der geringen Nachfrage, sondern weil das Kontingent bald erschöpft war. Dieses Szenario wird beim aktuellen R32 nicht eintreten, so rechnet VW bereits im ersten Jahr hier zu Lande mit rund hundert verkauften Stück.
Serienmäßig wird der Golf R32 mit manuellem Sechsgang-Getriebe gereicht, wobei einem die 1200 Euro teure Doppelkupplungs-Automatik DSG ans Herz gelegt sei: Nicht nur, dass der Durchschnitts-Verbrauch im Vergleich zum Schaltgetriebe um rund einen Liter sinkt, es verkürzt sich auch der Sprint auf hundert um drei Zehntel. Neu ist die Kombination V6, Allrad und DSG allerdings nicht: Plattform-Bruder Audi A3 und der betagte TT sind schon seit längerem in dieser Version zu haben.

FAHREN & FÜHLEN
Den Wolfsburger Ingenieuren gelang mit dem R32 ein bis in die letzte Faser harmonisches Antriebs-Paket: Der sportlich brummelnde Sechszylinder drängt bei geradezu jeder Drehzahl seidig-kraftvoll nach vorne, der Allradantrieb (portioniert die Kraft variabel bis zu 50 Prozent nach hinten) sorgt für Top-Traktion in allen Lebenslagen, und die optionale Doppelkupplungs-Automatik sortiert die Gänge ebenso flink wie ruckfrei. Wer will, kann die Fahrstufen auch manuell via griffgünstiger Lenkrad-Wipptasten (oder durch Antippen des Wählhebels) wechseln. Das sehr straffe, aber nicht brettharte Sportfahrwerk (zwei Zentimeter tiefer als Serie) hilft, die Kraft ohne Abstriche auf die Straße zu pressen, im Grenzbereich ist der R32 auf sicheres Untersteuern ausgelegt. Wie schon beim Vorgänger sind die Bremsen nicht nur höchst wirkungsvoll, sondern auch recht fein zu dosieren. Dirigiert wird der Über-Golf via sportlich-schwergängiger und präziser Lenkung. Einzig die allzu giftige Gasannahme ist bei langsamer Fahrt und bei Rangier-Manövern gewöhnungsbedürftig.

PLATZ & NUTZ
Fünf Erwachsene finden im R32 – wie in jedem Golf – ausreichend Platz. Das Kofferraum-Volumen ist allerdings nicht berauschend: Bedingt durch den Allradantrieb ist der Ladeboden höher und damit das Stauvermögen geringer als bei den frontgetriebenen Brüdern (275 statt 350 Liter), Erweiterungs-Option ist natürlich via 2:1-Umlege-Lehnen geboten. Die Ergonomie lässt grundsätzlich nichts zu wünschen übrig, allerdings ist der bis 300 km/h reichende Tacho durch die enge Skalierung schlecht ablesbar.

Standesgemäß mit Sport-Zugaben aufgemotztes Cockpit, das abgeflachte Volant kennt man bereits aus dem Golf GTI

DRAN & DRIN
Standesgemäß fährt der R32 bereits ab Werk mit allerhand Sport-Insignien wie 18-Zoll-Alufelgen, blauen Bremssätteln und Alu-Pedalen vor – der Chrom-Grill à la Passat ist das auffälligste Merkmal des Top-Golf. Das serienmäßige Ledervolant ist unten abgeflacht und versprüht nicht nur Renn-Atmosphäre, sondern erleichtert auch groß Gewachsenen das Einsteigen. Das Interieur mit speziellen Alu-Applikationen hinterlässt einen gediegenen Eindruck, an Komfort-Features sind bereits Klimaautomatik, Regensensor und Bi-Xenon-Licht an Bord, Tempomat oder Lederausstattung verlangen dagegen nach einem Kreuzerl in der Aufpreisliste.

SICHER & GRÜN
Die Sicherheitsausstattung entspricht mit sechs Airbags der eines herkömmlichen Golfs, klassenunüblich gibt´s sogar Fond-Seitenairbags gegen Aufpreis. Der Sprit-Konsum ist mit Sechsgang-Schaltgetriebe kein Renommee, mit DSG verringert sich dieser immerhin um rund einen Liter und liegt damit auf Höhe der (zweiradgetriebenen) Konkurrenz. Dennoch: Werte unter zehn Liter zeigt der Bordcomputer nur bei Überlandfahrten, in der Stadt liegt der Verbrauch meist jenseits der dreizehn Liter-Marke.

PREIS & KOSTEN
Der R32 steht mit Allradantrieb in seiner Klasse praktisch konkurrenzlos da. Auf den ersten Blick ist der Top-Golf unverschämt teuer, auf den zweiten Blick jedoch erscheint der Preis angesichts des Gebotenen nicht abgehoben. Ein sehr ähnliches Paket bietet Plattform-Bruder Audi A3 Sportback 3,2 V6 mit DSG, allerdings kostet dieser um rund 3000 Euro mehr. Ein Blick zur zweiradgetriebenen Konkurrenz: Etwa gleich teuer sind Alfa 147 GTA (ebenfalls 250 PS) und der vergleichsweise nackte BMW 130i (265 PS), der 240 PS starke und vierzylindrige Astra OPC kostet etwa 8000 Euro weniger.

FAZIT :
Die beste Allround-Fahrmaschine im Kompakt-Segment zum entsprechenden Tarif.

TECHNIK
V6, 24V, 3189 ccm, 184 kW (250 PS) bei 6300/min, max. Drehmoment 320 Nm bei 2500-3000/min, Sechsgang-Doppelkupplungs-Automatik mit Tipp-Schaltung, Allradantrieb, Scheibenbremsen v/h (v bel.), L/B/H 4246/ 1759/1465 mm, Radstand 2578 mm, 5 Sitze, Wendekreis 10,9 m, Reifendimension 225/40 R 18, Tankinhalt 60 l, Reichweite (bis Tankreserve) 470 km, Kofferraumvolumen 275-1230 l, Leergewicht 1569 kg, zul. Gesamtgewicht 2070 kg, max. Anh.-Last -, 0-100 km/h 6,2 sec, 60-100 km/h (im 4./5. Gang) 4,7/6,2 sec, Spitze 248 km/h, Steuer (jährl.) EUR 1056,-, Werkstätten in Österreich 276, Inspektion/Ölwechsel verschleißabhängig, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 13,1/ 7,7/9,7 l, Testverbrauch 11,6 l ROZ 98
Preis (5tg.): EUR 40.516,-

Serienausstattung: Front- und Seitenairbags vorne, durchgehende Kopfairbag-Vorhänge, ABS, Bremsassistent, ESP, Klimaautomatik, vier E-Fensterheber, CD-Radio mit 8 LS, beheizbare Außenspiegel, Multifunktions-Ledervolant in Höhe und Reichweite verstellbar, Alu-Fußpedale, Regensensor, Isofix, Reifendruck-Kontrolle, Sportfahrwerk, Bi-Xenon-Licht etc.
Extras: E-Schiebedach EUR 1002,-, Metallic-Lack EUR 476,-, Tempomat EUR 403,-, Lederausstattung plus Sitzheizung vorne EUR 2172,-, Schalensitze vorne EUR 1478,-, Mittelarmlehne vorne EUR 153,-, DVD-Navigationssystem EUR 2079,-, CD-Wechsler EUR 347,-, iPod-Vorbereitung EUR 339,-, Einparkhilfe hinten EUR 504,-, Seitenairbags hinten EUR 331,-, Skisack EUR 92,-, Holz-Dekoreinlagen EUR 461,- etc.


Fotos: Len Vincent

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 3/2006

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