Aston Martin Vantage V8 Roadster

3. Mai 2013
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Aston Martin
Klasse:Cabrio/Roadster
Antrieb:Hinterrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:426 PS
Testverbrauch:13,8 l/100km
Modelljahr:2012
Grundpreis:164.100 Euro

Smoking Skills. Ein britisches Sportauto der alten Schule, das gekonnt geführt werden will

Die Gänge wollen nicht eingelegt, sondern eingespannt werden. Die nun direktere Lenkung erfordert eine kräftige Hand, eine kundige sowieso. Die Gegenkräfte der Pedalerie bevorzugen stramme Wadeln. Vieles an diesem Aston Martin erinnert an alte Neunelfer-Porsche. Nur dass der Motor hier halt vorne sitzt. Die Pracht von einem V8 macht ebenfalls auf old school. Frei atmend, also spontan in der Gasannahme und linear in der Kraftentfaltung. Dort hinauf, wo sich die Gipfel von Leistung und Drehmoment befinden, traut man sich heutzutage gar nicht mehr so recht drehen.
Der neue Vantage-Jahrgang ist da. Optisch bringt das mehr Konturen im Bleckkleid, was aber nur bei einer direkten Gegenüberstellung mit dem Vor-Facelift-Modell auffällt. Schauen Sie sich nur die ausgeprägten Seitenschweller an oder die neuen Schürzen, vorne mit Splitter, hinten mit Diffusor. Eleganter als die meisten im Segment fährt man dennoch vor, nach wie vor.

Ein Blick in den aufgefrischten Aufmach-Aston: Innen blieb alles beim Alten – damit leider auch die irgendwie unglückliche Position des Schalthebels

Technisch tat sich vor allem beim Fahrwerk etwas. Neben der erwähnt direkteren Lenkung (Übersetzung 15:1 statt bisher 17:1) notiert der Kenner hinten wie vorne einen Zentimeter mehr Reifenbreite, die Presseunterlagen berichten zudem von überarbeiteten Federn & Dämpfern. Auch die Bremsanlage erfuhr ein Update, so wuchsen etwa die vorderen Scheiben im Durchmesser von 355 auf 380 Millimeter. Und es gibt eine Berganfahrhilfe. Sie finden das peinlich? Eine Blamage ist doch vielmehr, wenn man den sensibel ansprechenden Achtzylinder beim Losfahren auf Steigungen abwürgt.
Wir schweifen ab von den wahren Werten. Trockensumpfschmierung, Transaxleschaltgetriebe, Sperrdifferenzial – alles klassische Ingredienzien eines Supersportwagens. Und der Roadster fährt sich auch erfreulich analog. So muss der Pilot etwa nicht vor Fahrtantritt Aufhängung, Motoransprechen oder Lenkung konfigurieren. Es gibt nur eine Abstimmung, und die ist gelungen, zumindest empfinden das Freunde der alten Schule so. Knackig geht hier eindeutig vor kuschelig – schön, wenn sich ein Sportauto nicht penetrant für jeden Alltags-Weg aufdrängt.
Klassik-Fans könnte auch die Bedienung des Infotainment-Systems erfreuen, die ist nämlich ein bisserl von gestern. Innenraum-Nörgeln geht aber auch aus sportlicher Sicht, den Sitzen würde man nämlich liebend gerne mehr Seitenhalt attestieren. Und wenn wir schon bei Raum-Rüffeln sind: Das, was sich da hinten Kofferraum nennt, konterkariert leider die theoretischen Reisequalitäten des Roadsters, die Aston neuerdings mit der Aufpreisfreiheit von Navi & Tempomat unterstreicht.
Vielleicht möchten die Briten so die Kilometerleistung der Fahrzeuge niedrig und damit ihren Exklusivitäts-Status hoch halten. Wer einen offenen Vantage sein Eigen nennt, beherbergt in der Garage – so stereotypisch darf man ruhig denken – sicher noch ein anderes Auto, das sich besser zum Reisen eignet. Den Roadster hebt man sich lieber für Feierabend oder Wochenende auf, lässt das nobel ausgekleidete Stoffverdeck in 18 Sekunden falten, idealer- weise während der Fahrt (das geht bis 50 km/h), um nur ja keine Sekunde Frischluft-Feeling zu verschenken. Denn durchs Textil gedämmt klingt der unveränderte 4,7 Liter-V8 beinahe gewöhnlich laut, erst im Open-Air-Modus dramatisiert sich das Sound-Spektrum zu einer lustvollen Inszenierung, besonders ab 4000 Touren.
Die tiefe Sitzposition und die flache, weit nach hinten reichende Frontscheibe bringen relativ wenig Sturm zum Drang – was aber auch nach guter alter Briten-Tradition bedeutet: alles Cabrio-Wetter, was niederschlagsfrei. Trockene Pisten befriedigen die Gelüste von G-Force-Junkies freilich am besten, Geschick beim Gasgeben und Gegenlenken vorausgesetzt, bringt auch der Druck auf die Taste zum Abschalten der Stabilitätskontrolle Fahrfreude der klassischen Art.
Wenn da etwas störend wirkt, dann die Position des Schalthebels. Irgendwie mag sie nicht so recht zu Lenkrad und Sitz passen, da kann man noch so viel herumjustieren. Doch seit dem Facelift drängt sich die 4500 Euro teure Sportshift“-Variante noch vehementer auf, bietet sie doch neuerdings sieben statt sechs Fahrstufen und drückt damit ganz nebenbei den CO2-Wert haarscharf unter die politisch gerade noch korrekte 300 Gramm-Grenze. Dass ein automatisiertes Getriebe nicht nur im Supersport-Segment längst überholt ist, monieren nur Nörgler. In Wahrheit ist es natürlich einzigartig klassisch.

Wäre dieser Vantage nicht grau, der Diffusor-Look des neuen Stoßfängers dürfte mehr ins Auge stechen. Die frisch konturierten Seitenschweller tun es, gleich in welcher Farbe

[ i]TECHNIK:[ /i]
V8, 32V, 4735 ccm, 426 PS (313 kW) bei 7300/min, max. Drehmoment 470 Nm bei 5000/min, Sechsgang-Getriebe, Hinterradantrieb, Scheibenbremsen v/h (bel.), L/B/H 4385/1865/1270 mm, Radstand 2600 mm, 2 Sitze, Reifendimension 245/40 R 19 (v), 285/35 R 19 (h), Tankinhalt 80 l, Kofferraumvolumen 144 l, Leergewicht 1710 kg, 0-100 km/h 4,9 sec, Spitze 290 km/h, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 19,6/10,4/13,8 l ROZ 98, CO2 321 g/km

Basis-Preis: EUR 164.100,-

Das knappe Stoffverdeck passt dem Roadster wie angegossen, innen ist es höchst hochwertig ausgekleidet

Fotos: Robert May „

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