Daewoo Lacetti 1,8 CDX

2. Mai 2005
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Daewoo
Klasse:Kompaktwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:122 PS
Testverbrauch:8,5 l/100km
Modelljahr:2004
Grundpreis:17.700 Euro

Dank Konzernmutter GM deutlich besser als der Vorgänger: Daewoo Lacetti

Alle reden von der Globalisierung, bei der Auto-Industrie gehört diese längst zum Alltag – kontinent-übergreifende Allianzen transferieren Know-how und Technologien um die ganze Welt. So auch bei Daewoo. Seit der Übernahme durch General Motors ist die Handschrift von Opel & Co in Details nicht zu übersehen. Jüngstes Beispiel das neue Kompakt-Modell Lacetti, sprich: Latschetti“. So werkt neben einem in England abgestimmten Fahrwerk unter der vom italienischen Design-Guru Giugiaro gestylten Karosserie ein Motor, der bei der australischen GM-Tochter Holden produziert wird. Zumindest optisch ist der Lacetti – innen wie außen – ein völlig eigenständiges Modell.
Die gute Nachricht: Im Vergleich zum Vorgänger Lanos hat der neue Kompakt-Daewoo in allen Disziplinen deutlich dazugewonnen. Nichts fühlt sich mehr uncharmant oder unsolide an, vom einstigen Billig-Beigeschmack der Koreaner ist – bis auf die Farbwahl im Innenraum – nichts mehr übrig. Nur bei den Motoren (derzeit drei Benziner mit 93, 109 und 122 PS im Angebot) gibt es noch Nachholbedarf. Die von uns getestete Top-Motorisierung ist einfach zu laut und außerdem träge. Womit wir auch schon bei der schlechten Nachricht wären: Gedieselt wird nämlich erst ab 2005. Dann mit 1,3 und 1,9 Liter großen Motoren mit 70 bzw. 90 PS. Diese stammen übrigens, ganz im Sinne der Globalisierung, aus dem Fiat-Regal.

TECHNIK
R4, 16V, 1799 ccm, 90 kW (122 PS) bei 5800/min, max. Drehmoment 165 Nm bei 4000/min, Fünfgang-Getriebe, Vorderradantrieb, vorne: Dreiecksquerlenker, Stabi-lisator, Federbeine, hinten: Mehrlenkerachse, Schraubenfedern, Teledämpfer, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 4295/1725/1445 mm, Radstand 2600 mm, 5 Sitze, Wendekreis 10,4 m, Servo, Reifendimension 195/55 R 15, Tankinhalt 60 l, Reichweite (bis Tankreserve) 625 km, Kofferraumvolumen 275-1045 l, Leergewicht 1185 kg, zul. Gesamtgewicht 1680 kg, max. Anh.-Last 1200 kg, 0-100 km/h 9,5 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 9,9 sec, Spitze 194 km/h, Steuer (jährl.) EUR 435,60, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 9,8/6,2/7,5 l, Testverbrauch 8,5 l ROZ 95
Preis: EUR 17.700,-

FAHREN & FÜHLEN
Der 1800er-16V startet prompt, läuft rau und wird erst bei hohen Drehzahlen munter. Geräusch-Kulisse vor allem auf der Autobahn unangenehm laut, die Fahrleistungen liegen auf durchschnittlichem Niveau. Das straff abgestimmte Fahrwerk überzeugt durch hohes Schluck-Vermögen, neigt aber zum Poltern. Eigenlenkverhalten: neutral bis sanft untersteuernd ohne Lastwechsel-Tendenz. Traktion dank (nicht abschaltbarer) Schlupfregelung tadellos. Etwas zu lang übersetztes Getriebe, teigige und unexakte Schaltung. Nur mäßig direkte und leichtgängige Lenkung. Nicht optimal: Volant etwas zu groß und mit rutschigem Leder-Bezug. Fein dosierbare und standfeste Bremsen. Gute Sitzposition dank zahlreicher Verstellmöglichkeiten, ausreichend-konturierte Sessel, etwas zu klein dimensioniert.

PLATZ & NUTZ
Gutes Raumangebot auf allen Plätzen. Die großzügig dimensionierte Fond-Kniefreiheit geht zulasten des leicht zerklüfteten Kofferraums. Fondlehnen asymmetrisch-geteilt umlegbar, Durchlade-Öffnung etwas klein. Praxis-Plus: kleiner Wendekreis, zahlreiche Ablage-Möglichkeiten. Übersicht nach hinten etwas eingeschränkt. Cockpit-Ergonomie bis auf zu tief positionierte Klima-Bedienknöpfe gut. CD-Wechsler praktischerweise direkt unter dem Radio angeordnet. Angenehm: Regensensor und kühlbares Handschuhfach ab Werk.

DRAN & DRIN
Der 1800er ist ausschließlich in der Top-Ausstattung CDX erhältlich. Diese enthält FB-Zentralsperre, Klimaautomatik, Radio mit CD-Wechsler, vier E-Fensterheber, beheizbare E-Außenspiegel, Regensensor. Extras: Metallic-Lack, Automatik-Getriebe. Verarbeitung auf hohem Niveau, nicht überall hochwertige, wenn auch kratzfeste Materialien. Sachlich-gefälliges Design.

SICHER & GRÜN
Sicherheit nicht auf Klassen-Niveau: Front- und vordere Seitenairbags, ABS und Traktionskontrolle, fünf Dreipunktgurte und ebenso viele Kopfstützen (reichen vorne bis 1,90 m, hinten bis 1,80 m), Isofix-Halterungen. Fehlanzeige: ESP, Kopfairbag-Vorhänge. Grün-Checkliste bis auf leichte Mängel positiv abgehakt, Verbrauch etwas zu hoch.

PREIS & WERT
Kostengünstige Alternative: Kaum ein Kompakter ist zu Lacetti-Tarifen zu bekommen: Vergleichbar motorisierte Golfs oder Astras fangen in der Grundausstattung erst bei rund 20.000 Euro an. Toyota Corolla oder Mazda3 kosten mindestens 19.000 Euro, sind dafür fast gleichwertig ausgestattet. Werthaltungs-Prognose dafür schlechter als bei der Konkurrenz. Drei Jahre Neuwagen-Garantie, nur sechs Jahre Antidurchrost-Versprechen. Service alle 15.000 km, die ersten drei Jahre oder 50.000 km kostenlos. Dünnes Werkstatt-Netz.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL :
Kompakt-Koreaner mit reichhaltiger Ausstattung aber lahmer Top-Motorisierung.

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 6/2004

Fotos: Alois Rottensteiner „

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