Großer Test: Mercedes-AMG EQE 43 4MATIC

15. Dezember 2022
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Mercedes Benz
Klasse:Limousine
Antrieb:Allrad
Treibstoff:Elektro
Leistung:476 PS
Testverbrauch:22,2 kWh/100km
Modelljahr:2022
Grundpreis:106.320 Euro

Dass bei den Strom-Modellen von Mercedes stets der Bezeichnung „EQ“ der Stuttgarter Klassen-Buchstabe folgt – im konkreten Fall ein „E“ für Oberklasse – ist würdig und recht, solange es jeweils nur ein Modell gibt. Künftig gerät man damit aber ein wenig in die Namens-Sackgasse, die man im Fall künftiger Hochbau-Versionen nur mit einer Verlegenheitslösung verlassen kann – indem man sie „EQS SUV“ und „EQE SUV“ nennt.

Doch noch sind wir nicht so weit, widmen wir uns lieber dem aktuellen EQE: Der rollt nicht wie der EQS und die gesamte noble Strom-Konkurrenz als Fastback mit Heckklappe an, sondern als Viertür-Coupé. Der Dachbogen zieht sich spannungsvoll durch und zitiert damit den ersten CLS von 2004, kommt aber nicht an dessen Eleganz im Abgang heran. Das Stummelheck wirkt gedrungen, aber auch sportlich, was im Fall der 476 PS starken AMG-Version durchaus passend ist.

Auf den ersten Blick erkennt man die Package-Eigenarten des Elektro-Konzepts: Der Vorderwagen ist ultrakurz, weil darin kein großvolumiger Verbrenner wohnt, der Radstand mit 3,12 Metern extrem lang. Womit man im Vergleich zu einer herkömmlichen Fünfmeter-Limo erhebliche Raumvorteile genießt. Zumindest teilweise – denn das hinten stark abfallende Dach lässt Fond-Passagieren nicht übertrieben viel Kopfraum, und das Koffer-Abteil ist mit 430 Litern ziemlich kompakt geraten.

Ein AMG wird aber weniger an praktischen Werten gemessen, als vielmehr an seinen Fahreigenschaften – und hier überzeugt der EQE 43: Wer das Strompedal durchtreten will, sollte die Halsmuskeln vorspannen und die Mitfahrenden warnen, sonst knallen die Häupter schmerzhaft an die Kopfstützen. 

Das mächtige Drehmoment von fast 900 Newtonmetern steht immer und überall zur Verfügung und wird vom Allradantrieb verlustfrei auf die Straße gebracht. Worte wie „schnell“ oder „rasant“ reichen nicht zur Beschreibung der Beschleunigung, „schlagartig“ trifft es besser.

Das enorme Gewicht von 2,5 Tonnen merkt man weder dem Motor, noch dem hervorragenden Luftfeder-Fahrwerk, noch den kräftigen Bremsen an. Einzig beim Verbrauch kann der AMG-EQE trotz toller Aerodynamik (0,22 cW) keine Wunder wirken: Selbst bei braver Fahrweise kommt man kaum unter 22 kWh pro 100 Kilometer. Rätselhaft, wie man die Normreichweite von 532 Kilometern schaffen soll. In der Test-Praxis erreichten wir mit dem großzügigen 90 kWh-Akku vergleichsweise bescheidene, unterm Strich aber brauchbare 410 Kilometer.  

Motor & Getriebe – Das Anfahrmoment ist bei sanfter Behandlung des Strompedals kraftvoll, aber nicht aggressiv. Die kaum vorhandene Geräuschkulisse kann man auf Knopfdruck innen und/oder außen mit (unpeinlichem) Kunst-Sound aufpeppen. Über Lenkrad-Paddels dreistufig wählbare Rekuperation samt gelungener automatischer Variante – die muss jedoch bei jedem Start neu aktiviert werden.

Fahrwerk & Traktion – Die serienmäßige Luftfederung agiert straff-komfortabel, von ­rüder AMG-Härte ist keine Rede. Selbst mit optionalen 21-Zöllern werden kurze Stöße souverän weggefiltert. Neutrales Fahrverhalten, eventuell nötige ESP-Eingriffe erfolgen schnell und sanft. Sehr direkte und präzise Lenkung, aber großer Wendekreis (trotz Hinterachslenkung). Kräftige Bremsen, sichere Allrad-Traktion.

Bedienung & Multimedia – Aufgrund der vielen Funktionen erfordert die Bedienung Eingewöhnung, erweist sich dann aber als logisch. Echte Tasten gibt es nur für Sitzverstellung (haptisch wenig ansprechend) und Fensterheber, alles andere muss über den großen Zentral-Screen und teils fummelige Softtouch-Tasten geregelt werden. Alternative: die hervorragende Sprachsteuerung. Sportbetonte, dennoch bequeme und vielfach verstellbare Sitze. Schlechte Sicht nach hinten.

Innen- & Kofferraum – Auf allen Plätzen sehr großzügige Bein- und Ellbogenfreiheit, der Kopfraum geht vorne in Ordnung, hinten liegt er (mit optionalem Panoramadach) deutlich unter dem Durchschnitt. Für die Fahrzeuglänge nicht allzu großer Kofferraum, dessen Kellerfach gerade geräumig genug für Kompressor und Ladekabel ist. Recht hohe Ladekante, aber 2:1:2-Umlegelehnen.

Dran & Drin – Die Serienausstattung ist umfangreich (inklusive sportbetonten AMG-Zutaten rundum), dennoch kann noch viel Luxus nachgerüs­tet werden – weil die NoVA wegfällt, sogar zu relativ verträglichen Preisen. Empfehlenswert: das riesige Headup-Display. Sehr gute Verarbeitung, großteils Premium-Materialien.

Schutz & Sicherheit – Sechs Standard-Airbags plus weitere zwischen den Vordersitzen und für die Fahrerknie sind serienmäßig. Abgesehen von automatischer Notbremse und aktiver Spurhaltung eher arm an Assis-tenzsyste­men, das volle Programm findet sich erst in der Aufpreisliste. Immerhin: hervorragende „Digital Light“-Scheinwerfer.

Reichweite & Laden – Für die Leistungsklasse vernünftiger Stromverbrauch. Die Praxis-Reichweite fällt gegenüber dem Normwert zwar stark ab, ist mit gut 400 Kilometern im E-Vergleich aber herzeigbar. Top: Wechselstrom-Laden bis zu 22 kW, Gleichstrom mit bis zu 170 kW – im letzteren Fall ist der Akku nach 30 Minuten zu 80 Prozent gefüllt.

Preis & Kosten – Der EQE bietet im Vergleich zum Audi e-tron GT und dem (allerdings nochmals stärkeren) Tesla Model S die bessere Ausstattung, im Vergleich zum Porsche Taycan ist er zudem preisgünstiger. Vier Jahre Garantie aufs Fahrzeug, acht Jahre auf den Akku, verschleißabhängige Service-Intervalle. 

Das EQE-Cockpit wirkt sportlich, edel und aufgeräumt, die Softtouch-Tasten (vor allem jene am Lenkrad) sind nicht durchwegs bedienfreundlich

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Dass bei den Strom-Modellen von Mercedes stets der Bezeichnung „EQ“ der Stuttgarter Klassen-Buchstabe folgt – im konkreten Fall ein „E“ für Oberklasse – ist würdig und recht, solange es jeweils nur ein Modell gibt. Künftig gerät man damit aber ein wenig in die Namens-Sackgasse, die man im Fall künftiger Hochbau-Versionen nur mit einer Verlegenheitslösung verlassen kann – indem man sie „EQS SUV“ und „EQE SUV“ nennt. Doch noch sind wir nicht so weit, widmen wir uns lieber dem aktuellen EQE: Der rollt nicht wie der EQS und die gesamte noble Strom-Konkurrenz als Fastback mit Heckklappe an, sondern als Viertür-Coupé. Der Dachbogen zieht sich spannungsvoll durch und zitiert damit den ersten CLS von 2004, kommt aber nicht an dessen Eleganz im Abgang heran. Das Stummelheck wirkt gedrungen, aber auch sportlich, was im Fall der 476 PS starken AMG-Version durchaus passend ist. Auf den ersten Blick erkennt man die Package-Eigenarten des Elektro-Konzepts: Der Vorderwagen ist ultrakurz, weil darin kein großvolumiger Verbrenner wohnt, der Radstand mit 3,12 Metern extrem lang. Womit man im Vergleich zu einer herkömmlichen Fünfmeter-Limo erhebliche Raumvorteile genießt. Zumindest teilweise – denn das hinten stark abfallende Dach lässt Fond-Passagieren nicht übertrieben viel Kopfraum, und das Koffer-Abteil ist mit 430 Litern ziemlich kompakt geraten. Ein AMG wird aber weniger an praktischen Werten gemessen, als vielmehr an seinen Fahreigenschaften – und hier überzeugt der EQE 43: Wer das Strompedal durchtreten will, sollte die Halsmuskeln vorspannen und die Mitfahrenden warnen, sonst knallen die Häupter schmerzhaft an die Kopfstützen.  Das mächtige Drehmoment von fast 900 Newtonmetern steht immer und überall zur Verfügung und wird vom Allradantrieb verlustfrei auf die Straße gebracht. Worte wie „schnell“ oder „rasant“ reichen nicht zur Beschreibung der Beschleunigung, „schlagartig“ trifft es besser. Das enorme Gewicht von 2,5 Tonnen merkt man weder dem Motor, noch dem hervorragenden Luftfeder-Fahrwerk, noch den kräftigen Bremsen an. Einzig beim Verbrauch kann der AMG-EQE trotz toller Aerodynamik (0,22 cW) keine Wunder wirken: Selbst bei braver Fahrweise kommt man kaum unter 22 kWh pro 100 Kilometer. Rätselhaft, wie man die Normreichweite von 532 Kilometern schaffen soll. In der Test-Praxis erreichten wir mit dem großzügigen 90 kWh-Akku vergleichsweise bescheidene, unterm Strich aber brauchbare 410 Kilometer.  [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width="1/2" css=".vc_custom_1446571503268{padding-top: 5px !important;}"][vc_column_text el_class="testkategorien"]Motor & Getriebe - Das Anfahrmoment ist bei sanfter Behandlung des Strompedals kraftvoll, aber nicht aggressiv. Die kaum vorhandene Geräuschkulisse kann man auf Knopfdruck innen und/oder außen mit (unpeinlichem) Kunst-Sound aufpeppen. Über Lenkrad-Paddels dreistufig wählbare Rekuperation samt gelungener automatischer Variante – die muss jedoch bei jedem Start neu aktiviert werden. Fahrwerk & Traktion - Die serienmäßige Luftfederung agiert straff-komfortabel, von ­rüder AMG-Härte ist keine Rede. Selbst mit optionalen 21-Zöllern werden kurze Stöße souverän weggefiltert. Neutrales Fahrverhalten, eventuell nötige ESP-Eingriffe erfolgen schnell und sanft. Sehr direkte und präzise Lenkung, aber großer Wendekreis (trotz Hinterachslenkung). Kräftige Bremsen, sichere Allrad-Traktion. Bedienung & Multimedia - Aufgrund der vielen Funktionen erfordert die Bedienung Eingewöhnung, erweist sich dann aber als logisch. Echte Tasten gibt es nur für Sitzverstellung (haptisch wenig ansprechend) und Fensterheber, alles andere muss über den großen Zentral-Screen und teils fummelige Softtouch-Tasten geregelt werden. Alternative: die hervorragende…

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FAZIT

Dieser Stern geht auf für progressive Power-Fans, -Traditionalisten bleiben bei der E-Klasse.

Motor & Getriebe
Fahrwerk & Traktion
Bedienung & Multimedia
Innen- & Kofferraum
Dran & Drin
Schutz & Sicherheit
Reichweite & Laden
Preis & Kosten
User-Wertung : Keine Bewertungen bisher!
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2 Synchronmotoren, Spitzenleistung 476 PS (350 kW), Dauerleistung 184 PS (135 kW), max. Drehmoment 858 Nm, Akku (netto) 90,6 kWh, Allradantrieb mit fixer Übersetzung, Scheibenbremsen v/h (bel.), L/B/H 4964/1961/1492 mm, Radstand 3120 mm, 5 Sitze, Wendekreis 12,4 m, Reifendimension v 265/40 R 20, h 295/35 R 20 (Testwagen-Bereifung v 265/35 R 21, h 295/30 R 21), Kofferraumvolumen 430 l, Leergewicht (EU) 2525 kg, zul. Gesamtgewicht 3095 kg, max. Anh.-Last 750 kg, 0–100 km/h 4,2 sec, 60–100 km/h 2,4 sec, Spitze 210 km/h, Steuer (jährl.) keine, Werkstätten in Österreich 94, Service verschleißabhängig (mind. alle 2 Jahre), WLTP-Normverbrauch kombiniert 19,7 kWh, Testverbrauch 22,2 kWh, Reichweite Norm/Test 532/410 km, Ladedauer bei 22 kW (100%) 4:15 Std, bei 170 kW Gleichstrom (80%) 32 Min

sechs Airbags plus Fahrerknie und Zentral-Airbag, Digital-Armaturen, LED-Licht mit ­Fernlicht-Automatik, Android Auto & Apple CarPlay, induktives Smartphone-Laden, Multimediasystem inkl. 12,8 Zoll-OLED-Touchscreen, Navigation, DAB, WLAN u. Sprachsteuerung, 4x USB-C, Luftfederung, Zweizonen-Klimaautomatik, Kunstlederpolsterung, E-Sportsitze, Sitzheizung v, Spiegel aut. abblend., Außenspiegel el. klappbar, Einpark-Assistent, Rückfahrkamera, Hinterachslenkung (3,6 Grad), 20 Zoll-Räder, Schuko- und Mode 3-Ladekabel etc.

Fahrassistenz Paket Plus (Adaptiv-Tempomat, Spurführungs-, Tempolimit u. Verkehrszeichen-Assistent) € 3042,–, Advanced Plus Paket (Toterwinkel-Assistent, schlüsselloser Zu­­gang etc.) € 2316,–, Premium Paket (Verkehrszeichen-, Spurführungs-, Querverkehrs- und Einpark-Assistent, Rundum-Kameras, Burmester-Sound, Vierzonen-Klima, Augmented Reality für Navi etc.) € 8346,–, ­Headup-Display 1362,–, Lenkradheizung € 324,–, Sitzklimatisierung v € 966,–, Multikontursitze v € 1830,–, Sitzheizung h € 450,–, Echtlederpolsterung € 2844,–, Panorama-Schiebedach € 1902,–, E-Kofferraumdeckel € 660,–, 21 Zoll-Räder ab € 1128,–, Anhängevorrichtung € 1050,–, Keramik-Bremsanlage € 5256,–, Metallic-Lack ab € 1128,– etc.     

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