Jaguar X-Type 3,0 V6 Executive Automatik

30. Juni 2001
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Jaguar
Klasse:Limousine
Antrieb:Allrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:231 PS
Testverbrauch:12 l/100km
Modelljahr:2001
Grundpreis:46.523 Euro

Ausschließlich mit Allrad-Antrieb: Jaguar X-Type

Wer auf den neuen Jaguar besonders neugierig ist und daher jeden bis jetzt erschienen Test verschlungen hat, hat vielleicht bemerkt, dass ausschließlich – oder zumindest prominenter – von den Sport“-Versionen die Rede war. Man kann nun darüber debattieren, ob das an der fachjournalistischen Vorliebe für aktives Fahren liegt oder die Bereitschaft ausdrückt, den jungen Briten von seiner Schokoladenseite zu präsentieren. Tatsache ist jedenfalls: Die Sport-X sind die zwar straffer, aber harmonischer abgestimmten Autos der Palette. Aber die laut Marketing-Plan seltener verkauften.

Bei den Dreiliter-Modellen prognostiziert die Österreich-Vertretung ein Verhältnis von 3:1 zugunsten der komfortablen Executive-Modelle sowie einen hohen Automatik-Anteil, daher haben wir genau diesen Top-Typ ausgewählt.
Man kauft damit aber nicht nur die sanftere Abstimmung, sondern auch eine etwas indirektere Lenkung, weniger bissig ansprechende Bremsen und weicher gestimmten Motorklang sowie eine in die marken-typische J-Kulisse verpackte, konventionelle Fünfgang-Automatik vom japanischen Zulieferer Jatco, von der Jaguar derzeit nur versprechen kann, dass sie in den späteren Verkaufs-Autos weniger hektisch schaltet als in den von uns getesteten Vorserien-Vorführwagen.
Aus all dem ergibt sich ein Fahrgefühl, das sich gut genießen lässt, solange man den Kater streichelt (und ihm die Feder-Schwächen bei kurzen, harten Schlägen gnädig nachsieht). In Sachen aktive Sicherheit gibt es auch nichts auszusetzen, die nicht serienmäßige elektronische Stabilitätskontrolle ist möglicherweise ein Vermarktungs-Manko, aber kein Kurven-Problem. Fahrspaß-Freunde hingegen sollten keinen Kaufvertrag unterschreiben, ohne vorher die Sport-Variante zu versuchen.

Apropos Kaufvertrag unterschreiben: Rund 90 ÖsterreicherInnen haben das bereits blind getan, das Absatz-Ziel (250 Stück noch heuer, 400 X-Type im vollen Jahr 2002) scheint somit absolut greifbar. Wildern will Jaguar dabei vornehmlich im Revier des BMW Dreier, der das Benziner-Geschäft in dieser Klasse – noch dieselt die Katze ja nicht – ganz klar dominiert.
Im groben Gegen-Check kann die feine Ford-Tochter dabei den längeren und hauchzart höheren Innenraum ins Treffen führen, die Breiten-Wertung geht an BMW. Der X-Type hat ein paar Liter mehr Ladevolumen, aber dafür eine Stufe im Kofferraumboden, umlegbare Fondlehnen bieten beide als Extra.
Weil in dieser Liga häufig aus dem Bauch entschieden wird, dürften Zentimeter weniger zählen als Optik und Haptik des Interieurs. Die serienmäßigen Leder-Möbel des Executive sowie die ausdrücklich opulente Gestaltung helfen Jaguar da sehr gegen die nüchterne, in Material und Verarbeitung jedoch eine Spur höherwertige Bayern-Einrichtung.

Trickreich wird´s beim Daten-Vergleich. Da Jaguar den serienmäßigen Allradantrieb nicht überbetont (wohl um unangenehme Fragen nach dem Grund, sprich: der ursprünglich für Vorderradantrieb konstruierten Ford-Mondeo-Plattform, hintanzuhalten), schaut man vom X-Type 3,0 V6 zum BMW 330i. Der zwar die gleiche Nennleistung, aber mehr Drehmoment hat, besser sprintet und weniger verbraucht. Richtig wäre der Blick zum Allrad-Bayern 330xi, dessen Vorsprünge weit geringer ausfallen.
Die Frage ist nur, ob die Kundschaft einen zwangsweise verordneten 4×4-Antrieb schon bei der Kaufentscheidung so korrekt würdigt – oder erst im nächsten Winter, wenn der X-Jag mühelos an Normal-Dreiern vorbei schnurrt, die nur mehr ihre Traktionskontrolle am Kriechen hält.

TECHNIK
V6, 4-Ventil-Technik, 2968 ccm, 169 kW (231 PS) bei 6800/min, max. Drehmoment 279 Nm bei 3000/min, Fünfgang-Automatik, perm. Allradantrieb, vorne: McPherson-Federbeine, Dreiecksquerlenker, oberer Querlenker, Stabilisator, hinten: Längs-, Quer- und Schräglenker, Stabilisator, Schraubenfedern, Teledämpfer, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 4672/1789/1392 mm, Radstand 2710 mm, 5 Sitze, Wendekreis 10,8 m, Servo, Reifendimension 205/55 R 16, Tankinhalt 61 l, Reichweite (bis Tankreserve) 467 km, Kofferraumvolumen 452 l, Leergewicht 1595 kg, zul. Gesamtgewicht 2075 kg, 0- 100 km/h in 7,5 sec, Spitze 229 km/h, CO2-Emission 249 g/km, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 15,1/ 7,8/10,5 l, Testverbrauch 12,0 l ROZ 95
Preis: 637.300,-
Serienausstattung:
Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Seitenairbags v, Kopfairbag-Vorhang v/h, ABS, fünf Dreipunktgurte, fünf Kopfstützen, Nebelscheinwerfer, Klimaautomatik, FB-Zentralsperre, Alarmanlage, E-Fensterheber v/h, beheizbare E-Außenspiegel, Edelholz-Einlagen, Lederlenkrad höhen- und längsverstellbar, Stereo-Kassettenradio inkl. 4 LS, Aluräder, Multifunktions-Lenkrad, Tempomat, E-Sitzverstellung, Lederpolsterung, Bordcomputer etc.
Extras:
elektron. Stabilitätskontrolle (DSC) S 11.900,-, Metallic-Lack S 10.100,-, Fünfgang-Getriebe (Minderpreis) S 33.500,-, el. anklappbare Außenspiegel S 2700,-, Xenon-Licht S 15.800,-, elektron. Einparkhilfe S 6700,-, E-Glas-Hub/Schiebedach S 17.200,-, Innenspiegel autom. abblendend S 2500,-, Sitzheizung v S 6100,-, Skisack S 2500,-, geteilt umlegbare Fondlehne S 4500,-, Ivory-Leder S 16.300,-, Premium-Klangsystem S 14.400,-, CD-Wechsler S 7700,-, Navigationssystem S 42.100,- (mit TV S 56.500,-), Telefon S 16.300,-, Sprachsteuerung (für Hifi, Klima, Telefon) S 10.200,-, Lordosenstütze vorne S 6100,-, Sichtpaket (Regensensor, autom. Scheinwerfer, autom. abblendender Innenspiegel) S 6000,-, Winterpaket (Scheinwerfer-Waschanlage, Sitzheizung v, heizb. Frontscheibe) S 13.800,-, Heckrollo S 2500,-, vollwertiges Ersatzrad S 2700,-, Aluräder 17 Zoll S 21.900,- etc.

FAHREN & FÜHLEN
Sanft schnurrender, drehfreudiger V6, an gelegentlichen Aufheulern ist primär die (noch) etwas hektische Fünfgang-Automatik schuld. Leichtgängige, vor allem um die Mitte etwas indirekte Lenkung, aber angenehm dimensioniertes Volant. Die Bremsen verzögern brav, das Pedalgefühl ist jedoch zu unbestimmt. Die Idee einer straff-komfortablen Abstimmung ist nicht ideal realisiert, weil einerseits immer wieder kurze Polterer durchkommen und der Wagen andererseits etwas zu weich in die Kurve taucht. Dank 4×4 sind Traktion und Grenzbereichs-Reaktion sehr vertrauenswürdig. Große Vordersitze, effektive Verstellmöglichkeiten, verbesserungswürdiger Seitenhalt.

PLATZ & NUTZ
Außen wie innen länger – und daher knie-komfortabler – als die Konkurrenz, die Höhe passt, breit gewachsene Insassen kommen einander nahe. Trotz der Abmessungen fühlt sich die Karosserie kompakt an, die Spiegel sind groß genug, lediglich die breiten B-Säulen behindern die Rundumsicht ein bisschen. Kofferraumvolumen überm Klassen-Schnitt, tiefe Ladekante, Stufe im Boden, 2:1-Umlege-Lehnen gegen Aufpreis. Cockpit ohne nervtötende Schrullen, Ablagen-Angebot ausreichend, alle vier Fensterheber mit voller One-Touch-Funktion. Wohn-Minus: Die mittigen Klimagebläse-Auslässe erlauben kein fein dosiertes Lüfterl.

DRAN & DRIN
Die Serienausstattung des „Executive“ ist komfort-seitig komplett bis hin zu HiFi und Leder (siehe Liste auf Seite 41), zu den reizvollsten Extras zählt wohl der Computer mit Touchscreen-Bildschirm, über den sich – auf Wunsch sprachgesteuert – Telefon, Sound, Navigation und Klimatisierung kontrollieren lassen. Das Außen-Design ist 100 Prozent Jaguar, im opulenten Inneren bemängeln Gourmets eventuell den einen oder anderen Großserien-Knopf und manches allzu sichtbare Plastik. Die Verkaufs-Autos sollten gegenüber den Vorserien-Testwagen noch an Verarbeitungsqualität zulegen können.

SICHER & GRÜN
Sicherheit serienmäßig: zweistufig auslösende Front-Airbags mit Sitzbelegungs-Sensor, vordere Seitenairbags, durchgehende Kopfairbag-Vorhänge, ABS, fünf Dreipunktgurte (vorne mit Straffern und Kraftbegrenzern), fünf Kopfstützen (reichen vorne bis 1,85 m Körpergröße, hinten bis 1,80 m). Gegen Aufpreis: Stabilitätskontrolle DSC. Zeitgemäße Umwelt-Bemühungen, viel Recyclat-Einsatz, Wasserbasis-Lacke, der Verbrauch markiert aber keinen Grün-Rekord.

PREIS & WERT
Ausstattungsbereinigt liegt Jaguar zwar wieder einmal unter den (deutschen) Nobel-Konkurrenten, die Abstände sind aber nicht riesig. Außerdem muss man sich als nicht Etablierter auch noch mit anderen (Volvo, Saab, Lexus oder Alfa) messen. Der kleine Jaguar hat keine Wiederverkaufs-Geschichte, ein Plus für die Betriebskosten-Kalkulation bringen die Dreijahres-Garantie und das Fixkosten-Paket fürs Service. Derzeit nur neun Marken-Stützpunkte in Österreich.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL:
Glaubwürdig als Jaguar, gut als Gleiter, dank Allrad nett im Winter, den großen (Betriebs-) Kostenvorteil darf man aber nicht erwarten.“

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