Lancia Ypsilon 1,3 16V Multijet Argento

28. Juni 2004
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Lancia
Klasse:Kleinwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:69 PS
Testverbrauch:4,7 l/100km
Modelljahr:2003
Grundpreis:14.950 Euro

Ausgesprochen fescher, trotzdem vernünftiger City-Flitzer: Lancia Ypsilon 1,3 Multijet

Komprimiert man italienischen Chic und Lebensstil in ein einziges leistbares Auto, dann kommt der Lancia Ypsilon heraus. Vor allem das weibliche Geschlecht fährt voll auf dessen gutes Image ab – kein Wunder also, dass der Frauen-Anteil beim Vorgänger bei rund 62 Prozent lag. Auch beim Neuen wird sich das Geschlechter-Verhältnis in diesem Rahmen bewegen, und da der feine Kleine vor allem als Stadtflitzer zum Einsatz kommt, ist der 1,3 JTD Multijet – der erste Ypsilon mit Diesel-Antrieb übrigens – besonders interessant. Der aus dem Fiat Punto (von dem auch die verkürzte Plattform stammt) übernommene Commonrailer sorgt nicht nur für ausreichend flottes Vorankommen und niedrigen Verbrauch, sondern passt auch gut zum noblen Charakter des kleinen Lancia: deutlich auf der kultivierten und sanften Seite unterwegs, ohne große Sport-Ambitionen.
Die zurückhaltende Geräuschkulisse sorgt auch dafür, dass selbst Autobahn-Etappen nicht nervig werden. Ebenfalls langstrecken-tauglich geriet der Innenraum. Das Platz-Angebot ist im Vergleich zum Vorgänger spürbar gewachsen, erwachsen fühlt er sich auch unterwegs an. Das beste Argument ist jedoch der Preis, der Diesel-Ypsilon kostet nicht nur 1000 Euro weniger als der vergleichsweise müde 80-PS-Benziner, sondern sogar satte 3500 Euro weniger als der vergleichbare Mini One D, die zweite erste Wahl für Damen, wenn´s um einen noblen City-Flitzer geht.

TECHNIK
4-Zylinder-Reihe, 4-Ventil-Technik, Turbo, 1248 ccm, 51 kW (69 PS) bei 4000/min, max. Drehmoment 180 Nm bei 1750/ min, Fünfgang-Getriebe, Vorderradantrieb, vorne: Querlenker, Stabilisator, Federbeine, hinten: Verbundlenkerachse, Teleskop-Stoßdämpfer, Stabilisator, Scheibenbremsen v, Trommeln h, ABS, L/B/H 3778/1704/1530 mm, Radst. 2388 mm, 4-5 Sitze, Wendekreis 9,8 m, Servo, Reifendim. 185/65 R 14, Tankinhalt 47 l, Reichweite (bis Tankres.) 850 km, Kofferraumvol. 215-290 l, Leergew. 1045 kg, zul. Gesamtgew. 1560 kg, 0-100 km/h 15,1 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 9,8 sec, Spitze 165 km/h, Steuer (jährl.) EUR 178,20, Normverbr. (Stadt/außerorts/ Mix) 5,7/3,9/4,6 l, Testverbr. 4,7 l Diesel
Preis: EUR 14.950,-

FAHREN & FÜHLEN
Der kleine Commonrail-Diesel hängt nach Mini-Turboloch sauber am Gas und bietet guten Durchzug, nur auf der Autobahn fehlt es etwas an Leistung. Die Geräusch- und Vibrationsdämmung ist sehr gut, doch beim Starten beutelt es den 1300er ein wenig. Das Getriebe ist ausreichend kurz abgestuft, die Schaltung mit perfekt platziertem Hebel hingegen teigig und ungenau. Gefühllos: Die Lenkung mit zu hohen Rückstellkräften, im City-Mode aber extrem leichtgängig. In Verbindung mit dem kleinen Wendekreis dafür top beim Einparken und Rangieren. Komfortable Federung mit hohem Schluckvermögen. Eigenlenkverhalten: untersteuernd ausgelegt, bei Lastwechseln wiederum Übersteuern provozierbar. Ruppig ansprechende, standfeste Bremsen. Zu weich gepolsterte Sitze mit kaum Seitenhalt und ausreichender Schenkelauflage.

PLATZ & NUTZ
Fast schon üppige Platzverhältnisse in Reihe eins, dafür wird´s im Fond für Erwachsene speziell im Bein-Bereich beängstigend eng. Immerhin: Einsteigen ist dank großen, weit aufschwingenden Türen und Easy-Entry-Sitzen ein leichtes. Kofferraum-Volumen im Klassenschnitt, durch (aufpreispflichtig) geteilt umlegbare und in der Länge verschiebbare Rückbank (mit fummeliger Entriegelung) erweiterbar. Zahlreiche, aber kleine Ablagen. Tadellose Karosserie-Übersicht bis auf kleine Heckscheibe. Ergonomie mit Detail-Schwächen, schlecht positionierte Lenkstockhebel, nicht im Blickfeld liegende mittige Instrumente, fummelige Bordcomputer-Bedienung. Beim Argento keine One-Touch-Fensterheber. Lenkrad in Höhe und (etwas zu wenig) in Reichweite verstellbar.

DRAN & DRIN
Serie bei der mittleren Ausstattung Argento: E-Fensterheber, Klima, FB-Zentralsperre etc. Durch Ausstattungs-Pakete (enthalten andere Polsterungen, Alufelgen oder Metallic-Lacke) und zahlreiche Extras wie CD-Radio, Bose-Soundanlage, Tempomat, Lederlenkrad oder Einparkhilfe erweiterbar. Nicht alle verwendeten Materialien werden dem Luxus-Anspruch gerecht, teilweise sind sie sogar kratzempfindlich. Akzeptable Verarbeitung, schickes Design.

SICHER & GRÜN
Durchaus sicher: Fahrer- und Beifahrerairbag, durchgehender Kopfairbag-Vorhang, ABS, auf allen fünf (auf Wunsch auch nur vier) Plätzen Dreipunktgurte und Kopfstützen (reichen vorne bis 1,85 m, hinten nur bis 1,65 m). Aufpreispflichtig: Seitenairbags vorne, ESP, Isofix-Halterungen. Grün-Check ohne Tadel, sehr niedriger Verbrauch.

PREIS & WERT
Als Diesel liegt der Ypsilon preislich unterhalb deutscher Kleinwagen (VW Polo, Ford Fiesta, Mini) und über den Japanern Nissan Micra oder Toyota Yaris. Italo-Gegner: der um über 1000 Euro günstigere und gleich motorisierte Plattform-Bruder Fiat Punto. Durchaus positive Werthaltungs-Prognose. Zwei Jahre Neuwagen-Garantie inklusive Mobilität, zwölf Jahre gegen Durchrostung. Dünnes Werkstatt-Netz, Service und Ölwechsel alle 30.000 km.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL :
Nobler Italo-Kleinwagen, vernünftig motorisiert, attraktiv bei Design & Preis.

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 12/2003

Fotos: Alois Rottensteiner