Lexus RX 300: US-Wahlsieger

28. März 2001
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Lexus
Klasse:Geländewagen/SUV
Antrieb:Allrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:201 PS
Testverbrauch:12,9 l/100km
Modelljahr:2001
Grundpreis:55.882 Euro

Macht als Benziner Jagd auf M-Klasse und X5: Nobel-SUV Lexus RX 300

Im Prinzip hat der Lexus RX 300 gegen M-Mercedes und X-BMW hier zu Lande keine Chance. Er ist nämlich nicht mit Diesel erhältlich. Im Verkaufszahlen-Match wird die Toyota-Tochter ihren US-Erfolg bei uns also sicher nicht prolongieren. Doch es gibt ja auch heimische SUV-Fans, die lieber einen kräftigen Benziner haben als einen vernünftig-sparsamen Selbstzünder. Sie lockt Lexus mit einem durchaus verführerischen Angebot.

Preislich erkennt man´s allerdings erst auf den zweiten Blick. Denn eine Dreiviertelmillion Schilling sind erstens kein Pappenstiel und zweitens mehr, als für X5 3,0 A (712.990 Schilling) oder ML 320 (705.774 Schilling) zu berappen sind. Ausstattungsbereinigt steht der RX 300 aber dennoch attraktiver da als die beiden Deutschen. Die Rechnung geht also für alle auf, die ihren Nobel-Allradler eh nicht ohne Leder, elektrische Sitze, automatische Klimaanlage oder Hifi-System mit CD-Wechsler bestellt hätten.

Aufgehen tut die Rechnung weiters hinsichtlich Garantie-Umfang und Zuverlässigkeit, zudem beweisen erstklassige Platzierungen in einschlägigen US-Untersuchungen, dass auch die Rundum-Betreuung durch die Marke passt.
Doch mit Vernunft- und Finanz-Argumenten allein konnte noch kein US-Erfolg in Europa prolongiert werden. Vor allem in ihren Ansprüchen an Fahrdynamik sind Europäer viel schwieriger zufrieden zu stellen als Amis. Und diese Klippe kann auch den Lexus bremsen.

Nein, der RX 300 ist nicht schwammig. Dennoch umfährt er flotte Kehren mit deutlicher – allerdings ungefährlicher – Seiten-Neigung. Schnelle (Wechsel-)Kurven schmecken dem Hochbau-Lexus ebenfalls nicht besonders, da kann schon mal das Heck nach außen drängen. Und bis die Stabilitätskontrolle endlich, nervös piepsend, eingreift, haben kundige PilotInnen schon längst gegengelenkt. Der Fairness halber sei jedoch erwähnt, dass unser Testwagen mit relativ hochquerschnittigen 16-Zoll-Winterreifen bestückt war, mit sommerlichen 17-Zöllern sollte er sich neutraler verhalten.

In der Antriebswertung muss der RX gegenüber M und X5 nur leicht zurück stecken. Das Allrad-System arbeitet ohne Differenzialsperren und Getriebe-Reduktion, daher sind harte Offroad-Ausflüge am besten in der Fantasie aufgehoben. Doch viel aufwändiger arbeitet auch die germanische Konkurrenz nicht. Gegen den 200 PS starken V6 ist ebenfalls nicht viel zu sagen, wenngleich die Automatik mit lediglich vier Gängen auskommen muss. Doch Fahrleistungen und Verbrauchswerte des Lexus sind dank des geringen Wagengewichtes auf jeden Fall konkurrenzfähig.
Ob´s reichen wird, um das Gesamtpaket konkurrenzfähig zu machen, bleibt abzuwarten. Denn viele österreichische Autokäufer wollen für ihr gutes Geld nicht nur viel Vernunft-Gegenwert, sondern zum Premium-Produkt auch einen satten Image-Aufschlag. Und da ist Lexus zwar bemüht unterwegs mit Staatsopern-Sponsoring und Kundencenter-Aufbau, aber zur Zeit garantiert noch nicht erste Wahl.

TECHNIK
V6, 4-Ventil-Technik, 2995 ccm, 148 kW (201 PS) bei 5600/min, max. Drehmoment 283 Nm bei 4400/min, Viergang-Automatik, permanenter Allradantrieb, vorne: Dreiecksquerlenker, Federbeine, Stabilisator, hinten: untere Längs- und Querlenker, Stabilisator, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 4580/
1815/1660 mm, Radstand 2615 mm, 5 Sitze, Wendekreis 13,2 m, Servo, Reifendimension 225/60 R 17, Tankinhalt 75 l, Reichweite (bis Tankreserve) ca. 530 km, Kofferraumvolumen 489-1725 l, Leergewicht 1815 kg, zul. Gesamtgewicht 2270 kg, 0-100 km/h in 9,2 sec, Spitze 180 km/h, CO2-Emission 311 g/km, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 17,7/10,3/13,0 l, Testverbr. 12,9 l ROZ 95
Preis: 765.600,-
Serienausstattung: Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Seitenairbags vorne, elektron. Stabilitäts-Kontrolle (VSC), ABS, Bremsassistent, Antriebsschlupf-Regelung (TRC), Isofix-Kindersitzhalterung, Lederausstattung, Klimaautomatik, FB-Zentralsperre, Alarmanlage, vier E-Fensterheber, elektrisch verstell- und beheizbare sowie autom. abblendende
Außenspiegel, höhenverstellbares Lederlenkrad, el. verstell- und beheizbare Vordersitze, Kassetten-Radio mit CD-Wechsler und 6 LS, Tempomat, Nebelscheinwerfer, abgedunkelte und gespiegelte hi. Seitenscheiben, autom. aktivierte Scheinwerfer, Alufelgen etc.
Extras: E-Glas-Hub/Schiebedach S 22.272,-, Navigationssystem S 45.936,-, Metallic-Lack S 9744,-

FAHREN & FÜHLEN
Der laufruhige, leise V6 wird erst bei hohen Touren bissig, verliert aber selbst dann nicht seine Contenance. Lenkung: indirekt, halbwegs präzise, wenig Fahrbahn-Feeling (geringe Rückstellkräfte). Die Viergang-Automatik schaltet flott, weich und fast immer richtig. Bremsen: fein zu dosieren, kräftig, standfest. Der RX 300 ist komfortabel gefedert, dafür neigt er sich (deutlich, aber unkritisch) in der Kurve, wenn´s zu flott wird, kann schon mal das Heck nach außen drängen, mit zartem Gegenlenken und der nicht zu früh einsetzenden Stabilitätskontrolle ist das jedoch zu korrigieren. Stabiler Geradeauslauf, Top-Traktion dank permanentem Allradantrieb. Die Vordersitze: bequem, aber zu kurze Schenkelauflage und wenig Seitenhalt.

PLATZ & NUTZ
Vorne wie hinten reichlich Platz, die Fondbank ist allerdings etwas zu tief montiert (groß Gewachsene sitzen dadurch mit stark angewinkelten Knien). Laderaum: Durchschnitt beim Volumen, passabel nutzbar (einengende Radhäuser), serienmäßig mit Verzurrösen, Kleinzeugfächern, Abdeck-Rollo und 12V-Steckdose bestückt. Die Fondsitze lassen sich um zwölf Zentimeter in der Länge verschieben und senken sich beim Umlegen (2:1 geteilt) leicht ab, dadurch entsteht eine ebene Fläche (Kopfstützen können dranbleiben). Plus: ordentliche Übersicht, genug Ablagen, Ergonomie ohne Patzer, automatische Scheinwerfer-Aktivierung, Spiegel automatisch abblendend, alle Fensterheber mit One-Touch. Praxis-Schlechtpunkte: riesiger Wendekreis, Heckklappe schwingt nicht weit genug auf, geringe Zuladung, Lenkrad nicht optimal verstellbar.

DRAN & DRIN
Der Lexus geizt nicht mit Luxus-Details (siehe Kasten auf Seite 49). Highlights: elektrisch verstellbare Ledersitze, Hifi-Anlage mit CD-Wechsler, Klimaautomatik. Einzige Aufpreis-Posten bleiben Navigation, Metallic und Schiebedach, elitäre Extras wie Xenon, Sitz-Memory, Regensensor oder TV sind nicht lieferbar. Sauber eingepasste Teile, auf schlechten Straßen kaum Karosserie-Geräusche, hochwertiger Material-Eindruck.

SICHER & GRÜN
Beruhigend bestückt: Front- und Seitenairbags vorne, ABS mit Bremsassistent, fünf Kopfstützen (vorne bis 1,90 Meter Körpergröße einstellbar, hinten nur bis 1,65 Meter), fünf Dreipunktgurte (vorne mit Strammern und Gurtkraftbegrenzern), Isofix-Halterungen. Mit Ausnahme der nicht vorhandenen Wasserbasis-Lacke durchaus grün-bemüht, angemessener Verbrauch.

PREIS & WERT
Etwas teurer, aber besser ausgestattet als die Haupt-Konkurrenten Mercedes ML 320 und BMW X5 3,0 A, Mitsubishi Pajero und Jeep Grand Cherokee sind annähernd gleich teuer, gut 90 Blaue mehr muss man für einen vergleichbar motorisierten Range Rover hinblättern. Lexus-Pluspunkte: drei Jahre Neuwagen- und Mobilitäts-Garantie (12 Jahre gegen Rost), hohe Zuverlässigkeit. Wiederverkauf noch nicht abzuschätzen. Sehr dünnes Werkstatt-Netz (Aufstockung in Aussicht), Service alle 30.000, Ölwechsel alle 15.000 km.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL:
Amerikanisch angehauchter, hochwertiger Nobel-Offroader für alle, die Benziner lieben und dabei nicht unbedingt deutsch denken müssen.

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